Impfen beim Hausarzt: Nach Ostern ist das möglich
Impfen beim Hausarzt: Nach Ostern ist das möglich
Foto: Nicolas Armer / dpa

Impfkampagne Warum Hausärzte kein AstraZeneca spritzen

In Hausarztpraxen geht es nach Ostern los mit den Impfungen gegen Covid-19. Doch vorerst nur mit der Vakzine von Biontech/Pfizer – und nicht mit AstraZeneca oder Moderna. Ein weiterer Skandal?
Von Irene Berres und Katherine Rydlink

Nach Ostern soll das Impfen endlich schneller laufen, niedrigschwelliger, großflächiger: Ab 7. April dürfen auch Hausärzte gegen Sars-CoV-2 impfen. Allerdings erhalten sie nur so wenig Impfstoff, dass ihr Beitrag zur Impfkampagne vorerst sehr gering sein wird. Knapp eine Million Dosen sollen in der Woche nach Ostern ausgeliefert werden, das sind zwischen 18 und 50 Dosen pro Praxis.

Ein Grund für die geringen Mengen ist, dass in den ersten zwei Aprilwochen lediglich der Impfstoff von Biontech/Pfizer an die Hausarztpraxen geliefert wird. So steht es in einer Mitteilung  der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Das verwundert, denn gerade das Präparat von AstraZeneca wäre für den Einsatz in den Praxen besonders geeignet. Denn es muss nicht so aufwendig transportiert und gelagert werden, wie die mRNA-Impfstoffe von Biontech oder Moderna – auch wenn am Freitag die Europäische Arzneimittelagentur EMA eine zweiwöchige Lagerung bei minus 25 bis minus 15 Grad erlaubte. Vorher waren dafür mindestens minus 70 Grad notwendig. Für AstraZeneca reichen Standardkühlungen aus.

Während einige darin bereits einen weiteren Impfstoffskandal wittern, lässt sich der Umstand recht einfach erklären: »In den ersten beiden Aprilwochen liefert Biontech mit Abstand die größten Mengen an Impfstoffdosen«, hieß es vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) auf eine Anfrage des SPIEGEL. »Um unter anderem Zweitimpfungen in den Impfzentren sicherzustellen, werden die geringen Lieferungen von AstraZeneca daher in diesen beiden Aprilwochen ausschließlich in die Impfzentren ausgeliefert.« Danach solle auch der AstraZeneca-Impfstoff in Hausarztpraxen verimpft werden. Das bestätigt auch die KBV. »Ende April werden diese Mengen stark ausgeweitet – und dann wird es auch weitere Impfstoffe geben«, so ein Vertreter gegenüber dem SPIEGEL. »Die Liefermengen von Biontech sind größer und die Lieferzusagen verlässlicher als bei AstraZeneca«, sagte auch Martin Scherer, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin dem SPIEGEL.

Bofrost-Fahrzeuge zur Impfstoffverteilung

Und Moderna? Einem Bericht der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« (FAZ) zufolge wird der Impfstoff ebenfalls zunächst nicht an die Hausarztpraxen ausgeliefert. Moderna könne die Wirksamkeit seines Mittels nicht garantieren, wenn es auf dem vom Ministerium vorgesehenen Weg transportiert wird, heißt es in einem Bericht der Zeitung. Demnach hat das BMG vorgesehen, dass der Impfstoff beim Großhändler aufgetaut und dann zu den Apotheken und Ärzten gebracht wird.

Doch dabei könnte die Vakzine Schaden nehmen, denn sie muss stark gekühlt werden und darf keinen großen Erschütterungen ausgesetzt sein, hieß es von Moderna. Ihr Alternativvorschlag, das Präparat tiefgekühlt durch Bofrost-Fahrzeuge an die Praxen ausliefern zu lassen, wurde offenbar vom Ministerium abgelehnt.

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Also erst mal nur Biontech. Die KBV zeigt sich motiviert, dass der Beitrag der Hausärzte bald wichtiger werden wird: »Wenn die Impfstoffe in ausreichenden, regelmäßigen Mengen rechtzeitig in den Praxen ankommen, schätzen wir, dass schon vor dem Sommer viele Millionen Impfungen wöchentlich erfolgen können«, sagte KBV-Vorstand Andreas Gassen laut Mitteilung. »Jetzt haben wir endlich die Möglichkeit, mit dem Impfen loszulegen.«

Die Termine für ihre 20 Impfdosen vergeben die Kassenärzte dann gemäß der Priorisierungsliste, also zunächst hauptsächlich an über 80-Jährige. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM) ist zuversichtlich, dass sich der Biontech-Impfstoff für den Einsatz in den Hausarztpraxen bewährt: »Auch Biontech funktioniert ja offenbar im Praxishandling, wie die Modellprojekte gezeigt haben«, hieß es auf eine Anfrage.

Biontech zufolge ist das Mittel bei einer Lagerung zwischen zwei und acht Grad Celsius für fünf Tage haltbar – also bei Kühlschranktemperaturen. Laut aktuellen Planungen wird der Impfstoff im Großhandel aufgetaut und dann an die Arztpraxen verschickt, wo er innerhalb der fünf Tage verimpft werden muss.

Laut KBV-Praxisinfo  müssen die Hausarztpraxen die Impfstoffe ab kommender Woche immer eine Woche im Voraus über ihre beliefernde Apotheke bestellen. Sie erhalten die bestellten Dosen dann jeweils am Montagabend. Die Ärzte werden dazu angehalten, die Impfstofftemperatur in ihren Kühlschränken kontinuierlich zu überwachen.

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