Baden-Württemberg Tuberkulose-Fälle an zwei Schulen - mehr als hundert Infizierte

In einer Gemeinde im Landkreis Karlsruhe haben sich mehr als hundert Schüler und Lehrer mit Tuberkulose angesteckt. Bei vier Kindern ist die Krankheit ausgebrochen.

Röntgenaufnahmen zeigen, ob Tuberkulose die Lunge erreicht hat
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Röntgenaufnahmen zeigen, ob Tuberkulose die Lunge erreicht hat


In Bad Schönborn in Baden-Württemberg sind vier Schüler an Tuberkulose erkrankt, die Zahl könnte noch steigen. Die Gesamtzahl der infizierten Schüler und Lehrer an der hauptsächlich betroffenen Schule belaufe sich derzeit auf 109 Personen, teilte das Landratsamt Karlsruhe auf seiner Website mit.

Bereits vor den Pfingstferien war ein Fall von ansteckender Tuberkulose bei einem Achtklässler an der Gemeinschaftsschule festgestellt worden. Anschließend kam es zu einem weiteren, damit zusammenhängenden Fall an einer Grundschule. Beide Kinder seien sofort isoliert und behandelt worden, schreibt das Landratsamt. Wie sich der Achtklässler infiziert hat, teilten die Behörden nicht mit.

Nach den beiden Erkrankungen sei in Untersuchungen "eine hohe Zahl von Ansteckungen" gefunden worden. Allein in der Jahrgangsstufe des Achtklässlers wurden bei 88 Prozent der Mitschüler Bakterien entdeckt, die Tuberkulose auslösen. Bei zwei Schülern der Gemeinschaftsschule ist die Erkrankung ausgebrochen, sie werden derzeit stationär behandelt.

Nicht jeder Infizierte erkrankt auch

Nicht jeder, der sich mit Tuberkulose ansteckt, wird auch krank. "In den meisten Fällen gelingt es dem Organismus, die Tuberkulosebakterien erfolgreich zu bekämpfen oder sie abzukapseln und damit die Infektion dauerhaft einzugrenzen", schreibt das Robert Koch-Institut.

Nur etwa 15 Prozent der Menschen, die sich als Jugendliche infizierten, erkrankten im Laufe ihres Lebens, schreibt die Behörde. Bei Erwachsenen sei der Anteil noch niedriger. Medikamente können das Risiko senken. Wer nicht erkrankt, ist zudem auch nicht ansteckend - selbst bei einer Infektion.

Bis auf die Schüler, bei denen die Erkrankung ausgebrochen ist, dürfen also alle anderen am Unterricht teilnehmen. "Somit besteht kein Grund für eine Einschränkung des Schulbetriebs", teilten die Behörden mit. Momentan sind in Baden-Württemberg Sommerferien. Die Aussage bezieht sich jedoch auf die Zeit vor den Ferien, in denen die Fälle bereits aufgetreten waren, sowie auf die Zeit nach der Unterrichtspause.

"Die Tuberkulose ist heute in der Regel eine behandelbare und heilbare Erkrankung", schreiben die Behörden in Karlsruhe weiter. Tuberkulosefälle gebe es immer mal wieder. So viele Ansteckungen über alle Klassenstufen hinweg seien allerdings "ungewöhnlich", zitieren die "Badischen Neuesten Nachrichten" einen Behördenarzt.

Um auszuschließen, dass die Krankheit bei noch mehr Infizierten ausgebrochen ist, sollen weitere Untersuchungen folgen, unter anderem mit Röntgenaufnahmen. Zum Teil werden Betroffene auch vorbeugend mit Antibiotika behandelt.

Weltweit: Fast jeder Dritte trägt Erreger in sich

Bei Erkrankten mit einer ansteckenden Tuberkulose können die Bakterien beim Atmen, Husten oder Niesen in die Luft übergehen. Die Infektion erfolgt anschließend über Tröpfchen. Vor allem Kleinkinder und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem haben dem Robert Koch-Institut zufolge ein erhöhtes Risiko, eine Tuberkulose zu entwickeln. Erkrankte leiden unter Kraftlosigkeit, Nachtschweiß, Gewichtsabnahme oder anhaltendem Husten.

Tuberkulose ist auch in Deutschland nicht so selten, wie viele vermuten: Dem RKI zufolge wurden 2018 bundesweit mehr als 5400 Fälle gemeldet. Die Zahl war ähnlich hoch wie 2017 und etwas geringer als 2016.

Weltweit gesehen ist Tuberkulose die am häufigsten tödliche Infektionskrankheit. 2017 starben rund 1,6 Millionen Menschen an Tuberkulose, mehr als an Aids und Malaria zusammen. Je nach Schätzung ist rund ein Viertel bis ein Drittel der Weltbevölkerung mit den Bakterien infiziert. Ohne Behandlung stirbt fast die Hälfte der Erkrankten. Problematisch ist, dass immer mehr Tuberkulose-Erreger Resistenzen gegen die gängigen Antibiotika entwickeln.

Anmerkung der Redaktion: Es wurde nachträglich ein Hinweis auf die Sommerferien in Baden-Württemberg ergänzt.

irb/dpa



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