Hormonspiralen Psychisch krank durch Verhütung?

Drei Hormonspiralen der Firma Bayer stehen im Verdacht, Depressionen, Ängste, Schlafstörungen und innere Unruhe auszulösen. Verharmlost Bayer das Risiko? Der Konzern dementiert.
Logo des Bayer-Konzerns

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Foto: Marijan Murat/ picture alliance / dpa

"Frauen, die verhüten, müssen besser geschützt werden", fordert Kathrin Vogler, gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Bundestag, im aktuellen SPIEGEL.

Anlass ist der Verdacht, dass Hormonspiralen des Pharmakonzerns Bayer - Mirena, Jaydess und Kyleena - das Risiko für psychische Erkrankungen erhöhen. Die Spiralen setzen in der Gebärmutter das Hormon Levonorgestrel frei. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) prüft derzeit, ob es einen ursächlichen Zusammenhang gibt zwischen levonorgestrelhaltigen Spiralen und Ängsten, Stimmungsveränderungen, Schlafstörungen sowie innerer Unruhe. Depression und depressive Stimmung stehen bereits als häufige Nebenwirkung in den Beipackzetteln.

In der Datenbank des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen finden sich allein für Mirena mehr als 270 gemeldete Verdachtsfälle von Depression, Aggression, Nervosität, Schlaflosigkeit, verminderter Libido und Panikattacken. In der kommenden Woche soll über die Ergebnisse der EMA-Untersuchung beraten werden.

"Keinen Anhaltspunkt"

Der Hersteller Bayer, der mit seinen Hormonspiralen 2016 mehr als eine Milliarde Euro Umsatz machte, sagte auf Anfrage des SPIEGEL, es gebe nach allen der Firma vorliegenden Daten "keinen Anhaltspunkt, dass es zwischen der Verwendung von levonorgestrelhaltigen Intrauterinsystemen und der Entwicklung von schwerwiegenden psychiatrischen Erkrankungen einen Zusammenhang gibt".

Untersuchungen von Steven Kushner, Professor für neurobiologische Psychiatrie am Erasmus University Medical Center in Rotterdam, haben indes ergeben, dass Frauen, die eine Hormonspirale trugen, in Stresssituationen häufig besonders große Mengen des Stresshormons Kortisol ausschütteten. Chronischer Stress gilt als wichtiger Risikofaktor für viele der befürchteten psychischen Nebenwirkungen der Hormonspiralen.

Seine Experimente, sagt Kushner, zeigten klar, dass "levonorgestrelhaltige Hormonspiralen nicht nur lokal in der Gebärmutter wirken". In der Mirena-Broschüre von Bayer, "Kopf frei für die Liebe", ist allerdings an vielen Stellen von einer lokalen Freisetzung und Wirkung des Hormons die Rede, auch wenn Bayer "lokal" vorsorglich in Anführungszeichen gesetzt hat. Den Vorwurf einer bewussten Irreführung weist Bayer zurück.

Die Linken-Abgeordnete Vogler hingegen spricht sich im SPIEGEL für ein Verbot von "Werbematerial der Pharmaindustrie in Arztpraxen" aus.