Medienbericht über Affenpocken Spanische Behörden vermuten offenbar Feierlichkeiten auf Gran Canaria als Ausbruchsherd

Mehrere Männer mit Affenpocken nahmen laut einem Bericht am »Maspalomas Pride« auf Gran Canaria teil. Nun prüfen die Behörden offenbar, ob es einen Zusammenhang zu dem Event gibt.
Mikrobiologin bei der Arbeit (Symbolbild): Spanische Behörden prüfen offenbar, ob ein Event auf Gran Canaria Ausbruchsherd ist

Mikrobiologin bei der Arbeit (Symbolbild): Spanische Behörden prüfen offenbar, ob ein Event auf Gran Canaria Ausbruchsherd ist

Foto: Martin Bühler / dpa

Die spanischen Behörden gehen der Vermutung nach, dass ein Event auf Gran Canaria ein weiterer Ansteckungsherd für Affenpocken gewesen sein könnte. Das berichtete die Zeitung »El País«  am Samstag unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen im Gesundheitssektor.

Die Zeitung berichtet, dass mehrere Infizierte an der »Maspalomas Pride« auf Gran Canaria teilgenommen haben. Es geht demnach um »zwei oder drei« Italiener, mehrere Personen aus Madrid und einen Fall, der auf der Insel selbst untersucht werde.

Ein Sprecher der kanarischen Regierung räumte gegenüber der Zeitung ein, dass sich einer der betroffenen Italiener auf den Kanaren aufgehalten habe. Weitere Angaben lehnte der Sprecher ab und berief sich auf »laufende epidemiologische Untersuchungen«.

An der »Maspalomas Pride« nahmen vom 5. bis 15. Mai etwa 80.000 Menschen aus Spanien und vielen anderen Ländern teil, wie die Zeitung berichtete. Sie gilt demnach als wichtige Veranstaltung in der schwulen Community.

Zwar sind Intimkontakte ein möglicher Übertragungsweg für das Virus. Allerdings sagte ein Virologe in dem Artikel, die Krankheit werde häufiger auf anderem Wege übertragen. Laut RKI ist eine Ansteckung auch durch den Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder Hautkrusten Infizierter möglich.

Den Patienten aus Italien gehe es verhältnismäßig gut, zitiert das Blatt einen Arzt aus Rom. Sie hätten geschwollene, schmerzende Lymphknoten und einige Hautpusteln.

In Spanien sind bisher 30 Affenpocken-Fälle nachgewiesen. Zudem gebe es weitere 23 Verdachtsfälle, berichteten Medien am Freitag. Zur Situation in Portugal schrieb die dortige Zeitung »Público«, dass inzwischen 23 Fälle bestätigt seien. Der erste in Deutschland erfasste Infizierte war von Portugal über Spanien nach Deutschland gereist – ob er sich in einem der beiden Länder ansteckte, war aber zunächst unklar.

Britische Mediziner in Sorge

Britische Mediziner haben sich unterdessen besorgt über mögliche Folgen der Affenpocken auf die ärztliche Versorgung von Geschlechtskrankheiten sowie Kinderwunschbehandlungen geäußert. Ärzte und Pfleger, die mit Infizierten in Kontakt kommen, müssten sich isolieren, sagte Claire Dewsnap, Chefin des Fachverbands British Association for Sexual Health and HIV, am Samstag der BBC.

In London würden Kliniken keine »Walk-in-Behandlung« mehr anbieten, berichtete der Sender. Patienten müssten also vorab anrufen und ihre Symptome schildern, bevor sie einen Termin erhalten.

Dewsnap sagte, die Infektionen würden den Druck auf das ohnehin schwer belastete Personal noch erhöhen. »Bezogen auf Infektionen und Konsequenzen für Betroffene bin ich nicht besorgt«, sagte die Verbandschefin. Aber sie sei besorgt, weiterhin die gute Versorgung gewährleisten zu können. Sie forderte mehr finanzielle Unterstützung.

»Ungewöhnliche Situation«

Der Pandemieexperte Peter Horby von der Universität Oxford zeigte sich verwundert über die Ausbreitung der Affenpocken. Es handele sich um eine »ungewöhnliche Situation«, da das Virus außerhalb von West- und Zentralafrika übertragen werde, sagte er der BBC. Es gebe »offenbar ein Element der sexuellen Übertragbarkeit«, sagte Horby und erklärte, das Virus sei vor allem bei schwulen oder bisexuellen Männern festgestellt worden.

Die britische Gesundheitsbehörde erklärte , ein »beträchtlicher Anteil« der früh entdeckten Fälle betraf schwule und bisexuelle Männer, weshalb man insbesondere diese Bevölkerungsgruppe zur Wachsamkeit aufrufe.

Zu den Symptomen der Affenpocken beim Menschen gehören Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen und ein Ausschlag, der oft im Gesicht beginnt und dann auf andere Körperteile übergreift. Die meisten Menschen erholen sich innerhalb mehrerer Wochen von der Krankheit, ein tödlicher Verlauf ist selten.

Es gibt keine spezifische Therapie und keine Impfung gegen Affenpocken. Historischen Daten zufolge schützt aber eine Pockenimpfung gut vor Affenpocken – und das wohl lebenslang. Wie das RKI erläutert, haben weite Teile der Weltbevölkerung allerdings keinen Impfschutz.

jpz/dpa