Arthrose Akupunktur hilft verzweifelten Kniepatienten

Für manche Arthrose-Geplagte ist es der letzte Ausweg: ein künstliches Knie-Gelenk. Doch ein Blick auf kostengünstige und schonende Alternativen lohnt. Eine britische Studie zeigt, dass Akupunktur bei einem Teil der Betroffenen die Beschwerden lindert - sogar wenn sie in der Gruppe ausgeführt wird.
Akupunktur: Forscher untersuchten die Nadeln als letzten Versuch vor einem Ersatzknie

Akupunktur: Forscher untersuchten die Nadeln als letzten Versuch vor einem Ersatzknie

Foto: M. Spencer Green/ ASSOCIATED PRESS

Bei jedem Schritt sticht es im Knie, Schmerzmittel kommen dagegen kaum an: Beinahe jeder fünfte Brite über 50 Jahre kämpft mit einer Arthrose im Knie. In Deutschland wurden 2010 mehr als 200.000 Patienten wegen Kniegelenksarthrose im Krankenhaus behandelt. Ob mit Krafttraining, Sport oder Medikamenten - die Schmerzen bekommen die Patienten damit nur unbefriedigend in den Griff. Schlussendlich landen viele auf dem OP-Tisch, wo ihnen eine Knieprothese eingesetzt wird. Selbst mit einem neuen Knie aber klagen etwa 15 Prozent der Betroffenen nach drei bis vier Jahren wiederum über starke Knieschmerzen, ein knappes Fünftel ist mit dem Operationsergebnis unzufrieden, zeigen britische Daten.

Die schlechten Aussichten für die Patienten sind ein Grund, weshalb Ärzte immer wieder nach alternativen Methoden suchen, um die Kniebeschwerden durch den Gelenkverschleiß zu lindern. Eine davon ist die Akupunktur. Dass die kleinen Nadeln in der Haut die Schmerzen wenigstens für einige Wochen bremsen können, bewiesen deutsche Ärzte bereits 2005 .

Britische Mediziner um Adrian White von der Plymouth University legen jetzt nach. Sie begleiteten knapp hundert ältere Patienten, deren letzte Möglichkeit ein Ersatzknie gewesen wäre, und ließen sie von Pflegekräften in der Gruppe akupunktieren. Die im Schnitt über 70-jährigen Betroffenen profitierten bis zu zwei Jahre lang von den regelmäßigen Sitzungen, sie hatten weniger Schmerzen sowie ein beweglicheres und besser funktionierendes Kniegelenk, berichten White und Kollegen im Fachjournal "Acupuncture in Medicine" . Außerdem, so rechneten die Ärzte aus, sparte die Nadeltherapie gegenüber dem Knieersatz bis zu 100.000 britische Pfund im Jahr.

Nadelstiche statt Operation

Die untersuchten Patienten mussten drei Kriterien erfüllen, um in die Studie aufgenommen zu werden: nicht zufriedenstellend behandelte Schmerzen, eine eingeschränkte Gehstrecke und Schmerzen auch in der Nacht. Ein Orthopäde sah sich sowohl die Krankengeschichte als auch die Röntgenbilder der Betroffenen an. Kam er zu dem Schluss, die Patienten an einen Operateur zu überweisen, wurde den Betroffenen zunächst die Akupunktur angeboten.

Von 114 möglichen Studienteilnehmern entschieden sich immerhin 90 dafür, es zunächst mit der Akupunktur zu versuchen. Nach einem Jahr waren noch 41 Patienten dabei, nach zwei Jahren immer noch fast ein Drittel (31) der ursprünglichen Gruppe. Sie bekamen gemeinsam in der Gruppe mit anderen Patienten einen Monat lang in wöchentlichen Abständen die Nadeln rund ums Knie eingestochen, anschließend in Abständen von bis zu sechs Wochen. Ob es den Patienten besser ging, maßen die Ärzte an zwei Symptomen: Schmerz und Gelenksteifigkeit.

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Ein Großteil der akupunktierten Patienten litt bereits sehr lange an der Kniearthrose, 60 Prozent hatten bereits seit mehr als fünf Jahren Beschwerden. Auf einer Schmerzskala von null (kein Schmerz) bis zehn (stärkster vorstellbarer Schmerz) gaben die Probanden im Schnitt einen Wert von 6,1 an. Sie fühlten sich beim normalen Gehen am stärksten eingeschränkt.

Nach sechs Monaten besserten sich die von den Patienten erfragten Punktewerte für Schmerzen und Gelenksteifigkeit. Zwei Jahre nach Beginn der Beobachtung hatten mindestens 31 Studienteilnehmer immer noch kein neues Kniegelenk bekommen, berichten die Mediziner, obwohl mindestens 80 Prozent der untersuchten Patienten für die Operation in Frage gekommen wären.

Die Studie im Detail

Zwar deutet die Studie darauf hin, dass Akupunktur eine schonende Alternative sein kann. Dennoch hat die Studie einige Schwächen: Insbesondere mangelt es ihr am Vergleich mit einer Kontrollgruppe, also Patienten, die nicht akupunktiert wurden. Deshalb können die britischen Ärzte nichts darüber sagen, ob es genadelten Patienten besser geht als jenen, die weiter Schmerzmittel einnehmen oder eine Knieprothese bekommen.

In den Ausführungen der Mediziner spielen dagegen die möglichen Kostenersparnisse durch verzögerte oder gar nicht vorgenommene Knieersatz-Operationen eine große Rolle. Allerdings sind die berechneten Einsparmöglichkeiten nur relativ grobe Schätzungen. Hintergrund der britischen Untersuchung ist schließlich auch eine Initiative der regionalen britischen Gesundheitsbehörden, deren Ziel die Reduktion chirurgischer Eingriffe ist.

In einer zweiten Studie  lenkten die Wissenschaftler ihr Augenmerk insbesondere auf die Gruppenakupunktur. Die Befragung ergab, dass die Betroffenen mehrheitlich mit den Gruppensitzungen zufrieden waren. Allerdings fehlt auch in dieser Studie eine Vergleichsgruppe, in der Patienten befragt werden, die alleine akupunktiert werden.

Für deutsche Patienten bestätigt die britische Studie die geltenden Regeln der gesetzlichen Krankenversicherung. Diese übernimmt nämlich bereits heute zehn bis 15 Akupunktursitzungen bei chronischen Schmerzen (mindestens sechs Monate) im Kniegelenk. Neu sind die Hinweise, dass Patienten auch davon profitieren könnten, in Gruppensitzungen akupunktiert zu werden.

dba