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01. September 2014, 16:07 Uhr

Alopecia areata

Plötzlich sind die Haare weg

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Manchmal beginnen die Haare schon im Kindesalter auszufallen - Alopecia areata trifft Männer und Frauen, Junge und Alte gleichermaßen. Eine Pilotstudie aus den USA lässt hoffen, dass bei Betroffenen die Haare wieder wachsen können.

Bereits als Zehnjährige bemerkte die Krefelderin Jenny Latz kahle Stellen am Hinterkopf. Der Dermatologe diagnostizierte Alopecia areata. Darunter versteht man plötzlich einsetzenden, oft kreisrunden Haarausfall. Die Auslöser der Erkrankung sind noch nicht vollständig erforscht. Es wird vermutet, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt, bei der körpereigene T-Zellen die Haarwurzel angreifen. Die Folge: mitunter vollständiger Haarausfall. Die Krankheit trifft Frauen ebenso häufig wie Männer und kann in jedem Alter auftreten. Schätzungen zufolge sind in Deutschland mehr als eine Million Menschen betroffen.

Die Behandlungsmöglichkeiten sahen für Jenny Latz Mitte der Siebzigerjahre dürftig aus: "In der Apotheke gab es Kortisonsalbe oder ein Kopfhauttonikum." Beides half ihr nicht. Doch mit der Zeit wuchsen die Haare langsam wieder nach. Kortisonhaltige Salben und Tabletten sind noch immer im Einsatz, zudem versucht man durch Einwirken auf den Hormonhaushalt, der Krankheit Einhalt zu gebieten. Auch die Behandlung mittels eines Lasers ist möglich, bei der das Licht wohl ein Absterben der aggressiven T-Zellen bewirkt, berichtet der Münchner Facharzt für Dermatologie, Harald Bresser.

Studie macht Betroffenen Mut

Nun macht eine im Fachblatt "Nature Medicine" veröffentlichte Pilotstudie Betroffenen etwas Mut. Das Ergebnis scheint Hinweise auf mögliche Hilfe zu geben. Wissenschaftler der Columbia University, New York, fanden zunächst Immunzellen, die anscheinend für den Haarverlust verantwortlich sind. Dann verabreichten die Forscher Mäusen sowie drei Patienten den Wirkstoff Ruxolitinib, der bislang nur bei der Behandlung einer Knochenmarkerkrankung, der sogenannten Myelofibrose, angewendet wird.

Der erstaunliche Effekt stellte sich innerhalb von knapp fünf Monaten ein. Bei allen drei Patienten waren die Haare an den kahlen Stellen wieder fast vollständig nachgewachsen. Auf Nebenwirkungen der Medikamentengabe wird in dem Fachartikel nicht eingegangen, der Wirkstoff kann nach Angaben von gesundheitsinformation.de Schwindel, Kopfschmerzen und andere Nervenstörungen auslösen.

"Wir haben begonnen, das Medikament zu testen. Wenn der Wirkstoff erfolgreich und sicher in der Anwendung bleibt, wird dies einen enorm positiven Effekt für alle haben, die mit dieser Krankheit leben", sagt Studienleiter Raphael Clynes. Die Forscher der Columbia University haben ein Patent für die Therapie eingereicht.

Doch es gibt auch skeptische Reaktionen. "Drei Behandelte reichen nicht aus", sagt die Pressesprecherin des Vereins "Alopecia Areata Deutschland", Kerstin Zienert. "Wir sind an der Entstehung der Krankheit interessiert."

Neue Therapien und Wirkstoffe

Am Institut für Humangenetik der Universität Bonn forscht Regina Betz zum Thema. "Genom-weite Assoziationsstudien, die auf dem Vergleich genetischer Anlagen bei Patienten- und Kontrollgruppen beruhen, sind eine gute Basis, um Wirkstoffe für potenzielle Therapieansätze zu finden", sagt die Humangenetikerin. Wirkstoffe wie Ruxolitinib könnten ein Hoffnungsschimmer für Betroffene sein. "Sie müssen aber erst an großen Patientengruppen untersucht werden, bevor man sie als Therapie verwendet."

Jenny Latz verlor ihre Haarpracht endgültig, als die Mutter starb. Damals fertigte man für die 18-Jährige eine Perücke an. Doch die "juckte fürchterlich und sah künstlich aus". Latz' Reaktion: "Das Ding trag ich nicht." Erst eine zweite Perücke passte besser. Dann lernte sie einen Mann kennen, der ihr sagte: "Du bist auch so wunderschön." Sie verzichtete auf das Kunsthaar. Heute engagiert sich die Krefelderin, hält Vorträge und gibt Rat. Sie sagt: "Die Alopecia areata ist mein Lebensthema geworden."

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