Coronavirus in Großbritannien »Es ist hart und kräftezehrend«

Großbritanniens Krankenhäuser sind zunehmend mit Covid-19 überfordert. Die Sterblichkeitsrate ist teils doppelt so hoch wie im Vorjahr. Ärzten und Patienten fehlt für Impfgegner jedes Verständnis.

Joy Halliday, Fachärztin für Intensiv- und Akutmedizin 

»Es ist hart und kräftezehrend, Entscheidungen für Menschen treffen zu müssen, die normalerweise überleben würden, aber das Coronavirus nicht überleben.« 

Das Universitätskrankenhaus von Milton Keynes nordwestlich von London wurde von der jüngsten COVID-19-Welle hart getroffen. Die Sterblichkeitsrate auf der Intensivstation ist auf 80% gestiegen, und somit doppelt so hoch wie im vergangenen Jahr. Auch jüngere Patienten füllen die Stationen und schwererkrankte Patienten sprechen seltener auf die Behandlung an. 

Der 68-jährige Stephen Marshall wurde kürzlich nach einer Rücken-OP zunächst negativ auf COVID-19 getestet. Doch wieder zuhause verschlechterte sich sein Zustand. 

Stephen Marshall, COVID-19-Patient  

»Ich konnte nicht die Treppe hochgehen, ohne zu schnaufen und zu keuchen, konnte nicht in die Küche gehen, ohne zu schnaufen und zu keuchen. Wollte nicht essen, nicht trinken. Nach einer Woche rief ich einfach die Ambulanz an und hier bin ich nun, direkt im Krankenhaus.« 

Jetzt liegt Marshall auf der Intensivstation und muss beatmet werden, während die Lungenkrankheit in seinem Körper wütet. Für Impfgegner fehlt ihm jedes Verständnis.  

Stephen Marshall, COVID-19-Patient  

»Was ist los mit diesen Leuten? Können sie nicht sehen, was vor ihren Augen geschieht? Ihnen fehlt der Verstand, sie sagen Ich lasse mich nicht impfen. Es tut mir leid, aber wenn Sie den Impfstoff nicht haben, kommen Sie nicht in meinen Laden, nicht in meine Kneipe.« 

Ärzte, wie Joy Halliday, kämpfen mit der Belastung durch Erschöpfung und Verlust. Sie kümmert sich um die 51-jährige Supermarktarbeiterin Victorita. 

Joy Halliday, Fachärztin für Intensiv- und Akutmedizin 

»Es kommen also viel mehr Leute ins Krankenhaus, viel jünger und viel fitter. Sie bekommen Steroide und Remdesevir. Aber trotzdem musste Victorita, die jung und fit und einundfünfzig ist, am Ende an ein nicht-invasives Beatmungsgerät angeschlossen werden.« 

Die jüngste Person, die im Krankenhaus beatmet wird, ist erst 28. Trotz des Lockdowns in Großbritannien nimmt die Zahl der Corona-Infektionen einer neuen Studie zufolge nicht ab, sondern hat zuletzt sogar noch zugelegt. Für Mitarbeiter an vorderster Front ist der Kampf noch lange nicht vorbei. 

 Wassim Shamsuddin, Klinischer Direktor 

»Die Schwierigkeit ist, dass, obwohl wir unser Bestes versuchen und wir alles für die Patienten nutzen, was wir haben, scheint es einfach nicht zu funktionieren. Und das macht uns zu schaffen. Auf lange Sicht werden die Mitarbeiter mit dieser Pandemie zurechtkommen müssen. Aber wir werden sicherlich sehen, dass Mitarbeiter das Gesundheitswesen verlassen, weil sie diese Erfahrung gemacht haben«