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21. Januar 2016, 12:35 Uhr

Senkung des Antibiotika-Verbrauchs

Bakterien oder Viren? Neuer Bluttest soll es schnell zeigen

Bei hartnäckigen Erkältungen stehen Ärzte vor einem Dilemma: Antibiotika verschreiben oder nicht? Die Mittel helfen nur gegen Bakterien, doch Schnupfen und Husten werden oft von Viren verursacht. Ein neuer Bluttest könnte bei der Diagnose helfen.

Sie sind verschnupft, husten, haben erhöhte Temperatur. Der Hals kratzt, der Kopf schmerzt: Vor allem in den Wintermonaten plagen viele Menschen Atemwegsinfekte. Fallen sie schwerer aus und verschwinden nicht schnell genug, geht es meist zum Arzt.

Der steht dann oft vor der Entscheidung: Antibiotika verschreiben oder nicht? Denn das Problem der Mediziner ist, dass sich anhand der Symptome kaum unterscheiden lässt, ob Viren oder Bakterien die Krankheit verursachen. Bei bakteriellen Infektionen helfen Antibiotika, gegen Viren, die überwiegend Auslöser von Erkältungsinfektionen sind, nutzen sie nicht. Doch Ärzte verschreiben die Mittel bei länger andauernden Beschwerden manchmal auf Verdacht, um Komplikationen wie etwa einer Lungenentzündung vorzubeugen.

Bald könnte ein neuer Bluttest das Dilemma der Mediziner beseitigen: Er soll schnell und zuverlässig beantworten, ob Viren oder Bakterien die Symptome verursachen, und könnte dazu beitragen, unnötigen Antibiotika-Gebrauch zu reduzieren. Forscher aus den USA berichten im Fachblatt "Science Translational Medicine" von der Entwicklung so eines Tests.

Analysiert werden dabei die Aktivierungsmuster bestimmter Gene: Ob das Immunsystem Viren oder Bakterien bekämpfen oder sich nicht mit einer akuten Infektion plagen muss, schlägt sich in der Aktivität des Erbguts nieder. Der Test schnitt in der Studie besser ab als der vielerorts gängige Procalcitonin-Test, schreibt das Team um Geoffrey Ginsburg von der Duke University in Durham, North Carolina.

Ihren Test prüften sie zunächst an fünf Datenbanken und danach an knapp 320 Patienten in Klinikambulanzen. Bei 115 von ihnen waren Viren Ursache der Atemwegsprobleme, bei 70 Teilnehmern ging die Infektion auf Bakterien zurück, 88 Patienten hatten eine nicht infektiöse Erkrankung. Dazu kamen 44 Gesunde als weitere Vergleichsgruppe.

In 87 Prozent der Fälle ermittelte das Verfahren zuverlässig die Ursache der Beschwerden. Der bislang am besten untersuchte Procalcitonin-Test (PCT), der noch nicht als Schnelltest zur Verfügung steht, kommt den Forschern zufolge auf eine Trefferquote von 78 Prozent.

Noch benötigt der Test relativ viel Zeit

Die Wissenschaftler wollen ihren Test nun so weiterentwickeln, dass er binnen einer Stunde ein Ergebnis liefert. Dies würde den Nutzen in der medizinischen Praxis deutlich steigern. Bisher dauere es bis zu zehn Stunden, heißt es in der Studie. Wann und ob der Bluttest marktreif sein wird, ist aber nicht bekannt - noch befinden sich die Untersuchungen in einer frühen Phase. Die Forscher selbst schreiben, es bestehe noch die technische Hürde, nun einen zuverlässigen, schnellen und bezahlbaren Test zu entwickeln.

Mathias Pletz, Direktor des Zentrums für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am Uniklinikum Jena, spricht von einer sehr durchdachten Studie. Er lobt, dass die Forscher Gruppen mit verschiedenem genetischem Hintergrund einbezogen hätten und auch kranke Menschen ohne eine Infektion. "Das Verfahren bietet einen Blick in die Zukunft", sagt der an der Studie nicht beteiligte Experte.

Zurzeit könne man sich aber auch anders behelfen, betont Pletz und verweist auf eine Studie aus Hannover. Dort hätten Ärzte Patienten zwar Rezepte für Antibiotika ausgestellt, aber mit der Bitte, sie nicht sofort einzulösen, sondern am Folgetag in der Praxis anzurufen - wenn das Ergebnis des PCT-Tests vorlag. Das Rezept sollten sie nur bei einer bestätigten bakteriellen Ursache einlösen. Dadurch sank der Antibiotika-Verbrauch deutlich: Statt 37 Prozent nahmen nur 22 Prozent die Mittel ein.

In Deutschland empfehlen Experten ohnehin, bei akuten Atemwegsinfektionen nicht routinemäßig Antibiotika zu verordnen.

Der unnötige Gebrauch von Antibiotika birgt Risiken - sowohl für den Patienten als auch für die öffentliche Gesundheit. "Die zunehmenden Resistenzen von Bakterien gegen Antibiotika sind ein großes Problem", bestätigt Pletz. Daher sei es ein dringendes Ziel, den Antibiotika-Verbrauch zu senken.

wbr/dpa

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