Sowjetarmee in der DDR Wo sich die Waffenbrüder breitmachten

Schon die DDR-Behörden hatten bemerkt: Das sowjetische Militär neigte dazu, sich auszudehnen. Eine Datenbank zeigt jetzt alle 1116 bislang bekannten Standorte - eine Gesamtfläche vom Ausmaß des Saarlandes.

Lenin-Statue auf dem ehemaligen Militärgelände Wünsdorf
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Lenin-Statue auf dem ehemaligen Militärgelände Wünsdorf


Die sowjetischen Streitkräfte hatten in der DDR mehr Liegenschaften als bislang bekannt. Das haben Recherchen des Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst ergeben. Demnach besetzte Moskaus sogenannte "Westgruppe der Truppen" (WGT) 1116 Objekte mit einer Fläche in der Größe des Saarlandes, was ungefähr zwei Prozent des DDR-Staatsgebiets entsprach. Eine Liegenschaft kann sowohl ein Militärstädtchen bezeichnen als auch einen Truppenübungsplatz oder auch nur einen Bunker.

Bislang war man von nur 1026 solcher Objekte ausgegangen. Die Zahl hatte die DDR ermittelt - nicht ohne Grund: Den Behörden fiel Ende der Achtzigerjahre auf, dass die sowjetischen Waffenbrüder dazu neigten, sich auszudehnen. So begannen sie, mit Zustimmung Moskaus eine Übersicht zu erstellen.

Die Daten wurden 1990 der Bundeswehr von den DDR-Behörden übergeben. Doch bis zum Abzug seiner Soldaten 1994 meldete Moskau 90 Liegenschaften nach. Insgesamt waren in der DDR am 1. Oktober 1990 noch 363.690 Sowjetsoldaten stationiert, rund 700.000 seit 1989 bereits in ihre Heimat zurückgekehrt.

Die größte Truppenkonzentration gab es im ehemaligen Bezirk Potsdam. Brandenburg verzeichnete mit 237 Ortschaften die höchste Zahl an früheren sowjetischen Liegenschaften. Die "Bruderarmee" hatte ihre eigene Welt in der DDR, abgeschirmt von der Bevölkerung.

Die ursprüngliche winzige Gemeinde Wünsdorf beispielsweise war Sitz des Oberkommandos der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland, dort lebten rund 50.000 Soldaten mit ihren Familien - ein Hauch von Moskau mitten in Brandenburg. Zu den größten Stützpunkten zählte auch Jüterbog bei Berlin, 130 Jahre lang vom Militär geprägt und bis zur Wende in der DDR eine Garnisonsstadt für UdSSR-Streitkräfte.

Wo genau sich sämtliche Standorte befanden, das hat das Deutsch-Russische Museum nun zusammen mit dem Deutschen Historischen Institut Moskau und dem Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr zusammengetragen und auf einer interaktiven Karte markiert. Die Objekte konzentrierten sich auf 616 Orte in Ostdeutschland.

klw/gro

insgesamt 8 Beiträge
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Ulrich Börngen, 31.03.2019
1. Fragwürdige Karte
Ich kann natürlich nicht alles nachprüfen. Aber der Flugplatz Altenburg/Nobitz, immerhin damals ordentlich mit Atomwaffen bestückt, findet sich hier nicht.
Hans Kersten, 01.04.2019
2.
In diesem Zusammenhang würde mich interessieren, wie groß die Liegenschaften sind, die den amerikanischen Truppen in Deutschland zur Verfügung stehen. Und wann diese Truppen denn nun auch endlich abrücken werden.
Chilango, 01.04.2019
3. Es fehlen Standorte
Holzhausen bei Bonese in der Altmark. War wohl eine Abhörbasis
frank josef kallenbach, 01.04.2019
4. Berufssoldaten der SA
wohnten um die Ecke, am Ende irgendwie eine schlüssige Erfahrung, gerade im Umgang mit völlig unterschiedlichen Völkern. Kalinka wurde bis spät in die Nacht regelrecht zelebriert, die Kinder im Schlepptau. Gelegentlich bin ich von zu Hause , natürlich unbemerkt, ausgebüchst, um da etwas zu erleben. Du warst da, damit akzeptiert. Wenn man die Schiessbahnen , selbstverständlich illegal, besuchte, konnte es passiren, dass man zu Holzhacken eingeteilt wurde. Ich werde nie vergessen, wenn die Mädels immer akurat in der Schuluniform, mit riesigen Schleifen im Haar nach Hause gingen.
forscher56, 01.04.2019
5. Warum muss eigentlich das Saarland ständig als Vergleich dienen?
Schätze mal, dass 80% der Bundesbürger keine Vorstellung von der Größe des Saarlands haben, geschweige denn mehr als zwei Städte nennen können (Saarbrücken und vielleicht noch Völklingen). Trotzdem wird es ständig als Vergleichsmaßstab herangezogen: Für Waldbrandflächen, Desertifizierungs- und Überschwemmungsgebiete, militärische Liegenschaften.
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