Gesundheitsgefahr Deutsche sollten stärker auf Aluminium achten

Viele Menschen in Deutschland laufen Gefahr, zu viel Aluminium aufzunehmen. Davor warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung. Der Stoff steckt vor allem in Lebensmitteln und Kosmetika.
Deos können zu bis zu 30 Prozent Aluminiumverbindungen enthalten

Deos können zu bis zu 30 Prozent Aluminiumverbindungen enthalten

Foto: Jeremy Rice/ Getty Images

Ob über Deos, Zahnpasta oder Lebensmittelverpackungen - es gibt viele Wege, auf denen Aluminium in den Körper gelangen kann. Experten vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) haben jetzt erstmals abgeschätzt, wie viel Aluminium Menschen in Deutschland insgesamt aufnehmen. Demnach laufen Personen in allen Altersgruppen Gefahr, die als unbedenklich geltenden Mengen deutlich zu überschreiten.

Aluminium ist, nach Sauerstoff und Silizium, das dritthäufigste Element in der Erdkruste. Das Leichtmetall steckt von Natur aus in Trinkwasser und Lebensmitteln wie Obst und Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchten, Tee, Kakao oder Kaffee. Daneben kann es aber auch in Lebensmittelzusatzstoffen enthalten sein, über Kosmetika in den Körper eindringen oder durch unbeschichtete Menüschalen, Grillschalen, Alufolie und Backbleche aufs Essen übergehen.

Um sich keinerlei Gesundheitsrisiko auszusetzen, empfiehlt die europäische Lebensmittelbehörde Efsa, nicht mehr als ein Milligramm Aluminium pro Kilogramm Körpergewicht und Woche aufzunehmen. Ein Großteil der Bevölkerung erreiche allein mit seiner Ernährung bereits die Hälfte dieser Menge, schreibt das BfR in seiner Studie im Fachjournal "Archives of Toxicology" . Das gilt insbesondere für Heranwachsende und Erwachsene.

Wer ist besonders gefährdet, die empfohlenen Mengen zu überschreiten?

Als Risikogruppen, die besonders viel Aluminium ausgesetzt sind, zählen laut BfR:

  • Babys, die nicht ausschließlich gestillt werden, oder Kleinkinder, die mit spezieller, sojabasierter, laktosefreier oder hypoallergener Nahrung gefüttert werden. Daneben nehmen Säuglinge und Kleinkinder Aluminium auch über Impfungen auf. Diese "haben jedoch einen hohen gesundheitlichen Nutzen", schreibt das BfR . Außerdem sei die Aluminiumexposition durch Impfstoffe laut Studien als gesundheitlich unbedenklich einzuschätzen.
  • Kinder zwischen drei und zehn Jahren, die sehr häufig Lebensmittel verzehren, die in Behältern aus unbeschichtetem Aluminium erhitzt oder warmgehalten wurden (Alufolie oder Aluschalen).
  • Jugendliche zwischen 11 und 14 Jahren sowie alle ab 14 Jahren, die häufig aluminiumhaltige Deos und aluminiumhaltige weißende Zahncreme nutzen und häufig Lebensmittel essen, die in unbeschichteten Aluminiumbehältern verpackt, erhitzt oder warmgehalten wurden.

Insbesondere bei jungen Menschen warnt das Institut vor einer zu hohen Aluminiumaufnahme, da das Metall sehr lange im Körper gespeichert wird. Reichert sich der Stoff etwa bei Frauen über lange Zeit im Körper an, kann er bei einer Schwangerschaft auch das ungeborene Kind erreichen. Junge Frauen sollten jede Aluminiumaufnahme kritisch abwägen, die aus einer vermeidbaren Quelle stamme und über einen längeren Zeitraum andauere, schreibt das Institut in einem ausführlichen FAQ .

Was empfiehlt das BfR zum Schutz?

Säure und Salz erhöhen die Löslichkeit von Aluminium. Aus diesem Grund rät das BfR insbesondere von der Zubereitung und Lagerung salziger und saurer Lebensmittel in unbeschichteten Alu-Behältnissen oder Alufolie ab. Darunter fallen etwa Äpfel, Tomaten oder Käse. Beim Grillen können wiederverwendbare Edelstahlschalen das Aluminium ersetzen. Außerdem ist es ratsam, sich abwechslungsreich zu ernähren und auch bei Kosmetika abzuwechseln.

Aluminium aus Deos und Zahnpasta trägt der Studie zufolge wesentlich zur Belastung bei. Entsprechend zahlt es sich aus, aluminiumfreie Alternativen zu nutzen. Wichtig ist außerdem, die Kosmetika nicht auf geschädigte Haut (etwa durch eine Rasur oder Sonnenbrand) aufzutragen, da das Aluminium dann leichter eindringen kann. Daneben kommen Aluminiumverbindungen unter anderem als Beschichtungen von Nanopartikeln in manchen Sonnencremes oder als Farbpigmente in Lippenstiften zum Einsatz.

Welche Gesundheitsgefahren drohen durch eine anhaltend hohe Aluminiumbelastung?

Kurzfristig stellt über die Nahrung aufgenommenes Aluminium keine große Gefahr für den Körper dar, gesunde Menschen scheiden einen Großteil wieder aus. Bei Menschen mit Nierenkrankheiten kann dieser Mechanismus jedoch gestört sein. Daneben kann sich Aluminium auch bei gesunden Menschen im Körper anreichern, wenn sie über einen längeren Zeitraum größere Mengen aufnehmen. Zu den möglichen Folgen zählen Entwicklungsstörungen des Gehirns und der Motorik sowie Schädigungen von Nerven, Nieren und Knochen.

Häufig wird außerdem diskutiert, ob Deos mit Aluminium das Brustkrebsrisiko erhöhen. Studien hatten auf einen möglichen Zusammenhang hingedeutet. Bislang gibt es jedoch keine Untersuchungen, die belegen konnten, dass tatsächlich das Aluminium zur Entstehung von Brustkrebs beiträgt - und sich nicht etwa infolge der Erkrankung Aluminium in dem Krebsgewebe anreichert.

Auch konnten Tierstudien bislang keine krebserregende Wirkung des Metalls nachweisen, selbst wenn die Tiere sehr hohen Dosen ausgesetzt wurden. Das gilt nicht nur für Brustkrebs, sondern auch für andere Krebserkrankungen.

irb
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