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08. April 2015, 12:07 Uhr

Komplikation nach Bluttransfusion

Allergie aus der Konserve

Mit Lachs oder Erdnüssen hatte der Achtjährige nie Probleme. Nach dem Verzehr schwillt seine Haut aber plötzlich an, und der Blutdruck sackt ab. Der Junge hatte kurz zuvor eine Blutplättchen-Spende von einem Allergiker erhalten.

Zehn Minuten, nachdem er Lachs gegessen hat, bekommt der Junge schwere allergische Symptome: Seine Lippen schwellen an, sein Hals schmerzt, das Gesicht läuft rot an, er fühlt sich schwach und sein Blutdruck ist sehr niedrig. Das ist seltsam, denn der Achtjährige hatte zuvor regelmäßig Lachs gegessen, ohne dass es ihm danach schlecht ging.

Wenige Tage später treten ähnliche Beschwerden auf, nachdem er einen Kuchen mit Erdnüssen verzehrt hat. Im "Canadian Medical Association Journal" (CMAJ) berichten Ärzte des Hospital for Sick Children im kanadischen Toronto von dem Fall.

Der Grund für die heftigen Reaktionen ist eine sehr seltene Komplikation: Der Junge hatte wegen einer Tumorerkrankung Blutplättchen von einem Spender erhalten, der starke Allergien gegen diese Lebensmittel hat. In der Blutspende waren sogenannte Immunglobuline E (IgE) enthalten, Antikörper, die die allergische Reaktion anstoßen. Auch durch eine Spende von Blutplasma kann in seltenen Fällen eine Allergie weitergegeben werden, berichten die Autoren. Der erste beschriebene Fall stammt aus dem Jahr 1919.

Obwohl Allergien weit verbreitet und kein Ausschlusskriterium für Blutspenden sind, werden durch Blutprodukte übertragene Allergien selten diagnostiziert, berichten die kanadischen Ärzte. Einer der Gründe sei die kurze Zeitspanne, die IgE im Blut verbleiben. Sind allerdings in einer Blutspende größere Mengen enthalten, die dann im Körper des Empfängers an bestimmte Zellen andocken, können sie dort noch einige Zeit aktiv sein.

Die Allergie ist nur vorübergehend

Sind die fremden Antikörper abgebaut, endet die übertragene Allergie. "Die Symptome klingen typischerweise innerhalb weniger Monate ab", sagt Studienautorin Julia Upton.

Bei ihrem jungen Patienten waren die IgE, die die allergische Reaktionen auf Lachs und Erdnüsse ausgelöst hatten, innerhalb von viereinhalb Monaten nach dem Auftreten der Symptome nicht mehr messbar. Der Junge aß beides wieder ohne jegliche Probleme.

Nach Ansicht der Ärzte gibt es keine einfache Lösung, dieser seltenen Komplikation vorzubeugen. Alle Menschen, die unter Allergien leiden, von vornherein vom Blutspenden ausschließen, würde den Verlust vieler Spender bedeuten. Im konkreten Fall allerdings entschloss man sich, den allergischen Spender nicht mehr zur Blutentnahme zu bestellen.

Es sei wichtig, diese seltenen Fälle zu diagnostizieren, um bei einem akuten allergischen Anfall richtig zu reagieren, schreiben die Forscher. Außerdem lasse sich so vermeiden, dass der Betroffene wegen der Beschwerden von diesem Zeitpunkt an dauerhaft ein Lebensmittel meidet - obwohl wenige Monate Verzicht ausreichen.

wbr

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