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Spanischer Bürgerkrieg: Die Republik war tot

Spanischer Bürgerkrieg Weiße Flaggen über Madrid

Nach tausend Tagen blutiger Exzesse endete 1939 der Spanische Bürgerkrieg. Mit Hitlers Hilfe marschierte Faschistenführer Franco in Madrid ein - auch weil die Verteidiger der Republik begonnen hatten, sich gegenseitig umzubringen.

"Was geht in Madrid vor, General?", herrschte Spaniens linker Premierminister Juan Negrín am 6. März 1939 um ein Uhr nachts seinen General Segismundo Casado an. "Nichts weiter, als dass ich mich gegen Sie erhoben habe", erwiderte der General am anderen Ende der Telefonleitung kühl. "Dass Sie sich gegen mich erhoben haben?", wiederholte der Regierungschef ungläubig. "Jawohl."

Am Ende zerfleischte sich die Spanische Republik selbst. Drei Jahre lang, seit Juli 1936, hatten sich ihre Verteidiger - ein kunterbuntes, untereinander zerstrittenes Bündnis aus Anarchisten, Kommunisten, Marxisten und linken Splittergruppen - gegen die rechtsgerichteten Kräfte des General Francisco Franco gewehrt, der Spanien gewaltsam vom "Krebsgeschwür" der Demokratie befreien wollte. Auf Seiten der Republikaner standen neben linken Spaniern auch Zehntausende Sozialisten aus aller Herren Länder, darunter Geistesgrößen wie Ernest Hemingway, George Orwell oder Antoine de Saint-Éxupery.

Gerade Madrid wurde dabei zum Symbol des republikanischen Widerstandes gegen die straff organisierten Truppen des faschistischen Rebellengenerals Franco, dessen Truppen bei ihrem Marsch auf Madrid systematisch mordeten und Terror verbreiteten. Seit Herbst 1936 hatte Franco mehrmals zum Sturm auf die Kapitale geblasen - und jedes Mal wurde er überraschend von zunächst schlecht bewaffneten Zivilisten und Milizen, die mitunter mit der Straßenbahn an die Front fahren mussten, zurückgeschlagen. "No pasarán!" lautete der Schlachtruf der linken Idealisten, die sich Francos Falangisten entgegenstellte, "sie werden nicht durchkommen!"

Doch jetzt, im März 1939, klang dieser Ruf nur noch verzweifelt. Längst hatten die Republikaner die militärische Initiative verloren; ihre letzte Großoffensive am Ebro lag Monate zurück und war nach ersten Anfangserfolgen völlig gescheitert. Inzwischen belagerten Francos Truppen Madrid, der Fall der Hauptstadt schien nur noch eine Frage der Zeit. Schon im Januar 1939 waren sie in Barcelona eingezogen, Ende Februar hatten Frankreich und England Francos Gegenregierung anerkannt, auch wenn die nicht vom Volk gewählt war. Aber der "Generalissimo" hatte mit Gewalt Fakten geschaffen - die Tage der Republiktreuen schienen gezählt, die Götterdämmerung der spanischen Demokratie brach an.

Flucht mit der Flotte?

Der unaufhaltsame Vormarsch der Nationalisten stellte das politisch bunt gescheckte Lager der linken Republikverteidiger vor eine simple Frage: Was nun? Sollten sie bis zur letzten Patrone kämpfen? Oder versuchen, mit Franco noch einen Verhandlungsfrieden in letzter Minute zu erreichen? "Entweder wir retten uns", forderte der legitime Regierungschef Negrín noch Mitte Februar 1939 kämpferisch, "oder wir gehen in Schmach und Schande unter".

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Spanischer Bürgerkrieg: Die Republik war tot

Die militärisch aussichtslose Lage der Republikaner allerdings ließ Rettung kaum erwarten. Viele republiktreue Kommandeure aber wollten keinen sinnlosen Endkampf mit Franco und misstrauten den schrillen Durchhalteparolen ihres Oberkommandierenden Negrín. Dazu brachen jetzt die lange Zeit nur mühsam unterdrückten ideologischen Spannungen im linken Lager offen aus. Dass die straff organisierten und direkt aus Moskau gelenkten Kommunisten die republikanische Flotte kontrollierten, betrachteten deren anarchistische, marxistische oder andere links ausgerichtete Waffenbrüder mit wachsendem Argwohn: Würden die Kommunisten die Schiffe womöglich nutzen, um in letzter Minute nur ihre eigenen Genossen zu retten?

Und so entspann sich die finale Tragödie der Spanischen Republik: ein blutiger Bürgerkrieg im Bürgerkrieg, ausgelöst wiederum durch einen Putsch gegen die legitime Regierung - diesmal von links. General Casado verjagte Premier Negrín und seine Regierung ins Exil nach Frankreich, die Macht in Madrid übernahm ein Nationaler Verteidigungsrat, dem alle linken Gruppierungen außer Negríns Kommunisten angehörten. In tagelangen erbitterten Kämpfen in den Straßen von Madrid schossen Anarchisten auf Kommunisten, Kommunisten exekutierten Anhänger des putschenden Casado, es gab rund 2000 Tote. Erst als Casados Anhänger den wichtigsten kommunistischen Kommandeur festnahmen und hinrichteten, war die Machtprobe entschieden.

Fatale Fehleinschätzung

Aber damit war das ohnehin ausgeblutete Lager der Republikaner nun endgültig am Ende. Es fehlte an Waffen, Munition, Kraft, Siegesglaube. Gleichzeitig scheiterte Casados Rettungsplan grandios. Der General hatte darauf gesetzt, dass Franco mit ihm als strammem Militär eher verhandeln würde als mit der verhassten kommunistischen Regierung - eine fatale Fehleinschätzung. Bereits nach wenigen Tagen ließ Franco am 25. März alle Verhandlungen mit Casado platzen.

Warum sollte er auch noch verhandeln? Madrid fiel ihm wie eine reife Frucht in die Hände. "Rot hat geräumt, nur einige Leute wurden in vorderer Linie gelassen, hatten wohl Befehl zur Verteidigung, laufen aber alle weg", notierte Wolfram von Richthofen, Stabschef der berüchtigten deutschen "Legion Condor", die auf Seiten Francos gekämpft und die baskische Kleinstadt Guernica in Schutt und Asche gelegt hatte, am 27. März 1939 aufgeregt in sein Tagebuch. Auch über Madrid hatte Hitlers "Legion Condor" immer wieder einen tödlichen Bombenteppich abgeworfen - und Franco damit zum Sieg verholfen. Entsprechend stolz schrieb von Richthofen nun in sein Tagebuch: "Nachricht, dass bei Madrid überall weiße Flaggen sind und einzelne Formationen überlaufen. Der Krieg ist zu Ende!" Am folgenden Tag rückten Francos Soldaten in Madrid ein. Die Republik war tot.

Am 19. Mai ließ der neue starke Mann Spaniens in Madrid eine bombastische Siegesparade abhalten. Auch die "Legion Condor" marschierte mit: "Fahre voraus!", notierte Richthofen selbstzufrieden. "Alles klappt! Zuschauer wild. 'Viva Alemannia'". Nachdem sie ihren Triumph ausgekostet hatten, machten sich Franco und seine Anhänger daran, brutal Rache zu nehmen - gemäß der Forderung des Bischofs von Vic, "den Eiter aus Spaniens Eingeweiden zu entfernen". Hunderttausende ehemalige Anhänger der Republik, politische Gegner oder Unbequeme verschwanden in den Folgejahren in Francos Kerkern oder wurden ermordet.

Vermutlich 200.000 Menschen wurden im Bürgerkrieg und in den Nachkriegsjahren im von Namen Francos Sache umgebracht. Aber auch die Republikaner ließen in ihrem Einflussgebiet rund 38.000 politische Gegner ermorden, darunter auch 6800 Geistliche, die sie auf der Seite Francos wähnten. Auch wenn solche Zahlen nur Schätzungen sind, haben sie durchaus immer noch Sprengkraft: Bis heute berühren und polarisieren sie die spanische Gesellschaft, bis heute wird noch nach Massengräbern und den Gebeinen politischer Opfer gesucht. Für die Spanier ist der Bürgerkrieg auch nach 70 Jahren noch eine offene Wunde.

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