Belgien Erstmals Sterbehilfe für Minderjährige geleistet

Belgien hat eines der liberalsten Sterbehilfe-Gesetze weltweit. Seit 2014 ist die Tötung auf Verlangen sogar bei Minderjährigen erlaubt. Nun wurde die Regelung erstmals bei einem Teenager angewandt.
Pflegekräfte im Dienst

Pflegekräfte im Dienst

Foto: Markus Scholz/ dpa

Es ist ein Fall, der erschüttert: Erstmals ist in Belgien die gesetzlich erlaubte Sterbehilfe für Minderjährige umgesetzt worden. Das hat der Vorsitzende der staatlichen Sterbehilfe-Kommission, Professor Wim Distelmans, bestätigt. Er sei innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Frist von dem Fall unterrichtet worden. Der minderjährige Patient oder die minderjährige Patientin war den Angaben zufolge todkrank.

In Belgien ist seit 2002 ein Sterbehilfe-Gesetz in Kraft, das als besonders liberal gilt. Es erlaubt Ärzten die Tötung auf Verlangen von erwachsenen, unheilbar kranken Patienten, sofern die Mediziner ihnen unerträgliche Leiden bescheinigen. Anfang 2014 dehnte das Parlament die Sterbehilfe auf Minderjährige aus, wenn die Eltern zustimmen.

Arten der Sterbehilfe

"Glücklicherweise gibt es nur wenige Kinder, auf die das zutrifft, aber das bedeutet nicht, dass wir ihnen das Recht auf einen würdevollen Tod verwehren sollten", sagte Distelmans der Zeitung "Het Nieuwsblad", die als erste über den Fall berichtet hatte. Der flämische Sender VRT meldete ergänzend, es habe sich eher um einen Teenager als um ein Kind gehandelt. Weitere Details wurden nicht genannt.

Aktive Sterbehilfe ist in den meisten Ländern verboten. In der Europäischen Union erlauben nur die Niederlande, Luxemburg und Belgien ausdrücklich die Tötung auf Verlangen. Die passive Sterbehilfe, der Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen, ist in zahlreichen Ländern erlaubt beziehungsweise wird geduldet - auch in Deutschland.

Im vergangenen Jahr wurde jedoch in Deutschland durch ein neues Gesetz die geschäftsmäßige Sterbehilfe verboten. Kommerzielle Sterbehilfevereine, wie sie etwa der ehemalige Hamburger Justizsenator Roger Kusch gegründet hatte, dürfen hierzulande nicht mehr praktizieren. Vereine wie Exit oder Dignitas, die etwa in der Schweiz sterbewilligen Menschen Hilfe beim Suizid anbieten, besorgen für den Patienten ein tödlich wirkendes Barbiturat, das in Wasser aufgelöst wird. Aus juristischen Gründen muss es der Patient aber selbst schlucken können oder es sich zumindest selbst zuführen können - etwa über eine Magensonde.

joe/dpa
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