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Francos Spanien: Das Grauen des Krieges

Foto: Ministerio de Cultura, España

Spanischer Bürgerkrieg Fotos, die Franco unterdrückte

Tote Kinder, Flugzeugwracks, Madrid in Trümmern: Mehr als 3000 Fotos aus dem Bürgerkrieg, die das spanische Kulturministerium veröffentlicht hat, zeigen eine Realität, die General Franco verschweigen wollte.

Komplett in weiße Verbände gewickelt, erinnert Hans Seiters Kopf an den einer ägyptischen Mumie, nur für Mund, Nase und Augen bleiben Öffnungen zwischen dem Mull. In den bandagierten Armen hält der Kampfpilot eine spanische Zeitung - der Deutsche ist Kriegsgefangener in einem Madrider Krankenhaus, im Fliegerkorps "Legion Condor" kämpfte er für General Franco und gegen die Spanische Republik.

Das Schwarzweißbild des deutschen Fliegers, Referenznummer 56/29, aus dem Archivo Rojo ist eines von 3051 Fotos aus dem Spanischen Bürgerkrieg, die das Spanische Kulturministerium jetzt im Internet veröffentlicht hat. Die Bilder zeigen zerbombte Hausfassaden in Madrid, Flüchtlinge zwischen Trümmerbergen, Regierungssoldaten mit veraltetem Kriegsgerät.

Fotografen der republikanischen Regierung dokumentierten damit die verheerenden Schäden, die Francos gut ausgestattete Truppen in Madrid angerichtet hatten. Nachdem die Falangisten im März 1939 die Stadt erobert hatten, kamen die Bilder unter Verschluss: Franco wollte verhindern, dass Bilder der Bombardierung von Madrid, die tote Kinder und ausgemergelte Flüchtlinge zeigen, dem spanischen Volk gezeigt werden.

Soldatinnen mit Schwertern

Jetzt soll das Internet bei der Aufarbeitung der in weiten Teilen immer noch unbewältigten spanischen Kriegsvergangenheit helfen: Ein Großteil der Fotos ist nur lückenhaft beschriftet, deshalb werden Besucher des Online-Archivs  aufgefordert, selbst Informationen zu liefern, falls sie mehr über abgebildete Personen und Ereignisse wissen. Da viele der Bilder nie zuvor veröffentlicht wurden, könnte das Archivo Rojo damit zur Fundgrube für noch lebende Zeitzeugen und Hobby-Ahnenforscher werden.

Um die Suche zu vereinfachen, legten die Archivare die hochauflösenden Bilddokumente in Kategorien wie Gebäude, Flüchtlinge, Sport und Kultur, Waffen, Propaganda, Gesundheitswesen oder Kriegstote an. Auch die originalen Info-Karteikarten sind abgebildet, manchmal enthalten sie zusätzliche Daten zu den Motiven.

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Francos Spanien: Das Grauen des Krieges

Foto: Ministerio de Cultura, España

Die meisten Bilder zeigen Szenen aus der Umgebung von Madrid, das vom Ausbruch des Bürgerkriegs im Jahr 1936 bis Anfang 1939 den Eroberungsversuchen von Francos Soldaten standhalten konnte. Zu sehen sind etwa Kinder, die Propagandaplakate kleben, oder auch alte Frauen, die sich mit Pistolen und Schwertern aus rüsten. Sie zeigen, wie die Menschen in ständiger Angst vor Luftangriffen lebten undsich die Verteidiger der spanischen Hauptstadt mit oft stark veralteter Waffentechnik ausrüsteten.

157.000 Kisten Archivmaterial

Die Veröffentlichung der Fotos ist Teil verstärkter Bemühungen des Kulturministeriums, den Bürgerkrieg und die anschließende Franco-Diktatur aufzuarbeiten. In Salamanca, wo der General sein militärisches Hauptquartier hatte, entsteht derzeit ein Museum, das Auszüge aus insgesamt 157.000 Kisten Archivmaterial zeigen wird - unter anderem Protokolle der Staatszensoren, die jedes veröffentlichte Buch, Theaterstück und Gedicht auf staatsfeindliche Tendenzen testeten, und Listen exekutierter Häftlinge.

Neben viel Papier gibt es dort auch Skurriles zu besichtigen - eines der Top-Ausstellungsstücke wird die Perücke des Kommunistenführers Santiago Carrillo sein, der sich verkleidete, um sich nach Francos Tod 1975 unerkannt aus dem Exil nach Spanien zurückzuschleichen.