McDonald's verlässt Russland Frittenfett und Freiheit weg

Anfang 1990 läutete McDonald's die Fleischklops-Revolution in der Sowjetunion ein – jetzt ist Schluss. Wegen des Ukrainekrieges verlässt der Burgerriese Russland. Rückblick auf ein feistes Versprechen.
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Wie der Burger den Borschtsch verdrängte: Die Klops-Revolution startete auf dem Puschkin-Platz – zwei sowjetische Soldaten mit Fähnchen von McDonald's (1990). Schätzungen zufolge standen 30.000 Moskauerinnen und Moskauer am 31. Januar 1990 Schlange, als in der Metropole die erste Filiale der amerikanischen Fast-Food-Kette eröffnet wurde.

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Abstimmung mit den Mägen: »Hat der Kapitalismus den Sozialismus besiegt?«, fragte die »Zeit« nach Eröffnung der gigantischen Filiale. Noch Wochen nach der Eröffnung bewachten berittene Polizisten die Menschenschlangen – und setzten mitunter Schlagstöcke ein, um die Ordnung zu wahren.

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American Way of Life: Der Jugend schmeckt's – junge Moskauer am Eröffnungstag. Schon 1980 wollte McDonald's anlässlich der Olympischen Spiele in Moskau Burger servieren. Doch habe es auf »höchster Regierungsebene einen riesigen Streit« gegeben, erinnerte sich George Cohon, einstiger Chef des kanadischen Mutterkonzerns, laut BBC. Die sowjetische Regierung sagte das Projekt ab, weil es einer »nationalen Beschämung« gleichgekommen wäre. Erst zehn Jahre später durfte McDonald's nach Moskau kommen. Der Stadt gehörte zunächst eine 51-Prozent-Mehrheit am Joint Venture – der Burgerbrater geriet zu einer Art VEB.

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Auf dem Schwarzmarkt gehandelt: Politiker Boris Jelzin (ab 1991 russischer Präsident) bei der Eröffnung der zweiten Moskauer Filiale im Juni 1990. Die Bürgerinnen und Bürger waren so wild auf den Geschmack von Freiheit und Abenteuer, dass es zu regelrechten Spekulationen kam. Daraufhin wurde der »Big-Mak« rationiert, zitierte das »Hamburger Abendblatt« die Zeitung des kommunistischen Jugendverbandes, »Komsomolskaja Prawda« am 5. Februar 1990: Ab sofort würden pro Person nur noch zehn Hamburger ausgegeben.

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Bullensamen importiert: Auf die Manneskraft der kommunistischen Rindviecher wollten sich die Burger–Hersteller nicht verlassen – laut »Hamburger Abendblatt« züchtete McDonald's in der Sowjetunion mit importiertem Bullensamen eine Rinderherde (Foto von 1994).

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Gute Miene zu fettigem Spiel: Richtig glücklich wirkte Michail Gorbatschow (damals noch Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion) nicht, als er 1990 als Papp-Aufsteller vor der neuen Burgerfiliale posierte. Es half alles nichts: Die Bürger forderten Burger – und Gorbi fügte sich der Konsumrevolution.

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Dieser sowjetische Polizist schaut deutlich freundlicher drein. Er sorgte im Januar 1990 dafür, dass sich die ersten Moskauer McDonald's–Kunden nicht gegenseitig aus der Schlange schubsten. Euphorisch pries ein US-Nachrichtensprecher damals das historische Ereignis: Die ersten Moskauer McDonald's-Kunden hätten »die Zukunft gesehen, und sie funktioniert – zumindest, was ihren Verdauungstrakt betrifft«.

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Der Preis der Freiheit: Als »Wolkenkratzer-Stulle« stellte die sowjetische Regierungszeitung »Iswestija« den Burger vor. Bald kostete er mit sechs Rubeln ein kleines Vermögen – umgerechnet waren das 1990 mehr als zehn D-Mark.

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Wind of change: Auch dieser älteren Dame scheint das Bullettenbrötchen zu munden (Foto von 1990). »Wir spürten in diesem Moment: Ein Wind der Veränderung war in der Luft und in den Köpfen der Moskauer«, erinnerte sich der Russe Konstantin 2020 in einem »Stern«-Bericht. Er hatte sich damals mit Tausenden anderen in Moskau in die Schlange gestellt.

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Ende einer Ära: Nach 32 Jahren zieht sich McDonald's jetzt aus Russland zurück (Foto von 2022). Schon 2014 war es zu Spannungen zwischen dem Konzern und der russischen Regierung gekommen: Im Zuge der Krim-Annexion hatte McDonald's seine Filialen auf der Halbinsel geschlossen. Einer staatlichen Umfrage zufolge forderten damals zwei Drittel der russischen Bevölkerung die Schließung aller McDonald's-Filialen. »Wir schmeißen den Konzern raus. Wir brauchen diesen Geist in unserem Land nicht«, tobte der Nationalist Wladimir Schirinowski laut einem »Welt«-Bericht von 2020. Und Kremlchef Wladimir Putin sagte: »Wir haben eine wunderbare russische Küche. Das müssen wir für den Markt produzieren – und es besser machen als die Konkurrenten wie McDonald's.«

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