Studie aus Deutschland Wie oft Long Covid verschiedene Altersgruppen trifft

Eine große Auswertung von Krankenkassendaten zeigt: Auch Kinder und Jugendliche haben das Risiko, nach einer Coronainfektion noch lange unter Beschwerden zu leiden – aber das passiert seltener als bei Erwachsenen.
Noch ist unklar, warum manche Menschen nach einer Coronainfektion andauernde Beschwerden haben

Noch ist unklar, warum manche Menschen nach einer Coronainfektion andauernde Beschwerden haben

Foto: Paloma Reyes / EyeEm / Getty Images

Weltweit berichten Millionen Menschen von Spätfolgen einer Coronainfektion und schildern vielfältige Symptome. Weitgehend unklar war bisher, wie stark Kinder und Jugendliche von Post Covid betroffen sind. Eine im Fachblatt »Plos Medicine«  veröffentlichte Studie unter Leitung der Uniklinik Dresden zeigt nun, dass auch sie teilweise noch über Monate Beschwerden haben – allerdings deutlich seltener als Erwachsene. Die Ursachen für das Post-Covid-Syndrom bleiben indes weiter unklar.

Als Long Covid definieren die deutschen medizinischen Leitlinien Beschwerden, die länger als vier Wochen nach der Coronainfektion bestehen. Dauern diese länger als zwölf Wochen an, spricht man von Post Covid.

Für die Studie nutzten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Daten sechs deutscher Krankenkassen, bei denen insgesamt rund 38 Millionen Menschen versichert sind.

Sie ermittelten, wie oft bestimmte Langzeitsymptome bei Menschen auftraten, die im ersten Halbjahr 2020 eine durch einen PCR-Test bestätigte Coronainfektion hatten. Jeden von ihnen verglichen sie mit je fünf möglichst ähnlichen Versicherten, die sich aber laut den Unterlagen nicht mit Corona angesteckt hatten. In die Studie flossen Daten von knapp 12.000 Kindern und Jugendlichen sowie gut 145.000 Erwachsenen mit einer bestätigten Infektion ein. Lediglich ein Prozent der Minderjährigen und knapp sechs Prozent der Erwachsenen wurden wegen der akuten Infektion im Krankenhaus behandelt.

Erschöpfung, Husten, Schmerzen

Insgesamt war die Wahrscheinlichkeit, dass während der ersten Pandemiewelle an Covid-19 erkrankte Kinder und Jugendliche drei Monate oder länger nach der Infektion dokumentierte Gesundheitsprobleme hatten, um 30 Prozent höher als in der Kontrollkohorte. Am häufigsten klagten die Heranwachsenden über Unwohlsein und Erschöpfung, Husten, Schmerzen im Hals- und Brustbereich, aber auch Anpassungsstörungen.

Bei den Erwachsenen war die Rate derjenigen, die ein Vierteljahr nach der Infektion ärztliche Diagnosen aufgrund von physischen und psychischen Symptomen erhielten, um 41 Prozent höher als bei den Kindern und Jugendlichen. Bei ihnen wurden am häufigsten lang anhaltende Geruchs- und Geschmacksstörungen, Fieber, Atemnot (Dyspnoe) und Husten in den Krankenakten vermerkt.

Die Autoren der Studie, zu denen auch Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), gehört, fassen zusammen: »Wir fanden heraus, dass die Covid-19-Diagnose mit einer höheren langfristigen Nachfrage nach Gesundheitsleistungen verbunden war, was sich in ambulanten und stationären Diagnosen einer breiten Palette von Ergebnissen mehr als drei Monate nach einer bestätigten Sars-CoV-2-Infektion widerspiegelte. Kinder und Jugendliche scheinen zwar weniger betroffen zu sein als Erwachsene, aber diese Ergebnisse sind für alle Altersgruppen statistisch signifikant.«

Gerade die Berücksichtigung von Heranwachsenden mit einer großen Kontrollgruppe sowie der relativ lange Beobachtungszeitraum machen für Winfried Kern von der Klinik für Innere Medizin des Universitätsklinikums Freiburg die Stärken der Dresdner Arbeit aus. »Die Studie kann sehr gut beschreiben, wie viele Menschen nach einer Covid-Infektion wegen Beschwerden häufiger zum Arzt gehen als die Kontrollkohorte«, sagte er in einer unabhängigen Einschätzung, er war an der Studie nicht beteiligt. Allerdings bedeute das Untersuchungsdesign auch, dass nur die über einen Arztkontakt ermittelten Symptome erfasst worden seien: »Wahrscheinlich sind Müdigkeit, Erschöpfbarkeit sowie Gedächtnisprobleme und Konzentrationsschwächen deswegen in dieser Studie nicht so dominant.«

Kern erläutert, dass sich aus Arzt- und Krankenhausbesuchen nicht exakt ableiten lässt, wie stark jemand im Alltag durch eine Krankheit beeinträchtigt ist. Der Infektiologe hat selbst eine Post-Covid-Studie in Baden-Württemberg geleitet, deren Ergebnisse kürzlich im »British Medical Journal«  veröffentlicht wurden. Diese zeigte, dass etwa ein Viertel der 12.000 Studienteilnehmer im Alter zwischen 18 und 65 Jahren sechs bis zwölf Monate nach einer Coronainfektion unter erheblichen Langzeitfolgen leidet – und dadurch stark in Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist.

wbr/dpa
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