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Promis, Protz und Prunk: Willkommen zuhause

Foto: epa Armando Aroriyo/ dpa

Verrückte Promi-Residenzen Wir müssen leider draußen bleiben

Liebesgrotten mit Jacuzzi, garagengroße Kristalllüster und vergoldete Pianos - solche Wohnträume können nur Stars, Tycoone und Diktatoren haben. einestages zeigt gebaute Parallelwelten, zu denen Normalsterbliche keinen Zugang bekamen: die aberwitzigsten Fluchtburgen der Welt.

Die einen lieben Märchen - die anderen leben sie. Vorausgesetzt, sie sind reich, besessen und abgedreht genug.

König Ludwigs Venusgrotte

Der spinnerte König Ludwig II. von Bayern war darin ein Meister. Um nur ja von aller Welt abgeschirmt zu sein beim Dinieren im rotsamtenen Speisezimmer, machte er das Märchen vom "Tischlein deck dich" wahr. In seinem Schloss Linderhof im Graswangtal bei Oberammergau befahl er den Einbau eines komplizierten Aufzuges - zwischen dem Essraum und der darunter liegenden Küche. Per Kurbel ließ sich die Tafel mit dem opulenten Festschmaus direkt vor seine Nase zaubern. Der Mann ließ aber nicht nur beim Speisen Märchen Materie werden. Mit Neuschwanstein ließ er eine gotische Gralsritterburg entstehen, und in Herrenchiemsee errichtete er seine Interpretation von Versailles. Im Schloss Linderhof befindet sich außerdem die Richard Wagner geweihte Venusgrotte. Diese protzte nicht nur mit künstlichem Wasserfall, muschelförmigem Boot, Regenbogen-Projektor und Wellenmaschine. Sie hatte sogar eine eigene Heizung.

"O es ist notwendig, sich solche Paradiese zu schaffen, solche poetischen Zufluchtsorte, wo man auf einige Zeit die schauderhafte Zeit, in der wir leben, vergessen kann", hat der Ahnherr aller exzentrischen Bauherren, Aussteiger und Träumer einst geseufzt - und damit genau das in Worte gefasst, was so viele Stars, Mega-Reiche und Schurken nach ihm ersehnt haben: der Wirklichkeit entfliehen und eine Art Parallelwelt erschaffen, ein Märchenreich, in dem sie selbst der König sind.

Schloss Neuschwanstein

Schloss Neuschwanstein

Foto: CORBIS

Michael Jacksons Neverland

Dem Märchenkönig am nächsten kam wohl Michael Jackson. Mit seiner Neverland Ranch bei Santa Barbara erschuf der King of Pop einen gigantischen Kunststaat, der dem des Bayernkönigs - den der Sänger heiß verehrte - in nichts nachstand. Wie Ludwig war Jacko zu gleichen Teilen Misanthrop, Technikfreak und Verschwender. Nur dass er lieber in einem Sauerstoffzelt schlief, Spielzeugläden leer kaufte und einen Schimpansen zum besten Freund hielt anstatt sich durch die eigene Grotte chauffieren zu lassen.

Der King of Pop ließ es auf seinem rund 30 Millionen Dollar teuren Privat-Kinderspielplatz an nichts fehlen. Das abgelegene, wie ein Hochsicherheitstrakt abgeschirmte Elf-Quadratkilometer-Areal beherbergte zu seinen irrsten Zeiten nicht nur ein mit Kitsch vollgestopftes Luxus-Schloss nebst 20 Häusern, sondern auch einen kompletten Zoo inklusive weißer Tiger und Elefanten. Außerdem einen gigantischen Vergnügungspark mit Riesenrad, Karussells, Märchenbahn, Wigwams und Dutzenden Süßigkeiten-Ständen.

All das ein verzweifelter Versuch, die eigene verpasste Kindheit nachzuholen - und schon zu Lebzeiten am eigenen Mythos zu basteln, sich einzureihen in die Galerie der tragischen Traumkönige. Großes Idol Jackos neben dem Märchenkönig Ludwig war daher Elvis, der King of Rock'n'Roll. Um dessen Karma auf sich übergehen zu lassen, heiratete er nicht nur dessen Tochter Lisa Marie. Er verbeugte sich mit dem Namen seines Heims ebenso vor Graceland, der Fluchtburg des Presley, wie vor dem Kinderbuchklassiker "Peter Pan".

Die Neverland Ranch

Die Neverland Ranch

Foto: epa Armando Aroriyo/ dpa

Elvis Presleys Graceland

Elvis' Prunkvilla ist nach dem Weißen Haus das bekannteste Gebäude der USA - und eine moderne Pilgerstätte. Jahr für Jahr besuchen mehr als 600.000 Fans das pompöse Südstaaten-Herrenhaus in Memphis. Der legendäre Name des Anwesens stammt allerdings nicht vom King selbst, sondern von dem Vorbesitzer. S. E. Toof war der Herausgeber der örtlichen Tageszeitung "Memphis Daily Appeal" und benannte sein Heim nach seiner Tochter Grace.

1957 kaufte Elvis die Immobilie und lebte 20 Jahre lang dort. Genug Zeit, um Unmengen herrlicher Geschmacklosigkeiten wie einen vergoldeten Flügel oder einen Limonadenbrunnen anzuschaffen. Während Fans zu Elvis' Lebzeiten davon träumten, das Heiligtum nur einmal betreten zu dürfen, standen Kritiker dem Wohnstil des King eher fassungslos gegenüber: "Hillbillie-Neuschwanstein", lästerten die einen. Es sehe aus, "als hätte man ein Jahrhundertwende-Bordell aus New Orleans" nachgebaut, fanden die anderen.

Dennoch gilt Graceland heute als das Mekka aller Rock'n'Roll-Fans - während die Skywalker-Ranch als Gral der "Star Wars"-Freaks gilt. Wichtiger Unterschied: Anders als Elvis hat sich Regisseur George Lucas hier nicht eingemauert, um möglichst isoliert seinen Träumen nachzuhängen, sondern um Gleichgesinnte um sich zu scharen.

Graceland

Graceland

Foto: Felix Galsterer

George Lucas' Skywalker Ranch

"Zuflucht für Filmemacher" nennt Lucas sein in einem idyllischen Tal Kaliforniens gelegenes Hundert-Millionen-Dollar-Refugium. Zwar lebt er nicht auf seiner Skywalker Ranch, doch er arbeitet dort, spannt aus, feilt an neuen Filmen und beherbergt auserwählte Regisseure bei sich. Überwachungskameras und hohe Zäune umgeben das Riesenreich des Regisseurs, in dessen Haupthaus, im allerheiligsten Gralskern also, das Original-Laserschwert von Darth Vader prangt - hinter Panzerglas. Die Skywalker Ranch strotzt nur so vor "Star Wars"-Zitaten. Angefangen mit der ganz in Holz gehaltenen Bibliothek, die aussieht wie die Jedi-Archive im Tempel auf Coruscant, über den Feuerwehr-See, der hier "Lake Ewok" heißt, bis hin zu dem vom Meister selbstangebauten Wein "Viviendante del Cielo" - zu englisch natürlich "Skywalker".

Ohne seinen Willen darf niemand die einmal als "Mittelding zwischen Disneyland und Yellowstone Park" bezeichnete Kunstwelt betreten. US-Präsident Ronald Reagan etwa musste draußen bleiben. Er hatte seine Raketenabwehr einst dreist "Star Wars" getauft - und Lucas damit mächtig verärgert. Stattdessen logieren bei ihm die Filmgranden, um in Ruhe zu arbeiten - wer feiern will, bevorzugt sinnesfreudigere Star-Fluchtburgen. Das Playboy Mansion etwa.

Die Skywalker Ranch

Die Skywalker Ranch

Foto: Barbara Munker/ dpa

Hugh Hefners Playboy Mansion

Das Playboy Mansion ist die paradiesische Parallelwelt des "Playboy"-Herausgebers Hugh Hefner, gegründet auf den drei Säulen Sex, Drogen und Partys. Hierher floh früher, wer unverschämt bekannt war und sich hemmungslos ausleben wollte. Die Rolling Stones etwa durften 1972 im Häschenreich übernachten und vergnügten sich so sehr in der legendären Jacuzzi-Liebesgrotte, dass ein Playmate anderntags über Bissflecken und Beulen am Hintern klagte.

29 Zimmer umfasst das pompöse Tudorschloss in Los Angeles, das der Playboy-König in den sechziger Jahren erworben hat; Zoo, Volière, Weinkeller und diverse Pools sorgen für Vergnügen auch außerhalb des runden Riesenbettes des Herrn Hefner. So legendär wie in den Siebzigern geht es derzeit trotz Viagra wohl kaum noch zu im Playboy Mansion, doch immerhin steht die sündige Partyzentrale von einst noch - während die Burdell Villa, eine andere Parallelwelt der Stars, im Jahr 1969 bis auf die Grundmauern abbrannte.

Die Playboy Mansion

Die Playboy Mansion

Foto: Corbis

Hippie-Villa mit Grateful Dead und Timothy Leary

Die Burdell Villa galt einst als "Weißes Haus des Hippietums". Doch heute ist von dem sagenumwobenen 22-Zimmer-Anwesen nicht mehr viel übrig - abgesehen von ein paar Schallplatten, Bierdosen und Schuhen. Immobilienmakler und Aussteiger Don McCoy hatte die Villa nördlich von San Francisco 1967 erworben, um mit seiner "Chosen Family" einen Gegenentwurf zum Establishment auszuleben. Berühmte und Berüchtigte wie die Musiker von Grateful Dead, Janis Joplin oder der Drogenpapst Timothy Leary vergnügten sich in der Freie-Liebe-Kommune - bis ein verhängnisvoller Kurzschluss dem Hippie-Refugium den Garaus machte.

Das Horror-Promi-Mietshaus von New York

Einen Sonderfall der Star-Fluchtburgen bildet zweifelsohne das Dakota Building. Während die Stars auf der Skywalker Ranch arbeiten und im Playboy Mansion feiern, ziehen sich die scheuesten unter ihnen in eine andere Parallelwelt zurück. Die steht zwar mitten in New York, ist aber dennoch komplett uneinnehmbar: Der zehnstöckige Wohnkomplex am Central Park gleicht einer trutzigen Festung, hinter und vor deren dicken Mauern gruselige Dinge geschahen.

So brachte Schauspieler Gig Young 1978 hier erst seine Frau und dann sich selbst um. Zwei Jahre später erschoss ein geistig Verwirrter sein Idol John Lennon im Eingangsbereich. Doch das hält die Prominenz bis heute nicht davon ab, hierher zu flüchten und eines der 103 Luxus-Apartments zu mieten. Stars wie Leonard Bernstein, Lauren Bacall, Judy Garland und Sting nahmen schon Zuflucht in dem gotischen Gebäude, das so gruselig ist, dass Roman Polanski seinen Horrorklassiker "Rosemaries Baby" hier drehte.

Das Dakota Building

Das Dakota Building

Foto: Getty Images

Der "Zauberberg" des Randolph Hearst

Bleiben die Fluchtburgen im Diktatoren-Chic, zu denen die Mega-Residenzen verschrobener Multimillionäre ebenso zählen wie die Protz-Paläste der Despoten. Getrieben von einem unglaublichen Repräsentationszwang und dem Bedürfnis, die eigene Machtfülle in Stein zu meißeln, errichteten solche Männer Tempel des schlechten Geschmacks, von denen aus sie ihr Imperium regierten oder noch regieren. Historisches Vorbild so mancher megareicher Exzentriker: William Randolph Hearst, Schlossherr des "Hearst Castle". "Cuesta encantada" - Zauberberg - nannte der einflussreiche Medien-Tycoon sein auf einem Hügel nahe dem kalifornischen San Simeon thronendes kathedralenartiges Schloss der Superlative.

Drei Jahrzehnte lang ließ der 1863 geborene Hearst es wie ein Besessener immer wieder aufbauen und abreißen. Das Endprodukt: eine 7000 Quadratmeter große, 19 Wohnzimmer, 61 Badezimmer und 56 Schlafzimmer beherbergende, bis unters Dach mit den wertvollsten Kunstschätzen voll gestopfte Mega-Residenz. Auf dem Areal befanden sich unter anderem der damals größte Privatzoo der Welt mit Zebras, Kängurus und Giraffen, sowie eine Flugzeuglandebahn, Schwimmbäder und Tennisplätze. Nicht einmal Aaron Spelling mit seinem über 5000 Quadratmeter großen Sonnenkönig-Protz-Schloss in Beverly Hills kam an Hearst heran - auch wenn er sich mächtig Mühe gab.

Hearst Castle

Hearst Castle

Foto: AP

Das größte Eigenheim von Los Angeles

Der Filmproduzent Aaron Spelling machte seine Millionen als Produzent von Serien wie "Der Denver-Clan", "Drei Engel für Charlie" und "Beverly Hills 90210". Seinen Reichtum stellte er in seinem Privatschloss aus. Das 1988 gebaute "The Manor" ist bis heute das größte Privathaus von Los Angeles. Es verfügt über eine Bowling-Bahn, ein versenkbares Privatkino, ein Kosmetikstudio und einen eigenen Geschenkverpackungsraum. Außerdem besitzt das Eigenheim so viele Badezimmer, dass seine Witwe Candy selbst die genaue Zahl nicht nennen kann. Seit einem Jahr ist das schmucke Anwesen des 2006 gestorbenen Spelling zu haben - für 150 Millionen Dollar.

The Manor

The Manor

Foto: Corbis

Die Protzbauten der Diktatoren

Noch größer als Hearst und Spelling können nur noch Diktatoren bauen: Bis heute zählen die Rückzugsorte von Schurken wie Saddam Hussein oder Nicolae Ceaucescu zu den geschmacklosesten, protzigsten Bauten der Welt. 65 Paläste besaß Hussein kurz vor seinem Sturz. Als die US-Soldaten dessen Allerheiligstes betraten, kamen sie aus dem Staunen nicht mehr heraus: Kristallleuchter so groß wie Doppelgaragen, goldene Wasserhähne und an den Wänden monumentale Grusel-Gemälde, die vor drallen Blondinen, Drachen und anderem Sci-Fi-Sado-Schnickschnack nur so strotzten.

Saddam Husseins Präsidentenpalast in Bagdad

Saddam Husseins Präsidentenpalast in Bagdad

Foto: Getty Images

Nicolae Ceaucescus Riesenbau schließlich gehört zu dem monumentalsten, was ein Mensch je ersonnen hat: Ganze Stadtviertel ließ der Diktator Ende der achtziger Jahre in Bukarest plattmachen, um seinen 3100 Säle umfassenden "Palast des Volkes" zu errichten - nach dem Pentagon das größte Gebäude der Welt. Einziehen in das pompöse Prunkstück konnte Ceaucescu jedoch nicht mehr: Kurz vor der Fertigstellung Ende 1989 wurde er hingerichtet.

Dafür war es einem anderen exzentrischen Kunstwelten-Architekten vergönnt, sich von dessen monströsem Balkon aus feiern zu lassen: Bei seinem einzigen Konzert in Bukarest im Oktober 1992 begab sich Traumprinz Michael Jackson auf die Ceaucescu-Veranda - wo seine Fans ihm mit lautem Geschrei zujubelten.

Nicolae Ceaucescus "Palast des Volkes"

Nicolae Ceaucescus "Palast des Volkes"

Foto: Christoph Seidler
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