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Fahrzeug-Friedhöfe: Vom Schlachtfeld auf die Resterampe

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Fahrzeug-Friedhöfe des Zweiten Weltkriegs Siegreicher Schrott

Mit Tausenden Kampfflugzeugen, Schlachtschiffen und Panzern besiegten die Alliierten Hitler. Mit Kriegsende wurden die Berge aus Blech und Stahl auf einen Schlag nutzlos - und landeten auf gigantischen Schrott-Friedhöfen.
Von Andreas Spinrath

In der Normandie überlebt, die Ardennenoffensive zurückgeschlagen, den Rhein überquert, Hitler in die Knie gezwungen - doch statt eines Ordens wartete auf Sherman nur der Schrottplatz.

Obwohl das Modell M4 nach dem amerikanischen Bürgerkriegsgeneral William T. Sherman benannt war, wurden zahlreiche Panzer nach dem Sieg über Nazideutschland auf den Fahrzeug-Friedhof gerollt. Denn wer braucht in Friedenszeiten schon so viele Panzer?

Wie dem M4 Sherman erging es auch Bombern, Korvetten, Motorrädern und Jagdflugzeugen. Auf riesigen Schrott-Friedhöfen türmte sich das Altmetall. Es wurde ausgeschlachtet, verkauft oder einfach nur im Regen stehen gelassen. Bis heute.

Blechlawine Weltkrieg

Mit dem Eintritt in den Zweiten Weltkrieg hatten die Vereinigten Staaten die Produktion des Kriegsgerätes in enormem Maße gesteigert. Präsident Franklin D. Roosevelt war der Meinung, dass man deutlich mehr Panzer und Flugzeuge als der Gegner an die Frontlinien des Krieges schaffen müsse. So sollte eine erdrückende Übermacht entstehen - auch, um die Verluste eigener Soldaten in Grenzen zu halten.

Spätestens Anfang 1942 war die US-amerikanische Wirtschaft vollständig auf Kriegskurs. Statt schicker Limousinen produzierten die Automobilhersteller nun schwere Jeeps und Torpedos. Es herrschte Vollbeschäftigung, die Löhne stiegen, die Ressourcen wurden für die Produktion von schwerem Gerät rationiert. Fast drei Millionen Tonnen Aluminium verbauten die Amerikaner in den letzten vier Kriegsjahren. Rund 2,4 Millionen Lkw und 100.000 Jagdflugzeuge rollten von den Fließbändern, die Werften bauten Hunderte Korvetten, Zerstörer und Schlachtschiffe. Es zählte nur der Sieg - der Großteil der Produktion hatte keinen zivilen Nutzen.

Diese stählerne Übermacht warfen die Alliierten den Japanern und Deutschen entgegen. Die großen Schlachten des Zweiten Weltkriegs waren Materialschlachten in bislang ungekanntem Ausmaß. Allein 6939 Schiffe, Boote und andere Landefahrzeuge setzten die Alliierten ein, um am D-Day 156.000 Soldaten an die Strände der Normandie zu bringen - über ihnen kreisten am 6. Juni 1944 rund 11.000 Flugzeuge.

Mit dem Frieden kam das Müll-Chaos

Die Aufrüstung kostete die USA Hunderte Milliarden Dollar, kein Land gab für die militärische Produktion im Zweiten Weltkrieg so viel aus. Innerhalb weniger Jahre wurden die Vereinigten Staaten zur hoch militarisierten Supermacht.

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Fahrzeug-Friedhöfe: Vom Schlachtfeld auf die Resterampe

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Alleine vom M4 Sherman bauten die Amerikaner fast 50.000 Stück - er ist einer der meistproduzierten Panzer des Zweiten Weltkrieges, eingesetzt auf fast allen wichtigen Schlachtfeldern des Krieges. Erstmals 1942 in Nordafrika: Die Briten schlugen mit dem neuen 30-Tonnen-Panzer in der zweiten Schlacht von El Alamein den deutschen General Rommel.

Dann kam der Tag des Sieges. Ganz Europa stand voller Kriegsgerät. Und es gab keinen Krieg mehr.

Der Rücktransport rechnete sich nicht immer, lieber stapelten die Befehlshaber die Panzer auf Schrottplätzen. Die Briten verkauften ihre Motorräder, Amerikaner ließen Kriegsgefangene lange Inventarlisten führen. Aus strategisch operierenden Divisionen von Kampffahrzeugen war ein chaotischer Haufen Müll geworden.

Auch für die Flugzeuge gab es kaum noch Verwendung: Im US-Bundestaat Arizona entstand so ein gewaltiger Flugzeugfriedhof, die Kingman Airforce Base. 5550 Flugzeuge fast aller Gattungen sollten auf den staubigen Pisten des Bundestaates im Südwesten der USA ihrer letzten Bestimmung zugeführt werden. Das Sales & Storage Depot No. 41 organisierte Verschrottung oder Weiterverkauf der Maschinen, die kurz zuvor noch die Lufträume über Europa und dem Pazifik beherrscht hatten.

Vom Jagdflieger zum Kochutensil

Auch brandneue Bomber wurden nach Kingman gebracht. Mehrere B32, Beiname Dominator, landeten direkt vom Fließband auf der Resterampe der US-Luftwaffe. So manch anderes Modell wurde in Gänze für eine Weltkriegsgedenkstätte abtransportiert. Oder verscherbelt: Für 350 Dollar sicherte sich etwa eine Pfadfinder-Truppe einen B17-Bomber.

Doch meistens war der Flugzeug-Friedhof die letzte Station vor der Ausschlachtung. Für kleines Geld konnten sich Privatpersonen und Firmen nun mit Kriegsgerät eindecken. Die leichten Jäger waren bei Amateurpiloten beliebt. Besonders hatten es die Käufer aber auf das Metall abgesehen - schließlich waren die Flugzeuge zwar ohne großen Nutzen in Friedenszeiten, aber aus begehrten Rohstoffen wie Aluminium gebaut. So wurden Waffen zu Getränkedosen oder Topfböden.

Nicht alle Unternehmen fanden den großen Armee-Ausverkauf erfreulich. US-Autobauer ermahnten die Regierung, nicht zu viele Militär-Jeeps an Privatpersonen zu verhökern, weil sie sinkende Verkäufe ihrer Neuwagen befürchteten.

Derartige Sorgen musste sich die Schiffsindustrie nicht machen. Die Marine verwendete ihren schwimmenden Überschuss teilweise besonders destruktiv: Bei Atombomben-Tests im Pazifik dienten die Stahlriesen als Zielscheiben für die Piloten.

Ein solches Ende wurde den Panzern dann doch erspart. Einige führten ein Leben nach dem Krieg, umgebaut, als Bulldozer oder Traktor. Fernab von den blutigen Schlachtfeldern Europas bewirtschaftete so mancher amerikanische Farmer mit einem ausrangierten Sherman seine Felder.