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Der charmante Serienkiller: Mythos Ted Bundy

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US-Serienmörder Ted Bundys letzte Freakshow

Selbst seine Anwältin nannte ihn "Verkörperung des herzlosen Bösen". Ted Bundy ermordete in den Siebzigerjahren mindestens 30 Frauen, wahrscheinlich mehr. Erst kurz vor seiner Hinrichtung im Januar 1989 gestand er - und genoss die Aufmerksamkeit bis zuletzt.

Nur die Stirnfurchen verraten seine innere Anspannung. "Ich war eigentlich eine normale Person", beharrt der Inhaftierte mit sanfter Stimme. "Ich führte ein normales Leben. Bis auf diesen kleinen, doch sehr machtvollen und destruktiven Bestandteil, den ich vor allen geheim hielt." Er wendet den Blick ab.

Raiford, Florida, 23. Januar 1989, 14.30 Uhr: Der Mann mit der sanften Stimme heißt Ted Bundy und einer der berüchtigsten Serienkiller Amerikas - und er hat nur noch Stunden zu leben. Das von einer Kamera aufgezeichnete Gespräch  findet im Todestrakt statt, kurz vor seiner im Morgengrauen anberaumten Hinrichtung.

Ihm gegenüber sitzt James Dobson, ein erzkonservativer TV-Prediger. Der Evangelikale ist auf Wunsch Bundys angereist, um ihm zu entlocken, was den Ermittlern versagt blieb - ein endgültiges Geständnis: Wie viele Morde gehen wirklich auf sein Konto? 30? 50? 60?

Mehr als eine halbe Stunde lang offenbart sich der Todeskandidat. Erzählt von seiner Familie, seiner Jugend, seiner Sucht nach Pornografie und den vielen Morden. Von sich selbst spricht er dabei durchweg in der Vergangenheitsform.

Ein volles Geständnis bleibt aus. "Ich war nicht pervers", sagt er. "Ich will nicht sterben."

"Verkörperung des herzlosen Bösen"

Es ist Bundys letzte Freakshow. Mit seinem jungenhaften Charme wickelt er Dobson ebenso um den Finger, wie er es mit den zahllosen Frauen getan hat, die er bezirzte, verschleppte, folterte, vergewaltigte, erwürgte, erstach, erschlug, enthauptete, schändete und verscharrte.

Die, die ihn kennen, durchschauen sein Spiel. "Ein sadistischer Soziopath, der das Leid eines anderen Menschen genoss", schreibt seine Ex-Freundin Ann Rule später über ihn. Selbst Bundys letzte Anwältin Polly Nelson, die ihm den elektrischen Stuhl ersparen wollte, sagt später: "Ted war die Verkörperung des herzlosen Bösen."

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Der charmante Serienkiller: Mythos Ted Bundy

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Mehr als ein Jahrzehnt wurde nach ihm gefahndet, von Oregon bis nach Florida. Man hat ihn verhaftet, wieder laufen lassen, wieder geschnappt, angeklagt und dreimal zum Tode verurteilt. Sein Fall füllte Titelseiten, TV-Sendungen und eine dicke Akte beim FBI, das ihn zu einem der zehn meistgesuchten Killer der Nation ernannte und ein Kopfgeld von 100.000 Dollar auf ihn aussetzte.

Bücher wurden über ihn geschrieben und Doktorarbeiten verfasst. Krimiautor Thomas Harris nimmt ihn als Vorlage für "Buffalo Bill", den Killer in seinem von Hollywood verewigten Psychothriller "Das Schweigen der Lämmer".

Trotzdem bleibt Ted Bundy auch Jahrzehnte später ein Rätsel. An seinem Mythos feilte er noch bis kurz vor seinem Tod.

Plötzlich verschwinden Studentinnen

Offiziell gestand Bundy 30 Morde in sieben US-Staaten, von 1974 bis 1978. Die wahre Zahl dürfte viel höher liegen, womöglich waren es sogar mehr als hundert. Am Ende weiß keiner, wie viele Frauen er tatsächlich umgebracht hat - oder warum.

Doch wo beginnt ein Leben falsch zu laufen? Wann gibt es kein Zurück mehr?

Bundy, in dürftigen Umständen aufgewachsen, geht im nordwestlichen US-Bundesstaat Washington aufs College, studiert in Seattle Jura. Nach einer unglücklichen Liebesgeschichte stürzt er sich Anfang der Siebziger in mehrere Beziehungen. Eine seiner Freundinnen ist Elizabeth Kloepfer, sie kennen sich seit 1969.

Es ist zu jener Zeit, dass im Umkreis von Seattle plötzlich junge Frauen verschleppt und ermordet werden, eine nach der anderen.

Eine Studentin macht sich zu einem Konzert auf, kommt aber nie an. Eine andere verschwindet auf dem Weg ins Kino, eine auf dem Weg ins Café, eine nach einem Kneipenbesuch, eine mitten auf dem Campus, zwei andere am helllichten Tag an einem belebten Strand. Eine weitere wird im Bett mit einem Stahlrohr halbtot geschlagen. Nur sie überlebt.

Alle Opfer sind zwischen 18 und 22 Jahre alt. Die Leichen finden sich später in Waldgebieten, nackt, vergewaltigt, manche erwürgt, andere erschlagen.

Flucht aus dem Gerichtssaal

Die Polizei sucht fieberhaft nach dem Täter. Augenzeugen sprechen von einem charmanten Mann mit einem beigefarbenen VW Käfer. Bundys Freundin Elizabeth Kloepfer erkennt den Wagen und das Phantombild sofort. Doch die Cops schenken ihr keinen Glauben.

Im August 1974 zieht Bundy nach Salt Lake City. Die Mordserie im Nordwesten endet. Stattdessen beginnen nun in Utah und den angrenzenden Staaten Idaho und Colorado Frauen zu verschwinden. Der Killer ist gewalttätiger geworden: Die Leichen sind nun entstellt, geschändet, manche nachträglich geschminkt wie groteske Puppen.

Elizabeth Kloepfer ahnt längst Böses: Die Tatorte decken sich mit den Wohnorten ihres Freundes. Erneut alarmiert sie die Polizei, die Bundy nun auf ihre Liste der Verdächtigen setzt. Doch zunächst reichen die Beweise nicht.

Im August 1975 rast Bundy in eine Verkehrskontrolle. Es ist der Anfang vom Ende. Dieses Mal kommt er davon, aber als er seinen Käfer verkauft, finden sich darin Haarspuren. Das Puzzle fügt sich zusammen. Bundy wird angeklagt.

Bei einem Gerichtstermin flieht er, indem er aus dem Fenster springt. Versteckt sich in den Bergen, wird wieder gefasst, flüchtet erneut. Diesmal durch ein Loch in seiner Zellendecke. In Florida überfällt er 1978 sechs weitere Frauen, drei erwürgt er, drei überleben. Am Ende fasst ihn ein Cop, der erst keine Ahnung hat, um wen es sich da handelt: "Hättest du mich doch umgebracht", schimpft Bundy.

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In drei Prozessen wird Bundy 1979 und 1980 dreimal zum Tode verurteilt. Doch erst im Todestrakt gesteht er insgesamt 30 Morde in Washington, Oregon, Utah, Colorado, Idaho und Florida. Zugleich enthüllt er grausige Details. So habe er ein Dutzend seiner Opfer posthum enthauptet und einige Köpfe eine Zeitlang in seiner Wohnung aufbewahrt.

Am Morgen des 24. Januar 1989 wird Bundy an den elektrischen Stuhl gefesselt. Mit seinen letzten Worten grüßt er "meine Familie und Freunde". Dann jagen 2000 Volt durch seinen Körper. Um 7.16 Uhr ist der Serienkiller tot.

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