Fünfjähriger mit Nasen-Mund-Schutz
Fünfjähriger mit Nasen-Mund-Schutz

Infektionsschutz Müssen auch Kinder Masken tragen?

Deutschland maskiert sich - aber was ist mit den Kindern? Ab welchem Alter können sie einen Nase-Mund-Schutz überhaupt gefahrlos benutzen? Die Bundesländer haben individuelle Antworten.
Von Julia Stanek

So viel ist klar: Ab Montag gilt in ganz Deutschland eine Maskenpflicht. Sie bezieht sich überwiegend auf den öffentlichen Nahverkehr, medizinische Einrichtungen und auf das Einkaufen in Geschäften. Unklarheit herrscht aber bei der Frage, ob auch Kinder den neuen Regeln nachkommen müssen - beziehungsweise ob sie dies überhaupt können. Hier beantworten wir dazu die wichtigsten Fragen.

Wo gilt die Maskenpflicht auch für Kinder?

Die Regelungen zum Tragen eines Nase-Mund-Schutzes unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland - das gilt auch für die Ausnahmen, die Kinder betreffen. In Bayern müssen Kinder ab dem siebten Lebensjahr eine Maske tragen, also sobald ein Kind seinen sechsten Geburtstag gefeiert hat. So ist es auch in Baden-Württemberg, Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Thüringen geregelt. In Nordrhein-Westfalen sind "Kinder bis zum Schuleintritt" von der Maskenpflicht ausgenommen. Im Saarland war ursprünglich eine Pflicht ab zehn Jahren geplant. Doch am Freitag hat die Landesregierung die Grenze nun ebenfalls auf sechs Jahre gesenkt, wie der Saarländische Rundfunk  berichtet.

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In Hamburg müssen Eltern allen Kindern ab sieben Jahren eine Maske aufsetzen, wenn sie zusammen mit ihnen einkaufen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind. Strenger sind die Auflagen in Sachsen-Anhalt. Dort müssen Kinder bereits ab zwei Jahren eine Maske tragen.

Eine Altersbegrenzung für Berlin wurde bisher nicht offiziell verkündet. Doch Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte dem RBB: Kinder sollten textile Masken tragen, "sofern sie dazu in der Lage sind". Diese schwammige Formulierung hat auch Sachsen auf der Internetseite der Staatsregierung veröffentlicht  - mit dem Zusatz: Wann ein Kind in der Lage sei, entschieden die Eltern. Klar dagegen ist der Hinweis: "Eine Altersgrenze wird nicht vorgegeben."

Brandenburg hat zwar am Freitag auch eine Maskenpflicht in Bussen und Bahnen beschlossen, sie gilt laut RBB  jedoch nicht für Kinder unter sechs Jahren. Die Befürchtung: Sie würden die für Masken geltenden Hygieneregeln wahrscheinlich eh nicht beachten, so Ministerpräsident Dietmar Woidke. Außerdem könnten ihnen "die Schnüre gefährlich werden".

Sind Kinder in der Lage, eine Maske korrekt zu benutzen?

Experten empfehlen die Masken für Kinder nicht uneingeschränkt. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ ) erklärte, auch Kinder können eine solche Maske tragen - allerdings nur unter gewissen Bedingungen und ab einem gewissen Alter. Denn damit die Maske andere Menschen gut schützt und dabei den Träger nicht zusätzlich gefährdet, sollten Eltern diese wichtigen Punkte beachten:

  • Die Maske muss Kinn bis Nasenrücken vollständig bedecken und dabei keine Öffnungen bilden.

  • Sie darf nicht ständig auf- und abgesetzt werden.

  • Einmal aufgesetzt, sollte der Träger sie möglichst nicht berühren. Das klappt bei Kindern vermutlich nur, wenn Eltern immer wieder darauf hinweisen - je jünger das Kind, desto häufiger.

  • Beim Abnehmen des Mund-Nasen-Schutzes sollte die Vorderseite der Gesichtsbedeckung nicht angefasst werden. Es empfiehlt sich, den Mund-Nasen-Schutz von hinten abzunehmen.

  • Man sollte die Maske unmittelbar nach jedem Tragen reinigen: Entweder bei 60 Grad waschen und anschließend bügeln oder für ein paar Minuten in den 80 Grad heißen Backofen legen.

Die Experten schlussfolgern: Kinder unter zwei Jahren werden wohl kaum eine Maske tragen können. Bei Älteren ist es aber immerhin einen Versuch wert - zumindest in öffentlichen Verkehrsmitteln, beim Arzt oder Einkaufen.

Was ist bei Masken für Kinder zu beachten?

Natürlich ist ein fröhliches Muster hübsch und fördert vielleicht die Akzeptanz. Doch das wohl wichtigste Kriterium ist: Die Maske muss passen. Ein Schutz, der für Erwachsene konzipiert und gefertigt wurde, taugt nichts für ein kleineres Kindergesicht. Er dichtet dann nicht ab. Kostenlose Schnittmuster und DIY-Anleitungen auf YouTube gibt es inzwischen zuhauf im Netz, zum Beispiel diese Anleitung . Ein Tipp lautet hier: "Das Schnittmuster beim Ausdrucken verkleinern", dafür muss die Größe des Ausdrucks zum Beispiel auf 90 Prozent eingestellt werden. 

Welche Risiken bestehen, wenn Kinder eine Schutzmaske tragen?

Der BVKJ rät laut einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland dazu, dass Kinder beim Besuch von Arztpraxen einen Mund-Nasen-Schutz aufsetzen, um eine eventuelle Weiterverbreitung des Virus zu vermeiden. Beim Toben im Garten sollten sie hingegen keine Maske tragen. Es würde ihnen nur das Atmen erschweren und sie könnten sich damit an Spielgeräten verletzen. "Sollten Spielplätze wieder frei zugänglich sein, birgt der Mund-Nasen-Schutz die Gefahr, dass ein Kind daran hängen bleiben kann", sagt Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des Expertengremiums des BVKJ.

Der Kinder- und Jugendarztpräsident Thomas Fischbach hat vor einer Maskenpflicht für Kindergartenkinder zur Eindämmung der Corona-Pandemie gewarnt. "Es mag auch jüngere Kinder geben, die einen Mund-Nasen-Schutz akzeptieren, doch die allermeisten werden das eher als Spielzeug betrachten, daran herumhantieren und damit die Infektionsgefahr eher noch verstärken", sagte Fischbach am Donnerstag den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Es ist deswegen unklug, sollten einige Bundesländer das Maskentragen in öffentlichen Bereichen sogar für Kleinkinder vorschreiben." Fischbach hält eine Maskenpflicht "aus entwicklungspsychologischer Sicht" erst vom Grundschulalter an für sinnvoll. Grundschüler seien meistens schon in der Lage, mit Masken vernünftig umzugehen.

Was bringt es, wenn Kinder eine Schutzmaske tragen?

Mit der Vorschrift, Mund und Nase mit Stoff zu bedecken, soll die Gefahr minimiert werden, unbeabsichtigt Mitmenschen mit dem neuartigen Coronavirus anzustecken. Bislang ist nicht abschließend geklärt, wie leicht Kinder das Virus weitergeben. Zwar sprechen erste Daten dafür, dass sie weniger ansteckend sind als Erwachsene. Da das Coronavirus grundsätzlich leicht übertragen wird, hält das Robert Koch-Institut (RKI) es trotzdem für plausibel, dass auch sie eine Rolle bei der Verbreitung spielen.

Das RKI, das Masken am Anfang der Coronakrise außerordentlich skeptisch gegenüberstand, empfiehlt inzwischen das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung als "zusätzlichen Baustein", um die Geschwindigkeit der Ausbreitung von Covid-19 in der Bevölkerung zu reduzieren. Voraussetzung sei aber, dass weiterhin ein Mindestabstand von anderthalb Metern gehalten und die Hygieneregeln beachtet würden. Und das gilt selbstverständlich auch für Kinder.

Covid-19 wird durch kleine virusbelastete Tröpfchen übertragen, die beim Sprechen, beim Husten oder Niesen austreten und von Kontaktpersonen aufgenommen werden können. Auch Oberflächen können damit verunreinigt werden. Neben OP-Masken sind auch selbst genähte Stoffmasken oder über das Gesicht gezogene Schals und Tücher als Schutzbarriere erlaubt. "Ein selbst genähter Mund-Nasen-Schutz kann die Verteilung dieser Tröpfchen deutlich verringern", sagt Anke Steuerer, Kinder- und Jugendärztin in Augsburg sowie Mitglied beim Vorstand des BVKJ in Bayern. "Ein zu Hause angefertigter Mundschutz vermeidet zudem, dass die Engpässe bei der Schutzausrüstung für Fachkräfte zunehmen."

Wissenschaftlich nachgewiesen ist der Infektionsschutz durch Behelfsmasken nicht. Die einfachen Stoffmasken seien nur ein Hilfskonstrukt, aber besser als nichts, sagt Bundesärztekammerpräsident Klaus Reinhardt.

Sind Kinder mit Maske besser vor dem Coronavirus geschützt?

Nein. Denn einfache Stoffmasken, die nicht zu verwechseln sind mit medizinischen Atemschutzmasken, schützen den Träger nicht vor einer eigenen Ansteckung mit dem Erreger. Das gilt für Erwachsene genauso wie für Kinder. Der Virologe Christian Drosten, der das Tragen von Alltagsmasken befürwortet, verweist darauf, dass infektiöse Aerosole seitlich unter die Maske gelangen können - je weiter der Träger weg sei von der möglichen Infektionsquelle, desto feiner sei dieses Aerosol. Deshalb kommt es darauf an, dass die Masken richtig getragen werden. Die Schutzmasken müssen eng anliegen. Die Menschen dürften sich zudem nicht ins Gesicht fassen, um die Maske zurechtzuzupfen.

Mit Material von dpa und AFP

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, in Hamburg müssten Kinder bereits ab 3 Jahren eine Maske tragen. Laut Amtsblatt  vom 24. April gilt diese Pflicht erst für Kinder ab 7 Jahren. Wir haben die Passage im Text entsprechend geändert.

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