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Der ewige Bond - Sean Connery wird 90

Foto: Cinema Legacy Collection / The Hollywood Archive / imago images

Sean Connery wird 90 Lizenz zur Lässigkeit

Seit 2003 genießt Sean Connery, bester aller James-Bond-Darsteller, seinen Ruhestand auf den Bahamas und wird heute 90 Jahre alt. Für unseren Autor war er immer schon ein Idol.

Im August 2008 stellte Sean Connery auf dem Festival von Edinburgh seine Autobiografie vor. Sie konnte nur einen Titel tragen: "Being a Scot". Der überzeugte Schotte, der damals schon lange auf den Bahamas lebte, weil die Sonne dort öfter scheint und die Steuern niedriger sind, kehrte in seine Heimat zurück, um die Errungenschaften seines Landes zu feiern.

Ich flog für den SPIEGEL hin, um ihn zu treffen. Vor Ort musste ich leider erfahren, dass er nur mit Schotten sprechen wollte. Am Ende kam ich ihm nicht näher als sechs Meter. In Wildleder-Slippern schritt er durch die begeisterte Menge und grüßte huldvoll nach rechts und links. Dennoch war ich beseelt wie ein Katholik, der einmal im Leben auf dem Petersplatz den leibhaftigen Papst bestaunen konnte.

Connery ist seit meiner Jugend ein Idol von mir. 1977 machte mich der James-Bond-Film "Der Spion, der mich liebte" schlagartig zum Kinofan. Roger Moore spielte damals 007, mit viel Ironie. Da unser Kino im münsterländischen Oelde regelmäßig auch die früheren Bond-Filme zeigte, entdeckte ich bald das Original: Connery. Und fing an, voller Stolz die langsam sprießenden Haare auf meiner Hühnerbrust zu zählen. Da war eine Männlichkeit auf der Leinwand zu sehen, die ich nicht kannte. Entschlossenheit, Kraft und eine Kälte, die seltsam attraktiv wirkte. Ohne Zweifel hatte sich Connerys Bond die Lizenz zum Töten redlich verdient.

"James Bond jagt Dr. No" (1962) - Sean Connery und Ursula Andress

United Artists

Ich fing an, die Romane zu lesen, auf denen die Filme basierten. Schnell wurde mir klar, dass dem Autor Ian Fleming wohl ein ganz anderer Darsteller vorgeschwebt haben musste. Kein schottischer Prolet, sondern ein englischer Gentleman, weltgewandt und gebildet. Cary Grant oder David Niven waren zuerst im Gespräch, als die Produzenten die Hauptrolle für den ersten 007-Film "James Bond jagt Dr. No" besetzen wollten.

Doch diese Stars waren zu teuer. Die Rolle bekam daher Connery, der als Milchjunge und Sargpolierer gearbeitet und wegen seines Fußball-Talents einen Vertrag von Manchester United angeboten bekommen hatte.

Kalte Verachtung für die "besseren Kreise"

Wie konnte es sein, dass jemand, der für den Job auf den ersten Blick fast so ungeeignet zu sein schien wie ich selbst, der überdies zwar viele Haare auf der Brust, aber kaum noch welche auf dem Kopf hatte und deshalb Toupets tragen musste, zum besten Bond aller Zeiten wurde? Rund 35 Jahre lang trieb mich diese Frage um. Bis ich dann endlich jemanden traf, der sie beantworten konnte: den Production Designer Ken Adam.

Von "Dr. No" an hat Ken Adam, gebürtiger Berliner, den visuellen Stil der Serie entscheidend geprägt. "Sean war auf der Straße aufgewachsen", erzählte Adam. Es habe eine Menge an Arbeit verlangt, aus ihm 007 zu machen. "Terence Young, der Regisseur von 'Dr. No', war ein sehr eleganter Mann", sagte Adam. "Er nahm Sean unter seine Fittiche und verpasste ihm weltmännischen Schliff. Zunächst einmal nahm er ihn mit zu seinem Schneider und ließ ihn einkleiden. Auch Manieren brachte er ihm bei. Und Sean lernte schnell."

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Der ewige Bond - Sean Connery wird 90

Foto: Cinema Legacy Collection / The Hollywood Archive / imago images

Laut Adam war der Regisseur für den Schauspieler eine Art Professor Higgins. Womöglich war es genau diese Transformation, die aus Bond einen so populären Helden und aus Connery einen so großen Star machte. Für die sogenannten besseren Kreise hat Connerys Bond nur Verachtung übrig. Genau diese Verachtung lässt ihn so sexy wirken.

Er bittet nicht um Einlass, er verschafft sich Zutritt, setzt sich über Klassenschranken leichtfüßig hinweg. Doch die High Society ist für ihn nur Mittel zum Zweck, um an den besseren Champagner, die schnelleren Autos und die schöneren Mädchen zu kommen. Weil Connery aus 007 einen lässigen Hedonisten machte, weit entfernt vom Snobismus des Helden in Flemings Romanen, konnte er zu einer Identifikationsfigur für Millionen Menschen werden. Er jettete für uns um die Welt, er zockte für uns am Kartentisch, er spielte für uns Golf. Und er tat all das mit der größten Selbstverständlichkeit.

"Ein ganz schönes Vorstrafenregister"

Regisseur Sidney Lumet

Für mich schimmert Bond fast immer durch, wenn ich Connery in einem Film sehe. Egal was er spielt, es ist eine kräftige Grundierung. Er verkörperte im Laufe seiner Karriere einen Berber mit schottischem Zungenschlag ("Der Wind und der Löwe", 1975) oder einen russischen U-Boot-Kapitän mit Rauschebart ("Jagd auf Roter Oktober", 1990). Er ging an Orte, an denen man 007 eher nicht erwarten würde, zum Beispiel in ein Kloster ("Der Name der Rose", 1986). Doch wie ein Schatten huscht für mich in all diesen Filmen Connerys Bond durch die Szenen. Es ist wie ein 3-D-Effekt, er gibt den Bildern Tiefe. Vielleicht gerade deshalb, weil 007 ein so oberflächlicher Held ist.

Wie ist das eigentlich, wenn man tatsächlich nicht sterben kann, wenn man alles schon erlebt und alle Gegner besiegt hat, wenn man die schönsten Frauen der Welt hatte und sie alle überlebte? Es ist berührend, wie Connery im Fantasy-Film "Highlander - Es kann nur einen geben" (1986) einen spanischen Edelmann spielt, den es ins schottische Hochland verschlagen hat und der zu ewigem Leben verdammt ist. Connery gibt der Figur die Gelassenheit, nichts zu verlieren zu haben, und gleichzeitig die Schwermut, zu tausend Jahren Einsamkeit verurteilt zu sein.

Bond, so wie Connery ihn gespielt hat, hat kein Gewissen und so gut wie kein Innenleben. Doch was wäre, wenn ein Mann wirklich ständig Gewalt erleben würde und seiner eigenen Aggressivität freien Lauf ließe? Furchterregend, wie Connery im Polizeifilm "Sein Leben in meiner Gewalt" (1973) einen psychotischen Polizisten spielt, der einen Tatverdächtigen aus Wut und Frustration zu Tode prügelt. "Wenn Sie Sean besetzen, wissen die Zuschauer schon vorher, zu welcher Brutalität die Figur fähig ist", sagte Sidney Lumet, Regisseur des Films. Die Bond-Filme seien ein "ganz schönes Vorstrafenregister".

Jungenhaftigkeit bis ins Alter

Irgendwann begann Connery, Mentoren und Ersatzväter der Helden zu spielen, die inzwischen von jüngeren Stars verkörpert wurden, von Harrison Ford, Dustin Hoffman oder Nicolas Cage. Es war immer eine Freude, ihm dabei zuzusehen, mit dieser Mischung aus Lebenserfahrung und Lakonie. Je älter er wurde, desto spitzbübischer konnte er wirken; für die Rollen der Gauner in "Family Business" (1989) oder "Verlockende Falle" (1999) war er wie geschaffen. Connerys große Qualität bestehe darin, glaubhaft Männer zu verkörpern, die sich trotz allem, was sie getan hätten, Jungenhaftigkeit bewahren konnten, sagte der Regisseur Richard Lester.

Als Connery 2001 mit "Finding Forrester", einem seiner letzten Filme, auf der Berlinale war, bestand er am Premierenabend darauf, dass der 17-jährige schwarze Darsteller Rob Brown, der neben ihm eine Hauptrolle spielte, vor ihm auf die Bühne ging. Als Connery durch den Vorhang Applaus aufbranden hörte, freute er sich diebisch und führte - so wird berichtet - hinter der Bühne einen kleinen Freudentanz für den Kollegen auf. Da wusste er vermutlich schon, dass er bald aufhören würde, und wollte den Jüngeren den Weg bereiten.

Im Alter von 59 Jahren wurde Connery noch einmal zum sexiest man alive gekürt, mit 69 zum sexiest man of the century. Weiß der Teufel, was mit 79 passiert wäre, hätte er sich nicht dazu entschlossen, zwei Jahre vorher in den Ruhestand zu gehen. Genug Geld, genug Ruhm, genug Lob. Das Filmgeschäft hatte ihm nicht mehr zu bieten, im Gegensatz zu den Bahamas.

Die ganze Aufgeregtheit des Business hinter sich lassen und lieber das Handicap beim Golf verbessern, dann mal kurz nach Schottland rüber, die Autobiografie vorstellen und der ganzen verdammten Presse die kalte Schulter zeigen: Cooler geht's nicht.

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