Alu-Deo und Wasch-Gelage Aus dem Leben eines Extremschwitzers

Die Sommerzeit stürzt Jens Lubbadeh in einen Konflikt: Einerseits wollte er keine aluminiumhaltigen Deos mehr verwenden. Andererseits sind sie das Einzige, das den steten Schweißstrom stoppt. Einblicke in den Alltag eines Extremschwitzers.

Schweiß dringt durch das Hemd: Wer stark schwitzt, braucht viel Wäsche zum Wechseln
Corbis

Schweiß dringt durch das Hemd: Wer stark schwitzt, braucht viel Wäsche zum Wechseln


All meine guten Vorsätze - zerronnen. Unter meinen Achselhöhlen vaporisiert, auf meiner Stirn verflüchtigt, meine Wirbelsäule hinabgetropft.

Vor einiger Zeit schrieb ich hier über aluminiumsalzhaltige Deos. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät, auf sie zu verzichten - bei täglicher Anwendung könnten sonst Grenzwerte überschritten werden. Ich testete, ob ein Leben mit aluminiumfreien Deos möglich ist. Das ist es.

Das war im Frühling.

Jetzt haben wir Sommer. Es ist heiß, und mein aluminiumfreies Deo ist den Fluten, die täglich aus meinen Schweißporen strömen, einfach nicht gewachsen.

Manchmal hilft einfach nur Silber

Das Deo steht also erst einmal wieder hinten im Schrank. Zum Glück hatte ich das Alu-Deo noch nicht weggeworfen. Selbst das kann den Job, mich einigermaßen trockenzuhalten, kaum erfüllen. Weswegen ich auf noch härteren Stoff ausgewichen bin: Silber. Ja, ich weiß. Nanosilber ist nicht ratsam. Aber was soll ich machen? Ich bin Extremschwitzer, ich bin so geboren worden. Da gilt es abzuwägen zwischen einem Leben mit temporären Grenzwertüberschreitungen oder einem mit permanentem sozialem Stigma.

Und das existiert. Wir amüsieren uns über die Schweißflecken von Angela Merkel, Aufnahmen von Jogi Löws Achselhöhlen-Check schafften es sogar ins britische Fernsehen. Und natürlich hat der Bürostreber aus "Stromberg" - Berthold "Ernie" Heisterkamp - niemals trockene Achselhöhlen.

Es ist ein Teufelsschweißkreis: Je stärker sich diese ungewollten Flecken in den Achselhöhlen ausbreiten, desto angestrengter presse ich die Arme an den Körper. Obwohl ich im Sommer gerne mal helle Kleidung tragen würde - es ist zu riskant, weil mein Körper sich in einem permanenten Wet-T-Shirt-Wettbewerb befindet. Aber dunkle Klamotten haben die Eigenschaft, die Sonnenenergie zu absorbieren.

Muss man alles kommentieren?

Schlimm genug, dass sich mein T-Shirt oft schweißschwer wie das Trikot von Ivica Olic in der 90. Minute anfühlt. Aber dass die Mitmenschen die sich an Rücken und Bauch ausbreitenden Flecken stets kommentieren müssen, ist noch schlimmer. Der Satz "Du schwitzt aber ganz schön" ist im Prinzip die Light-Variante von "Du stinkst aber ganz schön".

Man hat ja so schon genug zu tun. Steter Schweißstrom verursacht nämlich steten Materialstrom. Extremschwitzer benötigen alles in groß. Es beginnt beim Kleiderschrank: Man braucht immer genügend Ersatzunterwäsche. Groß muss auch der Wäschekorb sein, der ständig voll ist. Dann das Wichtigste: die Waschmaschine. Sie muss nicht nur groß, sondern auch absolut verlässlich sein, denn eigentlich könnte jeden Tag Waschtag sein. Fällt sie jemals aus, ist das eine mittlere Katastrophe, denn dann müssen alle Arbeitsschritte in den Waschsalon verlagert werden - was im Prinzip bedeutet, dass man dort gleich einziehen könnte.

Sie können sich sicherlich vorstellen, dass ich bei diesem Kleidungsumsatz, den meine Schweißporen verursachen, niemals auch nur ansatzweise einen Gedanken an Bügeln verschwendet habe. Sonst hätte ich tatsächlich keine Freizeit mehr. Auf der anderen Seite kann ich nicht leugnen, dass ich gerne Wäsche wasche. Dieser kathartische Akt, aus etwas vormals Schmutzigem, Abstoßendem etwas Reines, Duftendes gemacht zu haben, ist verlockend.

Aber das braucht Zeit und vor allem Platz. Ein oder besser zwei Wäscheständer sind permanent voll. Die fressen Quadratmeter. Im Prinzip sind Extremschwitzer nur mit eigener Waschküche alltagstauglich.

Waschen, waschen, waschen

Und das Waschen hat seine Tücken. Wir wissen, dass für Bakterien 40 Grad eher ein nettes Vollbad sind denn eine wirksame Desinfektion. Also drehe ich gerne auf 60 Grad hoch. Und da mein Wäscheumsatz dem eines Hotels ähnelt, schaufele ich den Wäschekorb gleich in den Maschinenschlund, um Zeit zu sparen. Leider haben sich da schon der eine oder andere Merino- oder Kaschmirpulli meiner Freundin rein verirrt. Zum ersten und letzten Mal. Der Vorteil: Wir haben jetzt schon jede Menge Wintersachen für unsere künftigen Töchter.

Trotz dieser Kollateralschäden ist die Waschmaschine unverzichtbar. Manchmal, wenn ich in quasimeditativer Stimmung Wäsche aufhänge, frage ich mich, wie die Menschen in der Präwaschmaschinen-Ära überleben konnten. Ohne Waschmaschine wäre ich wohl ununterbrochen im Fluss und würde meine Hemden schrubben - und dabei wohl so stark schwitzen, dass ich den Fluss nie verlassen würde.

Neidvoll blicke ich auf Menschen, die nie schwitzen. Meine Freundin zum Beispiel. Es ist fast schon unheimlich. Sie scheint ohne Schweißporen geboren worden zu sein. Nach dem Joggen ist sie völlig trocken. Nur wenn ich Wäsche wasche, gerät sie ins Schwitzen. Wenn ihr einfällt, dass sie mal wieder leichtsinnigerweise einen Wollpulli in den Wäschekorb gelegt hat.

Schwitzen - Fragen an den Experten

insgesamt 49 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Judex 25.06.2014
1. Es gibt sehr gute Deos ohne Aluminium (Speick)
Alle Produkte sind ohne Chemie zu haben. Der Deo-Stick der alten Deutschen Firma Speick hilft exzellent OHNE Alu. Auch beim Rasieren bin ich auf die gute alte Rasierseife zurückgekommen. Die Dose hält 1,5 Jahre und ist genauso gut wie die teuren Schaumdosen der "Premiumhersteller"
Konfrontation 25.06.2014
2.
"Der Satz "Du schwitzt aber ganz schön" ist im Prinzip die Light-Variante von "Du stinkst aber ganz schön"." Schweiss stinkt nicht. Buttersäure von Bakterien im Schweiss stinkt. Das dauert aber bis es stinkt. Wenn Sie also stinken, versuchen Sie es mit waschen.
vrdeutschland 25.06.2014
3. Der andere Weg
Mit tun die Leute auch immer leid, die schon mittags bei recht moderaten Temperaturen, die "Pizza" unter den Armen klebt. Ich nutzt übrigens den Deo Stick der Fa. Al Verde von dm. Hilft nicht unbedingt gegen Schweißlauf aber hat einen angenehmen Geruch und verhindert das "müffeln". Ich würde es übrigens mal mit der Kleidung probieren. Die 100 % Baumwolle ist meistens nämlich keine, sondern tw. Schrott. Auch Polo ist nicht gleich Polo. ich möchte hier keine Werbung machen, aber ich habe mit den Polos der Fa. Brax beste Erfahrung gemacht.Ganz luftiger Stoff. Es gibt bestimmt auch andere Firmen. Jedoch kaufe ich keine Ware im Internet, sondern probiere diese klassisch an. Ich fühle sofort, ob der Stoff zu mir passt oder nicht. Dann noch ein T-Shirt drunter, das zum Nachmittag ausziehen (ist dann durch) und dann müsste es eigentlich gehen. Nur so als Tipp...
jommys101 25.06.2014
4. super Sache
ich finds auch spassig von der Industrie, dass die Waschmittel biologisch abbaubar (sprich: durch Bakterien abbaubar) sein sollen und wir unsere Wäsche bei der idealen Temperatur für Bakterien-Wachstum und -Aktivität waschen sollen... Ich wasche nur noch bei 60 Grad. Alles aus Wolle hat leider Pech gehabt und wird erst gar nicht gekauft
el_profi 25.06.2014
5. Sportkleidung?
Sportunterwäsche ist eigentlich dazu gemacht, Schweiß schnell von der Haut wegzutransportieren, so bleibt man trocken. Gegen Geruch gibts ja schon einiges. Deos für Allergiker (z.B. Deo-Kristalle) sind meistens auch wirksamer als die Billigheimer vom Drogeriemarkt, dafür teurer und/oder nur in Apotheken erhältlich.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.