Vorteile überwiegen Stiko empfiehlt Coronaimpfung für 12- bis 17-Jährige

Die Ständige Impfkommission zögerte lange, der Druck aus der Politik war groß. Nun hat sich das Gremium festgelegt: Auch Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren wird zu einer Coronaimpfung geraten.
Impfungen für Kinder und Jugendliche: Jetzt empfiehlt das auch die Stiko

Impfungen für Kinder und Jugendliche: Jetzt empfiehlt das auch die Stiko

Foto: Sina Schuldt / picture alliance / dpa

Die Ständige Impfkommission (Stiko) spricht sich für Coronaimpfungen für alle Kinder und Jugendlichen ab zwölf Jahren aus. Nach sorgfältiger Bewertung neuer wissenschaftlicher Beobachtungen und Daten komme man zu der Einschätzung, »dass nach gegenwärtigem Wissensstand die Vorteile der Impfung gegenüber dem Risiko von sehr seltenen Impfnebenwirkungen überwiegen«, teilte das Gremium am Montag mit .

Die Stiko zögerte bisher, die Impfung generell für alle Menschen ab zwölf Jahren zu empfehlen. Als Grund dafür nannte sie stets die unzureichende Datenlage. Dennoch beschlossen die Gesundheitsminister Anfang August, sich dem entgegenzusetzen und allen Kindern ab zwölf Jahren ein Impfangebot zu machen.

Neue Überwachungsdaten haben überzeugt

Die Impfungen für Kinder und Jugendliche werden seit Wochen kontrovers diskutiert, da diese Altersgruppe völlig ohne Schutz gegen das Coronavirus nach den Sommerferien wieder in den Schulunterricht geht. Expertinnen und Experten befürchten, dass sich die Delta-Variante vor allem unter der ungeimpften Bevölkerung ausbreitet. Auf der anderen Seite stehen Sorgen vor möglichen Impfnebenwirkungen bei Kindern und Jugendlichen.

Um sicherzugehen, dass keine unbekannten Impfnebenwirkungen in dieser Altersgruppe auftreten, wartete die Stiko ab, bis die Datenlage entsprechend zuverlässig war. »Auf der Grundlage neuer Überwachungsdaten, insbesondere aus dem amerikanischen Impfprogramm mit nahezu zehn Millionen geimpften Kindern und Jugendlichen, können mögliche Risiken der Impfung für diese Altersgruppe jetzt zuverlässiger quantifiziert und beurteilt werden«, heißt es nun in der Mitteilung.

In seltenen Einzelfällen seien Herzmuskelentzündungen aufgetreten, vor allem bei jungen, männlichen Geimpften. Diese müssten als Impfnebenwirkungen gewertet werden. In der Mehrzahl der Fälle seien die Patienten ins Krankenhaus gekommen, hätten dort jedoch einen unkomplizierten Verlauf gehabt. »Umgekehrt weisen neuere Untersuchungen aus dem Ausland darauf hin, dass Herzbeteiligungen durchaus auch bei Covid-19-Erkrankungen auftreten«, heißt es in der Mitteilung. »Zudem sind bisher keine Signale für weitere schwere Nebenwirkungen nach mRNA-Impfung aufgetreten, insbesondere auch nicht bei Kindern und Jugendlichen.«

Teil der Abwägung war auch die Delta-Variante, die sich derzeit vermehrt in der jungen Bevölkerungsgruppe ausbreitet. Aktuelle mathematische Modellierungen hätten ergeben, dass für Kinder und Jugendliche ein deutlich höheres Risiko für eine Sars-CoV-2-Infektion in einer möglichen vierten Infektionswelle bestehe, schreibt die Stiko. »Unsicher bleibt, ob und wie häufig Long Covid bei Kindern und Jugendlichen auftritt.«

Die Empfehlung ziele daher in erster Linie auf den direkten Schutz der geimpften Kinder und Jugendlichen vor Covid-19 und den damit assoziierten psychosozialen Folgeerscheinungen ab. Unverändert solle die Impfung nach ärztlicher Aufklärung zum Nutzen und Risiko erfolgen. Die Stiko spricht sich in ihrer Mitteilung ausdrücklich dagegen aus, dass bei Kindern und Jugendlichen eine Impfung zur Voraussetzung sozialer Teilhabe gemacht wird.

Mehrere Länder impfen bereits Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren, darunter etwa die USA oder Israel. Für unter 12-Jährige ist bislang noch kein Impfstoff zugelassen. Der Hersteller Biontech/Pfizer erprobt seinen Impfstoff bereits in dieser Altersgruppe. Es wird erwartet, dass die Zulassung bei den US-amerikanischen Behörden noch in diesem Jahr beantragt wird. Möglicherweise könnte für die ganz Jungen dann Anfang 2022 ein Impfstoff zur Verfügung stehen.

kry/AFP/dpa
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