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Schwindeleien auf Wikipedia: Diese Geschichten sind ein Witz

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Hermann Buresch

Schwindeleien auf Wikipedia Diese Geschichten sind ein Witz

Wer ermordete Julius Cäsar? Wo probte Goebbels' Posaunenchor? Und was zum Henker ist Ladedaismus? Wikipedia kennt auf alles eine Antwort - doch nicht jede stimmt. Im Wissensschatz der Internet-Enzyklopädie verbergen sich nicht nur kleine Fehler, sondern auch mutwillige Täuschungen.
Von Oliver Klatt

Am 12. Dezember 1956 stürzte die deutsche Rockband Tillery in den Tod. Das Quartett befand sich auf dem Weg zu einem Auftritt, als ihr Flugzeug abstürzte. Sämtliche Bandmitglieder starben. Vier Jahre später, am 11. November 1960, wurde die Leiche des ermordeten russischen Regisseurs Juri Gadjukin aus der Londoner Themse gefischt. Sein letzter Film "The Graven Idol" blieb unvollendet. Am 19. September 1986 verstarb der Architekt Kuno Krissler in Neapel, ohne dass jemals ein einziges Bauwerk nach seinen visionären Entwürfen entstanden wäre.

Drei tragische Ereignisse - die aber in Wahrheit nicht den geringsten Anlass zur Traurigkeit geben. Denn obwohl zu Tillery, Gadyukin und Krissler jahrelang Artikel auf der Internet-Enzyklopädie Wikipedia zu lesen waren, sind alle drei frei erfunden. Es handelt sich hierbei um Fälschungen - sogenannte Hoaxes - die den Anschein erwecken sollen, über tatsächliche Begebenheiten und reale Personen zu berichten.

Der Autor des am 20. November 2005 online gestellten Artikels zur fiktiven Band Tillery ist bis heute unbekannt. Seine Beweggründe liegen im Dunkeln. Die Kunstfigur Juri Gadjukin wiederum wurde von zwei britischen Filmemachern für eine Fake-Dokumentation erfunden, die 2014 in die Kinos kommen soll. Und die Mitglieder der humoristischen Kuno-Krissler-Gesellschaft beharren bis heute auf der Echtheit ihres Architekten.

Doch wie konnten sich derartige Fakes auf der von Tausenden Freiwilligen gepflegten Enzyklopädie überhaupt einnisten? Normalerweise verschwinden offensichtliche Fälschungen und Fehler bereits binnen Minuten oder weniger Stunden. Lediglich besonders gut gemachte Scheinwahrheiten, die Leser und Kontrolleure über einen längeren Zeitraum hinweg zu täuschen vermögen, entgehen mit etwas Glück einer vollständigen Löschung. Sie landen im Fake-Museum von Wikipedia-User Gestumblindi oder auf der offiziellen "List of Hoaxes". Dort tummeln sich erfundene Erfinder, falsche Helden und Sportlegenden, die keine waren. einestages zeigt die kuriosesten Exemplare.