Fotostrecke

Corona? Hahahahaha!

Foto:

Hindustan Times/ Getty Images

Weltlachtag in Corona-Zeiten "Hahahahahahahaha"

Lachen als beste Medizin? Madan Kataria ist davon überzeugt. Er erfand vor 25 Jahren das Lachyoga. Der indische Arzt erklärt, wie es sich rasant verbreitete - und warum Lachen jetzt so wichtig ist.
Ein Interview von Christoph Gunkel

Madan Kataria trägt gern strahlende Stoffe, ein helles Gelb etwa. An diesem Morgen hat er für das Videointerview ein buntes Karohemd angezogen und ist, wie auf nahezu allen Fotos von ihm, sichtlich gut gelaunt, Corona hin oder her. Und natürlich lacht er bald das erste Mal richtig los.

Denn Lachen ist für den indischen Arzt und Yogalehrer seit einem Vierteljahrhundert Therapie und Geschäftsmodell zugleich. Es hat ihn zumindest in einer engen, weltweiten Fangemeinde berühmt gemacht: Kataria erfand 1995 das Lachyoga, bei dem er Lachübungen mit Yoga-Atemtechniken kombinierte. Auf seinen ersten Lachklub in Mumbai folgte eine Welle von Tausenden ähnlicher Klubs.

1998 rief er den Weltlachtag ins Leben: Immer am ersten Sonntag im Mai verabreden sich weltweit Menschen zum Lachen. Kataria hat mehrere Websites  dazu und gibt Workshops. Seine E-Mails sind mit "Laugh, Love and Live!" unterschreiben. Lachen, so ist er überzeugt, macht uns glücklich, stärkt das Immunsystem und steigert das Wohlbefinden. Auch wenn man sich vornimmt, im Gespräch nicht loszuprusten: Madan Kataria hat wirklich kein irres, sondern ein ansteckendes Lachen. 

SPIEGEL: Herr Kataria, haben Sie heute Morgen schon ordentlich gelacht?

Kataria: Ah, natürlich! Seit 25 Jahren lache ich jeden Morgen, wenn ich zwischen 4 und 4.30 Uhr aufwache. Dann lache ich für 30 Minuten. He, he, he (kurzes, unterdrücktes Kichern). Es gibt nichts Gesünderes.

SPIEGEL: Ist es nicht deutlich schwieriger, während einer Pandemie loszulachen?

Kataria: Im Gegenteil. Wir lachen gerade mehr als sonst. Die Leute sind zu Hause, haben leider nichts zu tun und viel Freizeit. Für uns Lachyogis, die schon die Techniken kennen, ist das keine große Sache, sondern eine Chance, unseren Geist gesund zu halten. Über Zoom  und Skype  lachen etwa alle 30 Minuten die Mitglieder von Lachklubs in aller Welt zusammen.

DER SPIEGEL

SPIEGEL: Millionen Menschen machen sich aber Sorgen um ihre Gesundheit, ihre Familie, ihre Jobs. Kann da so ein kollektives Lachen nicht auch zynisch oder verstörend wirken?

Kataria: Wir haben in dieser Pandemie die Wahl: Wir können wütend, aufgeregt, traurig und ängstlich sein. Oder wir entscheiden uns zu lachen. Wir wissen aus Erfahrung, dass Lachen uns guttut. Das kann uns nun helfen, die Psyche positiv zu beeinflussen, trotz all der negativen Nachrichten um uns herum.

SPIEGEL: Wie wirkt Lachyoga?

Kataria: Es ist einfach, jeder kann es lernen. Anfänger müssen zuerst verstehen: Lachyoga ist kein Comedy. Es sind Übungen und Atemtechniken, mit denen wir von einem künstlichen Lachen zu einem echten Lachen kommen. Wir können dann 10, 15 Minuten lachen. Daher ist Lachyoga gesünder und nachhaltiger, als wenn wir uns lustige Filmchen anschauen würden und nur für ein paar Sekunden lachen.

SPIEGEL: Wie kann man denn ein gekünsteltes Lachen in ein echtes Lachen verwandeln?

Kataria: Am besten in Gruppen, fünf Leute reichen schon. Es geht schnell, ob man sich nun online trifft oder sich persönlich in die Augen schaut. Das ist kein Fake. Schauen Sie mich mal an. Wir lachen jetzt einfach mal für eine halbe Minute. Bereit?

SPIEGEL: Okay…

Kataria: Hahahahahahahahahahahahahahaha…

SPIEGEL: Hahahahahahaha... Okay, Sie können das deutlich authentischer und besser.

Kataria: Es ist eine einfache Technik. Wenn man sie einmal kann, wird man sie nie verlernen.

SPIEGEL: Sie haben das Lachyoga im März 1995 in Indien ins Leben gerufen. Wie kam es dazu?

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Kataria: Ich habe damals als Arzt in Mumbai gearbeitet und auch Artikel für eine Fachzeitschrift geschrieben, über Yoga, Wellness, Gesundheitsthemen. Damals war ich sehr gestresst und suchte nach einem Weg, mich zu entspannen. Also schrieb ich über Stressmanagement und fand, dass Lachen ein sehr gutes Hilfsmittel sein könnte. Ich recherchierte und war verwundert, dass es so viele wissenschaftliche Hinweise zum Nutzen des Lachens gab - aber niemand lachte.

SPIEGEL: Was taten Sie dann?

Kataria: Ich ging in einen Park in der Nähe meines Hauses und fragte ein paar wildfremde Leute, ob sie einen Lachklub gründen wollten. Manche hielten mich für verrückt. Anfangs waren wir daher nur zu fünft. Wir versuchten zu lachen, indem wir uns Witze erzählten. Bald waren wir 50 Leute, doch die Sache lief aus dem Ruder.

SPIEGEL: Wieso?

Kataria: Die Witze wiederholten sich, beleidigende und sexistische Witze kamen hinzu. Einige Teilnehmer beschwerten sich und sagten: "Schließ diesen Klub!" Ich sagte ihnen, dass ich einen Weg finden würde, ohne Witze zu lachen.

SPIEGEL: Wie ging das?

Kataria: Ich erinnerte mich an meine Yoga-Ausbildung. Lachen ist nichts anderes als eine besondere Atemtechnik. Beim Lachen stößt man Kohlendioxid aus und atmet dafür frischen Sauerstoff ein. Der Körper macht keinen Unterschied zwischen künstlichem und echtem Lachen.

SPIEGEL: Haben Sie denn in der klassischen indischen Literatur Hinweise für Ihren Ansatz gefunden?

Kataria: Nein, es gibt dort keine Erwähnung von Lachyoga. Ich habe es im März 1995 mit der Gründung des ersten Lachklubs erfunden. Mich hat aber zuvor etwa ein Buch des amerikanischen Journalisten Norman Cousins beeindruckt, der sich von einer schweren Krankheit dank des Lachens erholte.

SPIEGEL: Waren Sie überrascht, wie schnell sich Lachyoga verbreitete?

Kataria: Ja. Im ersten Monat gründeten sich schon 16 Lachklubs in Mumbai. In Indien waren es dann innerhalb eines Jahres etwa 400 bis 500 Klubs. Von da an verbreitete es sich ganz von allein, es gab ja keine formale Ausbildung. 1999 kam ich das erste Mal nach Deutschland, nach Wiesbaden, und bot Workshops an. Lachyoga verbreitete sich bald auch in Europa und dann in der ganzen Welt. Heute gibt es etwa 18.000 Lachklubs.

SPIEGEL: Wie erklären Sie sich das?

Kataria: Lachyoga ist Instant-Yoga. Man muss nicht wochenlang praktizieren, sondern spürt den Nutzen sofort.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

SPIEGEL: Also beinah wie eine positive Variante des Coronavirus?

Kataria (hahahaha): Ja, ein Lachvirus. Und auch sehr, sehr ansteckend.

SPIEGEL: Sie haben 1998 auch den ersten Weltlachtag erfunden, der immer im Mai stattfindet. Wie werden Sie den Tag in diesem besonderen Jahr verbringen?

Kataria: Ich werde von morgens bis abends beschäftigt sein. Über Zoom werde ich von einem Lachklub zum nächsten springen und selbst zwei Sitzungen mit 500 Mitgliedern leiten: eine am Morgen und eine am Abend indischer Zeit. Ich werde den ganzen Tag lachen (hehehehe). Das wird hart, der härteste Tag. Ich werde an diesem Tag wohl vor Lachen sterben. (hehehehe).

SPIEGEL: Das hoffen wir natürlich nicht. Bleiben Sie gesund und vielen Dank für das Gespräch.