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05. Mai 2019, 16:49 Uhr

Masern

Andrea Nahles unterstützt Spahns Impfpflichtpläne

Die Masern in Deutschland ausrotten: Dieses Ziel will Gesundheitsminister Jens Spahn mit einer Pflichtimpfung erreichen. Bei Verstößen drohen Strafzahlungen - oder Kita-Ausschluss. SPD-Chefin Nahles pflichtet ihm bei.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will eine Impfpflicht gegen Masern einführen. SPD-Chefin Andrea Nahles unterstützt laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" das Vorhaben.

"Gut, dass Minister Spahn zügig handelt und die Bundesregierung schnell ein Gesetz beschließen will", sagte sie der "SZ". Bereits Mitte April hatte sie dem Vorhaben von Spahn grundsätzlich zugestimmt. "Die individuelle Freiheit hat ihre Grenzen dort, wo sie die Gesundheit vieler anderer gefährdet", begründete Nahles ihre Fürsprache für eine Impfpflicht.

Diese soll laut dem Gesetzentwurf für Kita- und Schulkinder sowie für Erzieher, Lehrer und das gesamte Personal in den Einrichtungen gelten. Nicht geimpfte Kinder können demnach von der Kita ausgeschlossen werden. Lassen Eltern ein Schulkind nicht impfen, soll ein Bußgeld von bis zu 2500 Euro drohen.

"Ich will die Masern ausrotten", sagte Spahn der "Bild am Sonntag". Eigentlich hatte sich Deutschland in Absprache mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schon einmal das Ziel gesetzt, die Masern bis 2015 auszurotten.

Im Gesetzentwurf heißt es, die gestiegene Zahl der Masernfälle sei auf "fortschreitende Impfmüdigkeit" zurückzuführen. Eltern müssten laut dem Entwurf mit einem Impfpass oder einer Impfbescheinigung belegen, dass ihr Kind die Impfung erhalten hat: "Wer aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden kann, muss auch das mit einer ärztlichen Bescheinigung nachweisen."

Gesetz soll 2020 in Kraft treten

Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut empfiehlt, Kinder innerhalb der ersten zwei Jahre zweimal gegen Masern impfen zu lassen: Das erste Mal zwischen dem 11. und 14. Monat, das zweite Mal zwischen dem 15. und 23.

Um die Zirkulation von Masernviren zu verhindern, sind Impfraten von mehr als 95 Prozent erforderlich. Diese Raten werden in Deutschland aktuell nicht erreicht. Jüngst veröffentlichten Daten zufolge sind rund sieben Prozent der Schulanfänger in Deutschland nicht ausreichend gegen Masern geschützt.

Der Gesetzentwurf soll dem Vernehmen nach noch vor der Sommerpause vom Kabinett beschlossen werden, der Bundestag könnte bis Ende des Jahres zustimmen. Das Gesetz soll dann am 1. März 2020 in Kraft treten.

Was gegen eine Impfpflicht spricht

Man kann die vorgeschlagene Masern-Impfpflicht für Kita- und Schulkinder auch kritisch sehen, erklärt Cornelia Betsch, Professorin für Gesundheitskommunikation an der Uni Erfurt beim "Science Media Center". Sie bemängelt unter anderem, dass der Vorschlag die ungeimpften Erwachsenen nicht erreicht. Außerdem sei belegt, dass das Einführen einer Pflichtimpfung dazu führt, dass impfkritische Menschen andere, weiterhin freiwillige Impfungen eher auslassen.

Betsch plädiert dafür, noch besser über das Impfen zu informieren sowie den öffentlichen Gesundheitsdienst zu stärken, um eine höhere Impfquote zu erreichen.

Masern sind extrem ansteckend. Die Viren werden beim Sprechen, Husten oder Niesen über kleine Tröpfchen in der Luft übertragen. Die Erkrankung geht zunächst mit grippeähnlichen Symptomen und später einem charakteristischen Hautausschlag einher. Die Infektion schwächt das Immunsystem immens, weitere Infektionen sind darum häufig. Eine gefürchtete Folge ist eine Gehirnentzündung, die Masern-Enzephalitis, die tödlich enden kann.

wbr/dpa

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