Grippeschutz Koalition ebnet Weg fürs Impfen in der Apotheke

Die große Koalition will Apothekern erlauben, Grippeschutzimpfungen zu verabreichen. Ärzte sind wenig begeistert.

"Und dann nehme ich noch die Grippeimpfung - vor Ort": So könnte künftig ein Gespräch in der Apotheke laufen
Luis Alvarez/ Getty Images

"Und dann nehme ich noch die Grippeimpfung - vor Ort": So könnte künftig ein Gespräch in der Apotheke laufen


In Deutschland lassen sich bei Weitem nicht alle Menschen gegen die Grippe impfen, denen dieser Schutz empfohlen wird. Die Große Koalition will nun im Rahmen von regionalen Modellprojekten ermöglichen, dass Apotheker diese Impfung verabreichen.

Dies steht in einem Änderungsantrag von CDU/CSU und SPD zum Masernschutzgesetz. Die Hoffnung ist, dass sich durch das Angebot mehr Menschen gegen die Grippe impfen lassen.

Laut Antrag sollen Apothekerinnen und Apotheker nur Erwachsene impfen dürfen, keine Kinder. Sie müssen vorher eine entsprechende Schulung absolviert und geeignete Räume zur Verfügung haben. Und möglicherweise müssen die zuständigen Apothekerkammern ihre Berufsordnung anpassen, weil diese Aktivitäten wie das Impfen eigentlich ausschließen.

Die Modellvorhaben sollen höchstens fünf Jahre lang laufen und wissenschaftlich begleitet werden. Denn ob das Ziel erreicht wird, mehr Menschen zur Impfung zu bewegen, muss sich erst zeigen. Andere Impfungen sollen die Apotheker nicht verabreichen.

Wie die "FAZ" berichtet, reagierten Ärzte empört auf den Vorschlag. Der Plan überschreite die Grenzen der Heilberufe und sei "so nicht hinnehmbar", sagte der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, der "FAZ". "Impfungen gehören nicht in eine Apotheke, das haben Apotheker nie gelernt."

Dagegen äußerte sich der Chef der Krankenkasse AOK Rheinland/Hamburg, Günter Wältermann positiv. "Lasst Apotheker gegen Grippe impfen, wenn wir so die Durchimpfungsrate erhöhen und viele Grippetote vermeiden können", sagte Wältermann der "Rheinischen Post". Er betonte, dass Apothekern in Frankreich und der Schweiz das Impfen erlaubt sei.

Wer sich impfen lassen sollte

Im Winter 2017/2018 sind laut Schätzung des Robert Koch-Instituts 25.100 Menschen an der Grippe gestorben - es war die höchste Zahl an Todesfällen in den vergangenen 30 Jahren.

Die Ständige Impfkommission rät allen Menschen ab 60 Jahren zur jährlichen Grippeschutzimpfung. Ebenfalls empfohlen wird die Impfung für viele chronisch Kranke sowie für Schwangere (ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel). Auch Menschen, die ein größeres Risiko haben, andere anzustecken, wird die Impfung nahegelegt. Dies gilt etwa für medizinisches Personal.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels stand ein falsches Datum für die schwere Grippewelle 2017/2018, wir haben den Fehler korrigiert.

wbr



insgesamt 110 Beiträge
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die_WahrheitXXL 21.10.2019
1. längst überfällig
oft jammern genau die Ärzte, die ohnehin ihre Patienten nciht mehr bedienen können. In anderen Ländern werden Impfungen grundsätzlich nicht beim Arzt, sondern in speziellen Institutionen verabreicht. Man macht einen Termin, kauft dort den vorbestellten (und damit vorrätigen) Impfsoff und bekommt ihn direkt verabreicht. Aber in Deutschland? Nein! hier latsche ich zum Arzt, bekomme ein Rezept. Latsche damit zur Apotheke um das Zeug zu bestellen. Wenn es dann endlich da ist latsche ich wieder zur Apotheke und hole es ab, muss aber oft aufpassen, daß es nicht zu warm wird (großes vermeidbares Risiko). Fehlt noch der Arzttermin um den Piekser zu setzen. Warum? Damit der Doktor erneut kassieren kann, für eine Lau-Leistung. Hier ist Deutschland genauso fortschrittlich wie im High-Tech-Bereich - stehengeblieben im 20. Jahrhundert.
hdudeck 21.10.2019
2. In den USA gang und gaebe
warum also eine wissenschaftliche Beratung ? Seht Euch an wie das hier functioniert und dann gut. Spritzen geben kann praktisch jeder, fragt mal einen Junkie, der musste auch nicht Medizin studieren um high zu werden. Standesduenkel!
WalterMildenberger 21.10.2019
3. Grippe-Tote
>Im vergangenen Winter sind laut Schätzung des Robert Koch- >Instituts 25.100 Menschen an der Grippe gestorben - es war die >höchste Zahl an Todesfällen in den vergangenen 30 Jahren. Die Daten für den vergangenen Winter liegen noch gar nicht vor, dürften aber deutlich darunter liegen. Die Daten des Robert Koch Insituts, auf die sich der Artikel bezieht, beziehen sich auf die Saison 2017/2018, d.h. den *vorletzten* Winter.
Mr Bounz 21.10.2019
4. für mich ein Unding
Menschen die ohne mit der Wimper zu zucken wirklich Kranken homöopathische Mittel aufschwatzen dürfen auf keinen Fall mit etwas so wichtigem wie einer Impfung beauftragt werden.
Pfaffenwinkel 21.10.2019
5. Eine gute Idee
Vor allem muss man sich nicht vorher lange in ein volles Wartezimmer mit hustenden und schniefenden Patienten setzen und sich dort schon mal die erste Grippe einfangen.
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