Nina Weber

Abstruse Maskendebatte Corona so günstig wie nie! Infizieren Sie sich noch heute!

Nina Weber
Ein Zwischenruf von Nina Weber
Ein Zwischenruf von Nina Weber
Wer sich jetzt mit einer Maske vor Corona schützt, verschiebt die Infektion doch bloß in den Herbst, sagt der Epidemiologe Klaus Stöhr. Sich anstecken, um sich vor dem Anstecken zu schützen – kuriose Strategie.
Adieu Maske – hallo Virus

Adieu Maske – hallo Virus

Foto: Prostock-Studio / iStockphoto / Getty Images

An den meisten Orten in Deutschland gehört die Entscheidung für oder gegen eine FFP2-Maske inzwischen zu der oft beschworenen Eigenverantwortung. Wer weiterhin keine Lust hat, sich (erneut) mit Sars-CoV-2 anzustecken, diesmal in der Variante Omikron BA.5 , geht in Menschenansammlungen und gut frequentierte Innenräume mit Mund-Nasen-Schutz. Wen die Sorge einer etwaigen Infektion nicht umtreibt, der verzichtet auf das Accessoire. Alle, wie sie mögen.

So weit, so gut? Nein. Auftritt: Klaus Stöhr, Epidemiologe und neuestes Mitglied im Corona-Sachverständigenausschuss. Er spricht sich öffentlich dagegen aus, jetzt mithilfe einer Maske das eigene Infektionsrisiko zu senken.

»Wer jetzt diese Infektion nicht zulässt, verschiebt die Infektion in den Herbst«, sagt Stöhr bei »Bild« . »In der Sommerwelle Infektionen in Kombination mit Impfungen zuzulassen, bringe daher ein schnelleres Ende der Pandemie«, fasst »ntv«  seine Aussagen zusammen.

Andersherum wird der Vorwurf an all jene, die weiterhin eine FFP2-Maske aufsetzen, deutlicher: Wer sich jetzt nicht freiwillig ansteckt, verhindert demnach das Ende der Pandemie.

Zwischen Deutschland und der seligen Zeit der Endemie steht also nur die immer kleiner werdende Gruppe, die freiwillig eine FFP2-Maske aufsetzt – und das noch vorgeschriebene Maskentragen in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Schon kurios, eine Infektion zu empfehlen, um sich vor einer Infektion zu schützen. Das ist, als würde man beim neu gekauften Fahrrad sofort ein paar Reißzwecken in die Reifen jagen, damit man später keinen Platten hat.

Jetzt Teil der Sommerwelle werden – alles andere wäre unsolidarisch.

Über das Risiko von Long Covid, das durch Impfungen zwar gesenkt wird, aber nicht auf null geht, sollte man bei diesem Super-Infektionsangebot nicht sprechen, das würde bloß Teile der Bevölkerung verunsichern. Also: Corona so günstig wie nie; infizieren Sie sich noch heute!

Ja, es klingt wie ein unseriöses Werbeangebot: Kaufen Sie diesen Saugschrubber, schon morgen steigt der Preis – wenn Sie sofort zuschlagen, erhalten Sie zwei für den Preis von einem! Bei der Coronainfektion könnte es übrigens genau so laufen. Denn welche Variante im Herbst oder Winter vorherrschen wird und ob eine durchgemachte Omikron-BA.5-Infektion einen nennenswert besseren Immunschutz gegen diese verspricht, weiß heute niemand. Auch nicht Klaus Stöhr.

Nun ging es der Politik in Deutschland in der gesamten Coronazeit nie darum, jede Infektion zu verhindern, sondern das Ziel war immer, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Inwieweit das geglückt ist, ist ein anderes Thema (nur ein Stichwort: Krebskranke ), aber in Bezug auf die aktuelle Sommerwelle lobt Stöhr die guten Vorzeichen einer zeitnahen Infektion. Laut »ntv« argumentiert er, dass es in den Kliniken keine Zunahme an behandelten Patienten gebe, die Situation sei so entspannt, wie man es nur habe hoffen können für den Sommer. »Wir haben ein stabiles Gesundheitssystem«, beruhigt Stöhr bei »Bild«. Zwischen den Zeilen heißt das: Falls Sie doch einen schweren Verlauf haben, keine Panik, es ist ein Intensivbett frei.

Also, Fraktion Vorsicht, jetzt sofort Maske abnehmen und Teil der Sommerwelle werden, alles andere wäre unsolidarisch.

Sars-CoV-2 wird es Ihnen danken!