Makuladegeneration Medikament Avastin so sicher wie teure Alternative

Das Krebsmittel Avastin ist bei der Behandlung der Altersblindheit ebenso sicher wie eine vielfach teurere Arznei. Das Medikament ist zur Therapie der Makuladegeneration aber noch nicht zugelassen - für zwei Pharmafirmen geht es um viel Geld.
Medikament gegen Krebs: Der Wirkstoff Bevacizumab wirkt auch bei Altersblindheit

Medikament gegen Krebs: Der Wirkstoff Bevacizumab wirkt auch bei Altersblindheit

Foto: Roche

Zürich - Das Roche-Krebsmedikament Avastin birgt bei der Behandlung der Augenkrankheit AMD kein erhöhtes Risiko für schwere Nebenwirkungen. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Forschungsnetzwerks Chochrane in einer am Montag veröffentlichten Analyse . Avastin ist zum Einsatz gegen die altersbedingte Netzhautdegeneration (AMD) nicht zugelassen, wirkt aber ähnlich wie die dafür freigegebene Arznei Lucentis - und kostet nur einen Bruchteil davon.

Rund vier Millionen Deutsche mit AMD leben mit der Angst, zu erblinden, weil die Sinneszellen der Makula zerstört werden. Die Makula ist die Stelle schärfsten Sehens und des Farbsehens in der Netzhaut. Es gibt zwei Formen der Makuladegeneration: Die langsam fortschreitende trockene AMD, an der etwa 80 Prozent aller Betroffenen leiden, und die feuchte AMD. Sie trifft nur jeden Fünften, schreitet dafür aber wesentlich schneller voran.

Infografik: Wie es zur feuchten altersabhängigen Makuladegeneration kommt

Infografik: Wie es zur feuchten altersabhängigen Makuladegeneration kommt

Foto: SPIEGEL ONLINE

Gegen die trockene AMD sind Ärzte bisher weitestgehend machtlos. Für Patienten, die unter der feuchten AMD leiden, gibt es dagegen Hoffnungen: die Medikamente Ranibizumab (Handelsname Lucentis) von Novartis und Bevacizumab (Handelsname Avastin) von Roche, das zu einem Drittel Novartis gehört.

Es geht um viel Geld

Die unabhängige Chochrane Collaboration wertete jetzt neun klinische Studien aus, die die Sicherheit von Avastin mit der von Lucentis verglichen haben. Den Ergebnissen zufolge ist der Einsatz des vielfach teureren Lucentis nicht zu rechtfertigen. Um den Einsatz von Avastin zur Behandlung der Augenerkrankung tobt seit Jahren ein Streit. In Frankreich dürfen Ärzte seit Kurzem aus Kostengründen Avastin zur Behandlung von AMD verschreiben. Eine Dosis des Mittels kostet dort etwa 30 Euro, eine Injektion mit Lucentis 900 Euro.

Roche erklärte in einer Stellungnahme, Lucentis sei die zweckmäßigste Arznei zur AMD-Behandlung. Sowohl für Roche als auch für Novartis geht es um viel Geld: Roche erzielte im vergangenen Jahr mit Lucentis in den USA umgerechnet 1,4 Milliarden Euro Umsatz, bei Novartis waren es 1,7 Milliarden Euro (das Pharmaunternehmen hat außerhalb der USA die Lucentis-Vertriebsrechte). Betroffen wäre womöglich auch der Bayer-Konzern, der das Augenmedikament Eylea vertreibt, das eine ähnliche Wirkungsweise hat.

hei/Reuters