Ängste überwinden Was bei Panikattacken hilft

Gestresste Menschen sind anfälliger für Angst. Häufen sich Panikattacken, ist es Zeit, etwas im Leben zu ändern. Wer seine Angst loswerden will, muss sich ihr stellen.

Panik beim Abheben: Angst ist ein natürlicher Schutzmechanismus
Christopher Ames/ iStockphoto/ Getty Images

Panik beim Abheben: Angst ist ein natürlicher Schutzmechanismus


Die Motoren dröhnen, das Flugzeug nimmt Fahrt auf. Kurz bevor es abhebt, bricht der Schweiß aus, die Hände fangen an zu zittern. Das Herz rast, die Atmung geht flach, die Kehle ist zugeschnürt. Im Kopf wirbeln die Gedanken panisch umher, während der Körper erstarrt. Den Herzrhythmus kontrollieren, sich beruhigen? In so einem überfallartigen Zustand heftigster Angst sei das kaum möglich, sagt Werner Weishaupt, Präsident des Verbandes Freier Psychotherapeuten.

Panikattacken überfallen Betroffene ganz plötzlich - meist ausgelöst durch extremen Stress oder Gefahren. Im Schnitt dauern sie zwischen zehn und 30 Minuten. Betroffene haben dann oft das Gefühl, verrückt zu werden oder sterben zu müssen, weil sie körperliche Reaktionen wie Herzrasen, Atemnot oder das Gefühl der Lähmung beim ersten Mal nicht sofort zuordnen können. Oft suchen sie dann Hilfe in der Notfallambulanz eines Krankenhauses.

Allerdings ist eine einzelne Panikattacke kein Grund zur Sorge, sagt Manfred Beutel, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universitätsmedizin Mainz, Manfred Beutel. Denn die Angst ist ein natürlicher Schutzmechanismus des Menschen, der ihn vor Gefahren schützt. "Insofern hat Angst auch etwas Positives", betont der Experte.

Stress als Auslöser von Panikattacken und -störungen

Problematisch werden Panikattacken erst, wenn die Betroffenen aus Angst vor der nächsten Attacke bestimmte Situationen und Orte meiden. Denn das mindere die Lebensqualität, anstatt das eigentliche Problem zu lösen. "In solchen Fällen liegt eine behandlungsbedürftige Panikstörung vor", erklärt Weishaupt. Sie ist eine Form der Angststörung und kann, unabhängig vom Alter, jeden treffen, Frauen sind häufiger als Männer betroffen.

Gründe gibt es viele. "Wer als Kind schüchtern und ängstlich war und in der Folge eine geringe Angsttoleranz hat, erleidet eher Panikattacken als andere", sagt Beutel. Überfürsorgliche Eltern können ebenfalls dazu beitragen, dass ein Kind wenig Vertrauen in das Leben und in sich selbst aufbaut und damit anfällig für Panikattacken wird.

Zum Ausbruch kommen sie häufig in schwierigen Lebenssituationen. Das können neben extremem Stress unverarbeitete Konflikte oder verdrängte Gefühle sein. "Nicht immer lassen sich unerlaubte Emotionen wie etwa Neid oder Missgunst beiseiteschieben", so Weishaupt. Angestaute Gefühle entladen sich dann in Wut, einer Depression oder Panikattacken.

Die eigene Angst bekämpfen

"Immer wiederkehrende Panikattacken sind ein Signal, dass Betroffene in ihrem Leben etwas ändern müssen", sagt Arno Deister, Chefarzt des Zentrums für Psychosoziale Medizin des Klinikums Itzehoe. Der Hausarzt überprüft, ob Symptome wie Herzrasen körperliche Ursachen haben. Ist alles in Ordnung, stecken hinter den Beschwerden womöglich seelische Probleme. Dann können Fachärzte für psychosomatische Medizin oder Psychotherapeuten helfen.

Beutel empfiehlt die kognitive Verhaltenstherapie. Dabei stellen sich Patienten ihrer Angst und finden mithilfe eines Therapeuten heraus, was sie genau in bestimmten Situationen in Panik geraten lässt. Bei unverarbeiteten Konflikten kann eine tiefenpsychologische Behandlung helfen, die Ursache der Attacken zu finden und zu bearbeiten.

Bei einer stark ausgeprägten Angststörung, zu der auch noch eine Depression kommt, verschreiben Ärzte mitunter zusätzlich zur Therapie entsprechende Medikamente. "Nicht empfehlenswert ist die Einnahme von Beruhigungsmitteln", betont Beutel. Sie helfen allenfalls kurzzeitig, tragen aber nicht dazu bei, das gesundheitliche Problem an sich zu lösen.

Wer seine Panikattacken selbstständig in den Griff bekommen möchte, kann mit einer vertrauten Person über seine Ängste sprechen. Deister empfiehlt zudem, auf Nikotin, Alkohol oder übermäßigen Kaffeegenuss verzichten. Denn solche Aufputschmittel erhöhen das Stressniveau und begünstigen damit auch Panikattacken. Auch regelmäßige Entspannung kann helfen. Die Experten raten deshalb, Autogenes Training oder Qi Gong in den Alltag einzubauen.

ctl/dpa



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