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Unterwegs mit Schwarzenegger: Nackert in München

Foto: Rolf Hayo

Unterwegs mit Schwarzenegger Nackert in München

Einen Bodybuilder knipsen - kein Job, um den sich Fotograf Rolf Hayo reißen würde. Doch als sich Modell Arnold Schwarzenegger im September 1967 mitten in der Münchner Innenstadt auszog, geriet das Fotoshooting zum Happening.

Wie ich Arnold Schwarzenegger kennenlernte? Es war eigentlich eine ziemlich skurrile Geschichte, damals im September 1967. Arnold verbrachte damals den Großteil seiner Zeit in einem Fitnessstudio im ersten Stock der Schillerstrasse am Münchener Hauptbahnhof. Er war ein blutjunger Bursche aus der Steiermark, gerade 20 Jahre alt, der wenige Tage zuvor in London zum "Mister Universum", zum Meister der Bodybuilder, gekürt worden war.

Der Studiobetreiber, mit dem Arnold wohl heute noch befreundet ist, nahm Verbindung mit der Illustrierten "Quick" auf, für die ich damals als Fotograf arbeitete - er wollte aus dem Titel seines Schützlings natürlich ein wenig mediales Kapital schlagen.

Dann gab der Fotochef der "Quick" ausgerechnet mir den Auftrag, Arnold abzulichten, ein Treffen wurde vereinbart. Gerissen hatte ich mich um den Job nicht, im Gegenteil. "Ohje, warum nur gerade ich", war meine Reaktion im Inneren. Ich war voller Vorurteile gegenüber dem muskelbepackten Jüngling. Ein Bodybuilder? Das konnte doch nur eine Dumpfbacke sein.

Stadtspaziergang, leichtbekleidet

Doch Arnie brach das Eis nach wenigen Minuten. Im Gespräch erwies sich der Typ sehr schnell als witzig, aufgeweckt und durchaus gescheit. Er muss meine Erleichterung gespürt haben - wahrscheinlich war er mit so einer skeptischen Reaktion auch nicht zum ersten Mal konfrontiert. Kurz: Die "Chemie" stimmte schnell einigermaßen - nicht ganz unwichtig, wenn am Ende brauchbare Bilder herauskommen sollen.

Wir machten zu erst ein paar Aufnahmen im Fotostudio. Dann machte ich Arnie kurzerhand einen ziemlich frechen Themenvorschlag: "Arnold, es ist warmes Spätsommerwetter. Wir machen einen Spaziergang durch die Innenstadt. Du leichtbekleidet, und von Zeit zu Zeit machst Du ein bisschen Posing. Je nachdem wie das Publikum reagiert, wird das dann die Reportage!"

So gut wie nackt und mit geöltem Körper durch das konservative München laufen? Ich rechnete natürlich mit einer deftigen Abfuhr. "Wuist mi verarschen, den Scheiß moach i net mit!", hörte ich Arnie in Gedanken schon sagen. Doch ganz im Gegenteil: Arnold fand die Idee lustig - und wir liefen los.

Adonis mit Marktfrau

Wir machten ein paar Aufnahmen in der Schalterhalle des Münchner Hauptbahnhofs. Arnold poste, als ob er auf der Bühne stünde und es um den Weltmeistertitel ginge. Schnell bildete sich, in gehörigem Abstand, ein großer Kreis von Schaulustigen. Die Leute waren etwas ratlos, aber meist doch amüsiert und nicht etwa schockiert.

Am Stachus lies Arnold im knappen Slip mitten im Strom der Passanten auf dem Weg in den Feierabend seine gigantischen Bizeps spielen. Ein Mann hob lachend den Arm und bog ihn wie Arnie. Es war natürlich ein tolles Motiv.

An der Bayerstraße wollte eine Marktfrau unbedingt Arnolds Muskelberge befühlen. Die Umstehenden bogen sich vor Lachen, als das Hutzelweib ihre schwielige Hand auf den Oberarm des jungen Adonis legte. Ich weiß noch, dass sie in der anderen Hand eine große Weintraube hielt, was dem Bild erst den richtigen Pfiff gab.

"Schau weg, das ist ein Krüppel"

Der bizarrste "Zwischenfall" war vielleicht der kurze Dialog zwischen eine Mutter und ihrem kleinen Sohn während unserer Aufnahmen: "Ui, des mecht' i a mache!", rief der Dreikäsehoch beim Anblick des mächtigen Arnold aus. Die Mutter war nicht amüsiert und beschied ihren Sohnemann streng: "Schau weg, das ist ein Krüppel."

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