Zweiter Weltkrieg Deutsche Besatzer sollen in Polen 15.000 Kinder gezeugt haben

Offiziell sollten sich Wehrmachtssoldaten aus "rassischen" Gründen im Zweiten Weltkrieg nicht mit Polinnen einlassen. Dennoch waren solche Verbindungen weit verbreitet - und wurden sogar von den Nazis gefördert.
"Fraternisierung" am Stadtrand von Warschau im Frühjahr 1940 - so nannte Heeresfotograf Ewald Gnilka seine Aufnahme. Wehrmachtsangehörigen war der Kontakt zur einheimischen Bevölkerung untersagt.

"Fraternisierung" am Stadtrand von Warschau im Frühjahr 1940 - so nannte Heeresfotograf Ewald Gnilka seine Aufnahme. Wehrmachtsangehörigen war der Kontakt zur einheimischen Bevölkerung untersagt.

Foto: Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte/ Ewald Gnilka

Die deutschen Besatzer sollen in Polen während des Zweiten Weltkriegs bis zu 15.000 Kinder gezeugt haben. Diese Schätzung stammt von der Augsburger Historikerin Maren Röger. Die Zahl wäre damit deutlich niedriger, als damalige Prognosen deutscher Stellen vermuten ließen. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Im Zweiten Weltkrieg waren mehr als 18 Millionen deutsche Soldaten und zivile Besatzer im Einsatz, überwiegend in Osteuropa. Die Zahl der Kinder, die sie dort zeugten, ist unbekannt. Schätzungen belaufen sich auf 100.000 in Frankreich, 20.000 in Belgien und bis zu 15.000 in den Niederlanden und in Dänemark.

Röger schreibt in den "Vierteljahrsheften für Zeitgeschichte", dass es auch in Polen Sexualverbrechen gegeben habe, doch "konsensuale Kontakte" weit verbreitet gewesen seien. Dabei widersprach Geschlechtsverkehr mit Polinnen der NS-Rassenideologie. Andererseits hatten die Nazis aus ebenfalls rassistischen Gründen die Stellung unehelicher Kinder gestärkt: um die Geburtenrate zu fördern.

So wurden manche Soldatenväter zu Unterhalt verpflichtet. Die Mütter riskierten Ehrenstrafen wie Kopfrasur durch Landsleute. Offenbar gelang es aber vielen, die Vaterschaft geheim zu halten. Die Kinder, die Röger interviewte, hätten ihr berichtet, dass sie eher im familiären Umfeld als in der Öffentlichkeit Ablehnung erführen.

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