Pandemie-Modellierer über den Winter Wie schlimm wird Corona dieses Jahr?

Wie sich die Coronalage im Winter entwickelt, hängt maßgeblich davon ab, ob neue Varianten auftauchen – und wie gefährlich diese sind. Ein Forschungsnetzwerk berichtet von drei möglichen Szenarien.
Adventszeit in München 2021: Neue Variante oder keine neue Variante?

Adventszeit in München 2021: Neue Variante oder keine neue Variante?

Foto: Wolfgang Maria Weber / IMAGO

Deutsche Forscherinnen und Forscher blicken im Vergleich zu den vergangenen Wintern relativ optimistisch auf die mögliche Coronalage Ende 2022. Das berichtet Physikerin Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut via Twitter.

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Grundlage sind Modellierungen zu möglichen Verläufen der Coronapandemie, die vom Modellierungsnetz für schwere Infektionskrankheiten erarbeitet wurden. Die Forschungsverbunde werden durch die Universitätsmedizin Halle koordiniert, die eine Mitteilung  zu den Modellen veröffentlicht hat.

Demnach ist für die weitere Entwicklung der Pandemie ausschlaggebend, ob es eine neue Virusvariante geben wird. Durch Impfungen und Infektionen sei ein großer Teil der Bevölkerung grundlegend gegen Covid-19 immunisiert, heißt es. Der Schutz vor einem schweren Verlauf einer Coronainfektion mit den aktuell in Deutschland verbreiteten Varianten sei deswegen relativ gut, so Alexander Kuhlmann, Leiter der Koordinierungsstelle in Halle.

»Sollte eine neue Virusvariante auftreten, die den erworbenen Immunschutz der Bevölkerung teilweise umgeht, könnte sich die Situation jedoch verschärfen«, sagte er. Die entworfenen Szenarien greifen das auf:

1. Szenario: Keine neue Virusvariante

Das erste Szenario soll den Verlauf der Pandemie für den Fall prognostizieren, dass keine neue Virusvariante auftritt. Dem Modellierungsnetz zufolge ist in dem Fall eine Infektionswelle zu erwarten, »die wahrscheinlich zu keiner übermäßigen Belastung der Krankenhäuser führe«. Aufgrund einer Vielzahl an Infektionen könne sich aber der Personalmangel in der kritischen Infrastruktur verschärfen.

2. Szenario: Neue Virusvariante

Im zweiten Szenario nehmen die Forscherinnen und Forscher an, dass sich eine neue Virusvariante durchsetzt, die den Immunschutz teilweise umgeht, aber kein höheres Risiko für schwere Krankheitsverläufe aufweist. Eine solche Variante würde das Gesundheitssystem wohl ähnlich belasten wie die Omikron-Welle Anfang 2022 zur Zeit ihrer größten Verbreitung.

3. Szenario: Neue Virusvariante mit erhöhtem Krankheitsrisiko

Im dritten Szenario setzt sich ebenfalls eine neue Virusvariante durch, die den Immunschutz umgeht. In diesem Fall aber führt die mögliche neue Variante zu schwereren Krankheitsverläufen. Die Forscherinnen und Forscher vergleichen das mit der Delta-Variante aus der zweiten Jahreshälfte 2021. Sie schlussfolgern: »In diesem Fall könnten die bisher erreichten Spitzenwerte der Krankenhausbelastung in der Pandemie deutlich überschritten werden.« Laut der an den Modellen beteiligten Physikerin Priesemann sind in diesem Fall Schutzmaßnahmen nötig, falls eine Überlastung vermieden werden soll.

Was ist die Schlussfolgerung?

Alle Szenarien sind dem Modellierungsnetz zufolge möglich, Wahrscheinlichkeiten für deren Auftreten könnten nicht angegeben werden.

Derzeit sei Deutschland im ersten Szenario, schreibt Priesemann bei Twitter . Demnach ist derzeit noch nicht klar, ob eine relevante neue Variante überhandnehmen wird. »Aber das kann sich jederzeit ändern. Es gibt genug Virusvarianten-Kandidatinnen«, so Priesemann. Falls es eine solche Variante gebe, müsse man die Lage neu bewerten. »Bis dahin gilt: Zumindest in Sachen Corona sehen wir den Winter relativ positiv – in dem Sinne, dass Stand ›jetzt‹ keine starken Maßnahmen notwendig werden«, schreibt Priesemann.

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Vom Modellierungsnetz heißt es zudem, die Simulationen zeigten, dass eine im Oktober beginnende Impfkampagne die Zahl der Menschen, die wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden müssten, maßgeblich reduzieren würde. Insbesondere im dritten Szenario könne es aber sein, dass eine Änderung der Impfstrategie nicht ausreichend sei, um unterhalb der bisherigen Spitzenwerte bei Krankenhausbelegungen zu bleiben.

ptz
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