Gesundheit von Schülern Die Klassenjüngsten haben ein höheres Risiko für ADHS und Depressionen

Vergleichsweise jung eingeschulte Kinder haben ein höheres Risiko, dass bei ihnen ADHS, Depression oder eine Lernstörung diagnostiziert wird - das zeigt eine aktuelle Studie aus Großbritannien.

Schüler: Häufiger Depressionen wegen schlechter Noten?
Lise Gagne/ Getty Images

Schüler: Häufiger Depressionen wegen schlechter Noten?


Beim Sport fällt es wahrscheinlich am ehesten auf: Die jüngsten, meist kleinsten Kinder in der Altersgruppe haben eher Mühe, mit den älteren mitzuhalten. Das Geburtsdatum bestimmt mit, wie leicht oder schwer einem Kind es fällt, im Unterricht Bestleistungen zu erzielen. Studien zeigen, dass dies nicht nur im Sport gilt, sondern auch in anderen Fächern: Die Jüngeren in der Klasse schneiden insgesamt nicht so gut ab wie die Älteren.

Und darüber hinaus zeigen verschiedene Untersuchungen, dass das Risiko bestimmter Krankheiten anscheinend mit dem relativen Alter in der Schulklasse verknüpft ist. Immerhin kommen in einer Schulklasse Kinder zusammen, deren Alter ein Jahr oder sogar mehr auseinanderliegen kann - in den ersten Lebensjahren kann das einen gewaltigen Unterschied bedeuten.

Ein Team von Forscherinnen und Forschern in Großbritannien berichtet nun, dass Lernstörungen, ADHS und Depressionen häufiger bei Kindern auftreten, die in der Schulklasse zu den jüngeren zählen.

Für die im Fachblatt "Jama Pediatrics" veröffentlichte Studie wertete die Gruppe Daten von gut einer Million Kinder in England, Wales, Schottland und Nordirland aus, wo übrigens nicht dieselben Stichtage für das Einschulungsalter gelten.

Das Team um Jeremy Brown von der London School of Hygiene and Tropical Medicine teilte die Kinder jeweils in vier Gruppen - von den Ältesten in der jeweiligen Klasse bis zu den Jüngsten. Dann ermittelte es, wie viele Kinder und Jugendliche vor ihrem 16. Lebensjahr die Diagnose Lernstörung, ADHS oder Depression erhielten.

Die Ergebnisse:

  • Während von den jüngsten Kindern 236 von 10.000 eine ADHS-Diagnose bekamen, waren es unter den ältesten 174 von 10.000.
  • In der jüngsten Gruppe wurde bei 104 von 10.000 Kindern eine Lernstörung diagnostiziert, bei der ältesten war dies bei 81 von 10.000 der Fall.
  • Die Diagnose Depression erhielten 109 von 10.000 der jüngsten Kinder, 83 von 10.000 der ältesten Kinder.

Die Studie selbst kann keine Antworten dazu liefern, warum die jüngeren Kinder häufiger betroffen sind als die älteren. Das Forscherteam stellt jedoch einige Vermutungen an: Weil es den jüngeren Kindern in einer Klasse im Vergleich zu den älteren eher an Reife fehlt, könnte es sein, dass sie häufiger eine ADHS-Diagnose erhalten, obwohl sie gar nicht an dem Syndrom erkrankt sind. Doch ebenso wäre möglich, dass es unter den ältesten Kindern in der Klasse häufiger unerkannte, also nicht diagnostizierte ADHS-Fälle gibt.

Dass auch Depressionen häufiger unter den Klassenjüngsten auftreten, hängt aus Sicht der Forschergruppe ebenfalls mit der schulischen Leistung zusammen, die mit dem relativen Alter in der Klasse zusammenhängt. Denn schon bekannt sei, dass Schüler, die schlechte Noten bekämen, ein höheres Depressionsrisiko hätten.

Eine einfache Lösung, wie sich das erhöhte Krankheitsrisiko für die Jüngsten senken lässt, haben die Wissenschaftler leider nicht parat. Wenn man den Stichtag für die Einschulung verschiebt, werden lediglich andere Kinder die jüngsten sein. Eine Möglichkeit wäre, vor der Einschulung zu testen, ob das Kind schon reif genug sei oder lieber noch ein Jahr warten solle, meinen die Forscher.

wbr

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insgesamt 18 Beiträge
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StonyBrook 24.09.2019
1. Nicht neu
Dass Septemberkinder durchschnittlich bessere Schulabschlüsse erreichen, ist auch nicht neu. Die gehören in der Regel zu den älteren regulär eingeschulten Kindern. Vergleichbare Unwuchten gibt es auch in der Sportförderung. Wir haben sehr bewusst ein August-Kind in Bayern zurückstellen lassen, so wie meine Eltern mich auch als Juni-Kind schon ?ausgebremst? haben. Wäre vielleicht auch anders gut gegangen, aber ich habe gute Erinnerungen an eine Schulzeit am älteren Ende der Klasse. Ich hatte wenig Streß, mitzukommen.
zahlenschubse 24.09.2019
2. StoonyBrook
In der Grundschule meines Sohnes, auch in Bayern, sind Septemberkinder (noch) die jüngsten. Der Stichtag ist ja der 30.09. Zum Glück hat das zumindest vorübergehend ein Ende mit der Einführung des "Einschulungskorridors". 5jährige und knapp 6jährige einzuschulen ist echt grenzwertig.
StonyBrook 24.09.2019
3. @2
Die Korridore ändern sich ja ständig. Die Statistik mit den überdurchschnittlichen Septemberkindern war iirc aus Baden-Württemberg, zu Zeiten, als Ende August Stichtag war. Zumindest passte das Ergebnis zu der Annahme, dass untercden regulär eingeschulten Kindern das Einschulungsalter positiv mit dem Lernerfolg korreliert.
Teilzeitalleinerzieherin 24.09.2019
4. Nach meiner Erfahrung
Sollten vor allem Jungs später eingeschult werden, da sie doch meist noch länger sehr kindlich sind. Einen "Schulfähigkeitstest" hätte ich gut gefunden, weil man bei Kann-Kindern doch sonst sehr stark vom eigenen Bauchgefühl und wohlmeinendem " ach der Ernst des Lebens beginnt noch früh genug" abhängt.
rjb26 24.09.2019
5. was fuer eine erkenntnis
wie haben schon vor Jahrzehnten dafür gesorgt, dass unsere überdurchsnitzlich begabten Kinder, trotz ständiger Aufforderung nie eine Klasse überspringen dürften, sondern altersgemäße aufwachsen könnten. und Ja da muss man als Eltern was tun um mit entsprechend zusätzlichen Du gen dies aufzufangen bzw. zu fördern. mit der Elternehaltung der aktuellen Yuppie ElternGeneration natürlich ein Problem.
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