Keine neue Pandemie WHO sieht keine Notwendigkeit von Massenimpfungen gegen Affenpocken

Ärzte warnen vor einer Panikmache bei den Affenpocken. Das Virus sei weit weniger ansteckend als Corona. Die Weltgesundheitsorganisation hält eine groß angelegte Impfaktion daher für unnötig.
Mitarbeiterin im Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München

Mitarbeiterin im Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München

Foto: Martin Bühler / Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr

Massenimpfungen gegen die Affenpocken sind derzeit nicht nötig. Das gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekannt. Maßnahmen wie Hygiene und präventives Sexualverhalten würden helfen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen, sagte Richard Pebody, Leiter des Teams für Krankheitserreger bei der WHO Europa der Nachrichtenagentur Reuters.

Die wichtigsten Maßnahmen zur Bekämpfung des Ausbruchs seien die Rückverfolgung von Kontakten und die Isolierung von Infizierten. Die Impfstoffbestände seien relativ begrenzt.

Affenpocken treten hauptsächlich in Afrika auf und nur sehr selten andernorts, was die jüngsten Ausbrüche in anderen Teilen der Welt mit insgesamt mehr als 100 bestätigten und vermuteten Fällen ungewöhnlich macht. Zu den Symptomen gehören Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschläge, die meist im Gesicht beginnen und sich auf den Rest des Körpers ausbreiten. Die Krankheit verläuft in der Regel mild.

Kinderärzte beklagen Panikmache

Kinderärzte beklagten eine »Panikmache« bei den Affenpocken. Das Affenpocken-Virus sei »weit weniger ansteckend als Corona« und werde fast ausschließlich durch »engen Körperkontakt und Körperflüssigkeiten« übertragen, sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte Thomas Fischbach, der »Neuen Osnabrücker Zeitung«.

»Es ist extrem unwahrscheinlich, dass sich in der momentanen Lage in Europa Kinder mit Affenpocken anstecken«, sagte auch der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, Tobias Tenenbaum, der Zeitung. »Es sind auch keine Fälle bekannt, in denen sich Affenpocken in Europa innerhalb von Familien ausgebreitet haben. Daher brauchen sich Eltern aktuell keine Sorgen zu machen.«

Tenenbaum zufolge hätten Berichte über eine besondere Gefährdungslage für Kinder »derzeit keine Datengrundlage«. Fischbach betonte, dass es in Deutschland bislang keine Daten über schwere Verläufe einer Affenpocken-Infektion bei Kindern gibt und dass Daten aus Afrika wegen der schlechteren allgemeinen Gesundheitslage dort nicht direkt auf hiesige Verhältnisse übertragen werden könnten.

Am Dienstagmittag will sich Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Rande des Deutschen Ärztetages in Bremen zum Vorgehen nach dem Auftreten der ersten Fälle von Affenpocken in Deutschland äußern. An der Pressekonferenz sollen auch Ärztepräsident Klaus Reinhardt und der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, teilnehmen.

Anfang Mai war ein Affenpocken-Fall in Großbritannien nachgewiesen worden – Experten zufolge kursierte der Erreger da aber wohl bereits in vielen Ländern. Der erste Fall in Deutschland war aus Bayern gemeldet worden, inzwischen gab es auch Meldungen aus weiteren Bundesländern wie Berlin, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg.

kha/Reuters/AFP