Zulassung in den USA Tablette meldet, dass sie eingenommen wurde

Stellen Sie sich vor, Ihr Arzt wüsste immer, ob Sie alle Medikamente genommen haben. Eine in den USA zugelassene Tablette ist ein erster Ansatz in diese Richtung: Sie meldet, wenn sie im Magen verdaut wird - und schickt die Daten in die Cloud.

Die Tablette enthält einen winzigen Sensor. Kommt dieser in Kontakt mit Magensäure, sendet er einen elektrischen Impuls aus. Ein spezielles Pflaster, das der Patient trägt, registriert das Signal, leitet die Information an eine App weiter und von dort wandert sie in eine Cloud. So kann der Betroffene dokumentieren und verfolgen, wann er seine Tabletten genommen hat. Und mit seiner Zustimmung können auch Ärzte oder Pflegekräfte auf diese Daten zugreifen.

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat erstmals eine Tablette plus Zubehör zugelassen, wo solch ein Sensorsystem praktisch umgesetzt wird. Das Medikament "Abilify MyCite" kann bei Schizophrenie, bipolaren Störungen oder begleitend bei einer schweren Depression verschrieben werden. Hersteller ist das japanische Unternehmen Otsuka Pharmaceutical, das Tabletten mit dem enthaltenen Wirkstoff Aripiprazol schon seit Jahren vertreibt. Den Sensor stellt die US-Firma Proteus Digital Health her.

"Für einige Patienten könnte es sinnvoll sein, die Einnahme von Tabletten gegen psychische Erkrankungen so im Auge zu behalten", sagt Mitchell Mathis von der FDA. So gibt es etwa bei Menschen mit einer bipolaren Störung das Risiko, dass sie während einer manischen Phase aufhören, ihre Medikamente zu schlucken. Bisher ist aber nicht belegt, ob die Technik dazu beiträgt, dass Patienten ihre Medikamente regelmäßiger einnehmen, darauf weisen der Hersteller und die FDA hin. Ob Versicherungen die Kosten für das Mittel übernehmen, ist noch unklar - möglicherweise werden sie es ablehnen, bis erwiesen ist, dass die Überwachung die Therapietreue tatsächlich erhöht.

Proteus Digital Health scheint indes schon weitaus größere Zielgruppen anzupeilen: Auf seiner Webseite  schreibt das Unternehmen, das System könnte die größte Wirkung unter anderem bei Patienten mit Diabetes oder Bluthochdruck erzielen. Laut der gerade aktualisierten Leitlinie der US-Herzärzte hat fast die Hälfte der erwachsenen US-Amerikaner Bluthochdruck.

wbr/rtr/AP