Wir machen uns mal frei Ein Leben ohne Alu-Deo

Seit Jahren geht das Gerücht um, Aluminium verursache Alzheimer und Brustkrebs. Beweise dafür fehlen, dennoch sorgen sich viele Verbraucher um Alu in Deos. Aber kann man darauf verzichten? Jens Lubbadeh hat den Test gemacht.
Deo-Spray (Symbolbild): Die Frage ist - mit oder ohne Aluminiumverbindungen?

Deo-Spray (Symbolbild): Die Frage ist - mit oder ohne Aluminiumverbindungen?

Foto: Corbis

Aluminium kannte ich bisher eher von Bierdosen oder Fahrrädern. Meine Einstellung zu diesem Metall war indifferent. Plötzlich aber waberte aus dem Freundeskreis eine andere Produktgruppe heran, in der Aluminium eine unrühmliche Rolle spielte: Deos.

In fast allen Deos sind Aluminiumsalze enthalten, weil sie die Schweißporen verstopfen und man so weniger schwitzt. Seit einigen Jahren geht das Gerücht, dass Aluminium das Risiko von Brustkrebs erhöhen und Alzheimer verursachen soll. Vor allem ein Film auf Arte hatte offenbar eine Menge Leute stark verunsichert: "Die Akte Aluminium" .

Das böse Aluminium

Dazu nur soviel: Der Film genügt nicht wissenschafts- und medizinjournalistischen Standards . Er arbeitet wenig mit harten Fakten, aber viel mit Emotionen. Da ist eine Krebspatientin, die einen Zusammenhang zwischen ihrer Krankheit und ihrem Deo-Gebrauch vermutet. Da ist eine Wissenschaftlerin, die Aluminium auf Zellen kippt und den Zusammenhang bewiesen haben will. Und in der Hauptrolle als Bösewicht: das Aluminium, das nicht nur Brustkrebs und Alzheimer verursachen soll, sondern auch die Umwelt verschmutzt und sogar Mitschuld an der Katastrophe vom 11. September trägt. Immerhin: Für die Finanzkrise und den Klimawandel ist es offenbar nicht verantwortlich.

Ob Aluminium ein Risikofaktor für Brustkrebs oder Alzheimer ist, kann derzeit niemand sagen. Einigkeit scheint nur darin zu bestehen, dass die Studienlage schlecht ist und weiter geforscht werden muss  (mehr dazu lesen Sie im Kasten und im Experteninterview).

ALUMINIUM - DIE WICHTIGSTEN FAKTEN

Auch ich werde nicht lösen können, ob Aluminium gefährlich oder harmlos ist. Ich will auch niemandem Angst machen. Mich treibt aber eine ganz praktische Frage: Kann man auch mit alufreien Deos leben?

Ich bin starker Schwitzer. Ein Leben ohne Deo ist also keine Lösung. Ohne sähe ich aus wie Angela Merkel bei den Bayreuther Festspielen 2005 - nur dass mir keiner die Schweißflecken wegretuschiert.

Ohne Alu und Blümchenduft

Also muss alufreies Deo her. Gibt es das überhaupt im normalen Handel? Schon befürchte ich, dass ich mich in Reformläden und Bio-Supermärkten umschauen muss und bei einem Deo lande, das nach Lavendel oder Räucherstäbchen duftet und zehn Euro kostet. Aber vielleicht habe ich ja auch in meiner Drogerie Glück.

Tatsächlich: In der Deo-Abteilung muss ich nicht lange suchen, bis ich fündig werde. Auf dem Schildchen eines Nivea-Zerstäubers steht "0% Aluminium". Es ist sogar ein "For Men"-Produkt! Also nix Blümchenduft. Für meine kleine Studie brauche ich jedoch eine Kontrollgruppe. Also packe ich auch den aluminiumhaltigen For-Men-Roller in meinen Einkaufskorb. Zum Vergleich nehme ich willkürlich noch ein alufreies Deo von Alterra sowie einen Silver-Protect-Stift, der antibakterielles Nanosilber enthält (auch hier mahnt das Bundesinstitut für Risikobewertung  zur Zurückhaltung), und ein Bergkristall-Deo. Letzeres ist allerdings nicht frei von Alu, es besteht aus industriell hergestelltem kristallinem Aluminiumsalz und enthält somit weitaus höhere Konzentrationen an Aluminium als gewöhnliches Deo (siehe Infokasten).

Zufällig springt mir noch eine Packung Achselpads ins Auge. Sie sehen aus wie Damenbinden für die Achselhöhle. Aus purer Neugierde packe ich sie mit ein. Wer weiß, vielleicht wirken alufreie Deos bei mir nicht, und ich bin froh über diese Achselbinden.

Morgens nach dem Duschen sprühe ich das alufreie 24-h-Deo auf meine linke Achselhöhle, die rechte rolle ich mit dem Alu-48-h-Stift ein. Abends muss meine Freundin den Schnüffeltest machen. Tief versenkt sie ihre Nase abwechselnd in meine Achselhöhlen. Sie erkennt die alufreie Höhle richtig, weil sie etwas mehr nach Schweiß riecht als die Alu-Seite. Aber unangenehm findet sie beide nicht. Dafür ist die alufreie Höhle aber etwas feuchter. Ich wiederhole den Versuch über die nächsten Tage mehrfach und variiere natürlich die Seiten. Meine Freundin liegt immer richtig.

Die Ergebnisse der anderen Tests:

  • Das Silver-Deo schlägt das alufreie Deo noch deutlicher.
  • Der Bergkristall schlägt sowohl das alufreie als auch das aluhaltige Deo deutlich.
  • Das Match Bergkristall gegen Silver-Deo endet in etwa unentschieden.

Mein Fazit: Alufreies Deo genügt. Man muss aber für sich ein geeignetes Produkt finden.

Zu guter Letzt schnalle ich mir noch die Achselpads unter. Die sind eher zum Schutz der Kleidung vor den Langzeitspuren der Körperausdünstungen gedacht. Schützen sie auch meine Mitmenschen?

Der Tag ist um, ich sitze im geschlossenen Abteil eines überfüllten Zugs. Während ich diese Zeilen tippe, blicke ich mich nervös um. Guckt schon jemand zu mir her? Es ist ein warmer Frühlingstag, trotzdem traue ich mich nicht, meine Jacke auszuziehen. Der Grund: Aus meiner Halskrause strömt ein stechender Geruch, der selbst mich erschreckt - und mich an ein Raubtiergehege erinnert.

Wenn Sie Ihren Mitmenschen einen Gefallen tun wollen: Kombinieren Sie diese Schweißwindeln niemals mit alufreiem Deo! Sie scheinen reinster Nährboden für die geruchsbildenden Bakterien zu sein. Ich gehe auf die Zugtoilette und reiße mir die Pads aus den Achselhöhlen. Sie riechen wie die Pest. Eigentlich müsste man sie sicherheitshalber verbrennen, aber da ich nichts in die Toilette werfen darf, schmeiße ich sie einfach in den Müll und mache mich aus dem Staub. Für meine Achselhöhlen gilt fortan: Keine Windeln und kein Alu mehr.

Eine Liste von Herstellern mit aluminiumfreien Deos finden Sie hier .

ALUMINIUM - FRAGEN AN DEN EXPERTEN

Auf welchen Wegen gelangt Aluminium in den Körper?Wie kann man die Aluminiumaufnahme verringern?Ist Aluminiumfolie ebenfalls bedenklich?

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