Geringe Lebenserwartung Wodka bringt Russlands Männer früh ins Grab

Vergeblich kämpft Russlands Regierung gegen Alkoholmissbrauch: Trotz Verkaufsverboten und Preissteigerungen trinken besonders Männer literweise Wodka. Ein Viertel von ihnen stirbt vor dem 55. Lebensjahr.
Das nächste Glas geleert: Zu hoher Alkoholkonsum ist in Russland ein riesiges Problem

Das nächste Glas geleert: Zu hoher Alkoholkonsum ist in Russland ein riesiges Problem

Foto: Johannes Eisele/ dpa

Russische Männer haben im Vergleich zu Westeuropäern eine deutlich geringere Lebenserwartung, 25 Prozent von ihnen sterben vor dem Alter von 55 Jahren. Zum Vergleich: In Großbritannien ist das bei sieben Prozent der Fall. Die durchschnittliche Lebenserwartung für einen russischen Mann liegt bei 64 Jahren.

Der Hauptgrund dafür ist übermäßiger Alkoholkonsum. Dies hat sich trotz neuer Anti-Alkohol-Gesetze bislang kaum geändert, bestätigt eine groß angelegte Studie. Russland hat ein nächtliches Verkaufsverbot für Alkohol eingeführt, außerdem wurden die Preise deutlich erhöht.

Für die im Fachmagazin "Lancet"  veröffentlichte Studie befragten die Forscher knapp 152.000 Russen in den westsibirischen Städten Barnaul, Tomsk und Bijsk zu Trinkverhalten und Zigarettenkonsum. 19 Prozent der Männer und 2 Prozent der Frauen gaben an, pro Woche mindestens einen halben Liter Wodka zu trinken. Andere alkoholische Getränke wurden im Vergleich so selten konsumiert, dass sie in der Studie nicht weiter beachtet wurden. Fast alle stärkeren Trinker waren Raucher. In den folgenden zehn Jahren starben rund 8000 der Befragten.

Auf Basis der Daten berechneten die Forscher folgendes:

  • 35- bis 54-jährige russische Männer, die rauchen und mindestens 1,5 Liter Wodka pro Woche trinken, haben ein Risiko von 35 Prozent, in den kommenden 20 Jahren zu sterben.
  • Für die, die zwischen einem halben und 1,5 Litern trinken, liegt es bei 20 Prozent.
  • Für die, die weniger als einen halben Liter pro Woche trinken, bei 16 Prozent.

Alkoholvergiftung, Unfälle, Leberkrebs

Die hohe Todesrate unter Männern mit hohem Wodkakonsum ist laut der Studie vor allem auf Alkoholvergiftung, Unfälle, Gewalt und Selbsttötung zurückzuführen, aber auch auf Krankheiten wie Leberkrebs und Lungenleiden.

Der deutsche Experte Jürgen Rehm vom kanadischen Center for Addiction and Mental Health in Toronto weist zudem darauf hin, dass die durchschnittliche Alkoholmenge allein oft nicht die hohe Todesrate erkläre, sondern vor allem auch die extrem starken, einzelnen Besäufnisse. Er kommentiert die aktuelle Studie im "Lancet" .

Der Studienleiter David Zaridse vom Russischen Krebsforschungszentrum in Moskau betonte, dass die 2006 in Russland eingeführten Alkoholkontrollen sich positiv ausgewirkt hätten. Die Wissenschaftler erinnerten daran, dass die restriktive Alkoholpolitik unter Kreml-Chef Michail Gorbatschow in den achtziger Jahren den Konsum um 25 Prozent gesenkt habe - und in der Folge auch die Todeszahlen. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus dagegen hätten die Menschen wieder sehr viel mehr getrunken, was vor allem unter Präsident Boris Jelzin wieder zu einem Anstieg der Todeszahlen geführt habe.

Die russische Führung hat angesichts dramatischer demografischer Probleme inzwischen auch weitreichende Rauchverbote erlassen und untersagt Werbung für Suchtmittel. Doch die starke russische Alkohollobby erschwert diesen Kampf, betonen die Experten.

wbr/dpa
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