Analyse von Versichertendaten Starke Erkältungswelle führte zu besonders vielen Krankschreibungen

Husten, Schnupfen, Bronchitis: Ungewöhnlich viele Deutsche meldeten sich im Sommer wegen Erkältungen krank. Im Winter könnte – neben Corona – eine starke Grippewelle bevorstehen.
Mädchen putzt sich die Nase (Symbolbild): Mehr Erkältungen im Sommer

Mädchen putzt sich die Nase (Symbolbild): Mehr Erkältungen im Sommer

Foto: Ekaterina Yakunina / Westend61 / IMAGO

Bei den Krankschreibungen im Job hat sich in diesem Sommer offenbar eine starke Erkältungswelle gezeigt. Das geht aus einer Auswertung  der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervor, die ihre Versichertendaten von 2,2 Millionen Erwerbstätigen analysiert hat.

Demnach kamen auf 100 Beschäftigte von Juli bis Ende September 66 Fehltage wegen Atemwegserkrankungen wie Husten, Schnupfen oder Bronchitis. Dies sei ein ungewöhnlich hohes Niveau für ein drittes Quartal. Im zweiten Quartal von April bis Ende Juni waren es noch 49 Fehltage gewesen.

Arbeitsunfähigkeitsmeldungen wegen Corona gingen der DAK zufolge von Juli bis September zurück – auf 13 Fehltage je 100 Beschäftigte. Im Quartal davor waren es fast 20 Tage gewesen.

Ungewöhnlich viele Krankschreibungen

Insgesamt stiegen die Krankheitsausfälle im dritten Quartal laut der Auswertung auf 430 Fehltage je 100 Beschäftigte, im Quartal davor waren es noch 316 Fehltage gewesen. Die DAK spricht davon, dass ungewöhnlich viele Beschäftigte krankgeschrieben gewesen seien.

Häufigste Ursachen für Fehltage waren demnach Muskel-Skelett-Probleme wie Rückenschmerzen mit 81 Fehltagen je 100 Beschäftigte, psychische Erkrankungen mit 70 Fehltagen und die Atemwegserkrankungen ohne Corona.

Der Anteil von Coronaausfällen am gesamten Krankenstand sank laut DAK auf 3,1 Prozent – nach 9,5 Prozent im ersten Quartal und 6,3 Prozent im zweiten Quartal. Andere Atemwegserkrankungen machten zuletzt 15,4 Prozent aus.

Insgesamt lag der Krankenstand bei DAK-versicherten Erwerbstätigen von Juli bis September bei 4,7 Prozent: Es waren an jedem Tag des Quartals von 1000 Beschäftigten 47 krankgeschrieben.

Eine Umfrage der Krankenkasse Pronova BKK hatte zuletzt aber auch gezeigt, dass die Mehrheit der Berufstätigen in Deutschland krank zur Arbeit geht. Sogar rund jeder zehnte Coronainfizierte erscheint demnach trotz positiven Tests im Büro oder im Betrieb.

Experten warnen vor Corona- und Grippewelle

Für den Herbst und Winter haben führende europäische Gesundheitsexperten bereits vor einer Doppelbelastung durch Corona- und Grippeinfektionen gewarnt . Auch wenn man sich nicht in der Situation wie vor einem Jahr befinde, sei klar, dass die Coronapandemie noch immer nicht vorbei sei, teilten EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides, WHO-Regionaldirektor Hans Kluge und die Direktorin der EU-Gesundheitsbehörde ECDC, Andrea Ammon, am Mittwoch mit. Leider sehe man Anzeichen dafür, dass eine neue Infektionswelle in Europa begonnen habe.

Hinzu kommt, dass Experten eine starke Grippewelle erwarten. »Vor der Grippe habe ich Respekt«, sagte etwa Intensivmediziner Christian Karagiannidis dem SPIEGEL : »Ich glaube, die unterschätzen wir im Moment. Die Grippewelle könnte dieses Jahr stark ausfallen, weil wir zwei Jahre in Folge kaum Fälle hatten.«

Die Deutschen hätten nahezu keinen Immunschutz mehr gegen die Influenza, sagte der Chef der Dresdner Uni-Klinik, Michael Albrecht, der »Sächsischen Zeitung« : »Das liegt daran, dass mit den notwendigen Coronamaßnahmen wie das Maskentragen und die Abstandsregeln die Infektionsketten auch gegen die Grippeviren so unterbrochen worden sind, dass die Menschen keine Immunität in größerem Stil aufbauen konnten«.

Angesichts des erwarteten Wiedererstarkens der Grippe im Herbst und Winter wolle man erneut auf die Bedeutung hinweisen, gerade anfällige Menschen zu schützen, so die Gesundheitsexperten Kyriakides, Kluge und Ammon in einer gemeinsamen Erklärung. Dass Corona und Grippe möglicherweise gleichzeitig im Umlauf sein werden, erhöhe für Anfällige das Risiko schwerer Erkrankungen und Todesfälle. Dies wiederum erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass Krankenhäuser und das Gesundheitswesen nach drei ermüdenden Jahren an der Pandemiefront wieder unter Druck geraten könnten.

Impfungen zählten nach wie vor zu den wirkungsvollen Werkzeugen sowohl gegen Corona- als auch gegen Grippeviren, so die Experten. Es sei wichtig, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitswesens, Menschen über 60, Schwangere und Vorerkrankte gegen beides geimpft werden: »Unsere Botschaft ist einfach: Impfen rettet Leben.«

ptz/dpa
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