Hobbytaucher entdecken Weltkriegswrack in der Nordsee Die letzten Stunden von Vorpostenboot 812

Ein Krabbenfischer findet vor der Insel Baltrum das Wrack eines Schiffs aus dem Zweiten Weltkrieg. Der SPIEGEL hat gemeinsam mit Hobbytauchern das Drama des Untergangs rekonstruiert. Ein SPIEGEL+-Bestseller.

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Die Sicht ist schlecht etwa 20 Meter unter Wasser. Der Lichtstrahl einer Taucherlampe tastet die vielen Metallteile auf dem Boden der Nordsee ab, die einst zu einem Schiff gehörten und nun von Algen überwuchert sind. Zu hören sind nur die Atemgeräusche des Tauchers und ein Blubbern. Ein Krebs huscht vorbei. Drohend hebt er die Scheren, als wolle er sein Wrack verteidigen.

Die Szene stammt aus einem Video ostfriesischer Sporttaucher. Die Aufnahmen zeigen die Überreste eines Kriegsschiffs, das 75 Jahre lang unerkannt auf dem Grund der Nordsee lag – ehe eben jene Hobbytaucher es entdeckten.

Die Gruppe aus acht Männern untersucht seit Jahren Wracks in der Nordsee, sie nennen sich Gezeitentaucher . Über mangelnde Forschungsobjekte können sie sich nicht beschweren. In den vergangenen Jahrhunderten rissen Unwetter und Kriege Hunderte Schiffe in die Tiefe - und oft die ganze Besatzung gleich mit.

Das Wrack vor der Küste Baltrums hatten die Gezeitentaucher erstmals im Jahr 2016 erkundet. Doch erst jetzt konnten sie seine Identität klären. Ein befreundeter Krabbenfischer hatte den Hobbyforschern erzählt, dass sich seine Netze immer wieder an einer bestimmten Stelle verfangen würden. Also tauchten sie genau dort hinab.

Offizielle Register verorteten an der Fundstelle das Wrack eines "unbekannten Frachters". Doch die Taucher merkten schnell, dass das nicht stimmen konnte, dass sie stattdessen auf ein versunkenes Kriegsschiff gestoßen waren. Nur welches?

Um die Frage zu klären, vermaßen sie das gesamte Wrack in mehreren Tauchgängen und glichen die Daten mit Funden in internationalen Archiven ab. Nach drei Jahren der Nachforschungen waren sie sich sicher: Sie hatten das vergessene Vorpostenboot 812 (V 812) aufgespürt, das britische Kampfflugzeuge am 22. Juli 1944 versenkt hatten.

SPIEGEL-Recherchen im Freiburger Militärarchiv im Anschluss an den Fund offenbaren das volle Ausmaß des Dramas, das sich damals auf der Nordsee abgespielt hat. In dem elfstöckigen Hochhaus lagern unzählige Armeeakten, die ältesten sind von 1867.

Die Geschichte von V 812 steckt in einem roten, zerfledderten Schnellhefter. "Kriegstagebuch der 8. Vorpostenflottille vom 1. Mai 1944 bis zum 30. September 1944", steht auf dem Umschlag. Er enthält Dutzende vergilbte, eng mit Schreibmaschine beschriebene Seiten, auf denen Angehörige der Wehrmacht berichten, was sich am 21. Juli und 22. Juli 1944 auf der Nordsee zugetragen hat. Auf einigen Passagen prangt ein roter "Geheim"-Stempel.

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