Studie zu Alltagsbewegung Autowaschen mindert Herzinfarkt-Risiko

Es muss nicht unbedingt Sport sein: Schon leichte körperliche Aktivität kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten senken. Schwedische Forscher zeigen jetzt, dass Hobbys wie Autowaschen und Pilzesammeln für ältere Menschen wichtiger sein könnten als Fitnessstudios.

Autowäsche: Doppelter Energieverbrauch bei stehendem statt sitzendem Arbeiten
DPA

Autowäsche: Doppelter Energieverbrauch bei stehendem statt sitzendem Arbeiten


Es sollte so einfach sein, etwas für das Herz zu tun. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, sich täglich 20 Minuten moderat bis anspruchsvoll körperlich zu belasten. Doch in der Realität scheitert ein Großteil der Menschen daran, diese geforderten 150 Minuten Sport wöchentlich in den Alltag zu integrieren.

Jetzt bereitet eine Studie neue Hoffnungen, die schwedische Männer und Frauen ab einem Alter von 60 Jahren untersucht hat: Schon Alltagstätigkeiten wie Gärtnern, Heimwerken, Autopflege oder Beerensammeln können das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten wie einen Herzinfarkt deutlich reduzieren, berichten Elin Ekblom-Bak und ihre Kollegen im "British Journal of Sports Medicine".

Aktiv und unsportlich ist besser als ganz ohne Bewegung

Die Wissenschaftler bezeichnen die Beschäftigungen als nichtsportliche körperliche Aktivitäten. Und die beeinflussen nach ihrer Erkenntnis verschiedene Risikofaktoren für Herz und Kreislauf positiv - selbst bei Menschen, die überhaupt keinen Sport treiben. Wer in der Studiengruppe nur wenig aktiv und unsportlich war und sich nur etwas bewegte, der hatte im Vergleich zu komplett bewegungslosen Teilnehmern immer noch bessere Werte bei Bauchumfang und Blutfettwerten.

Wer sich bei Alltagsaktivitäten stärker verausgabte, hatte ein niedrigeres Risiko für die Diabetesvorstufe Metabolisches Syndrom, eine Kombination aus zu viel Bauchfett, Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten und einer gestörten Blutzuckerverarbeitung. Das Risiko für ein akutes Herz-Kreislauf-Ereignis wie zum Beispiel einen Herzinfarkt sank in dieser Gruppe gegenüber den bewegungslosen Studienteilnehmern um 27 Prozent, das Risiko, im Beobachtungszeitraum zu sterben, um 30 Prozent. Menschen, die Sport trieben, erzielten ähnlich positive Ergebnisse. Das niedrigste Risikoprofil hatten schließlich diejenigen, die sich im Alltag und beim Sport bewegten.

Größter Effekt, wenn gänzlich Untätige aktiv werden

Für ihre Studie untersuchten die Forscher des Karolinska Universitätskrankenhauses in Stockholm insgesamt 4232 Männer und Frauen aus der Umgebung. Im Durchschnitt begleiteten sie die Freiwilligen, die bei Studienbeginn 60 Jahre alt waren, zwölfeinhalb Jahre lang. Im Verlauf der Studie kam es bei 476 der Teilnehmer zu einem akuten Herz-Kreislauf-Ereignis, insgesamt 383 starben an unterschiedlichen Erkrankungen.

Zu Studienbeginn untersuchten die Wissenschaftler die Teilnehmer und fragten Informationen zu Lebensstil, Ernährung und körperlicher Aktivität ab. Dabei ging es unter anderem um eine Reihe körperlicher Aktivitäten wie das Schneiden der Gartenhecke, Reparaturen im Haushalt, Jagen oder Fischen, deren Häufigkeit die Forscher jeweils für die vergangenen zwölf Monaten erfassten. Der größte Effekt für die Gesundheit kann demnach erzielt werden, wenn ein zuvor gänzlich untätiger Mensch wenigstens etwas aktiv wird. Die aktuellen Ergebnisse passen laut den Studienautoren zu früheren Untersuchungen.

Ständiges Sitzen als Hauptursache für erhöhtes Risiko

Überraschend ist, dass Alltagstätigkeiten das Herz-Kreislauf-Risiko anscheinend unabhängig von der sportlichen Aktivität der Studienteilnehmer beeinflussen. Dies sei von großer Bedeutung, schreiben die Wissenschaftler, denn Studien hätten gezeigt, dass es heutzutage üblich sei, einen weitgehend bewegungslosen Alltag mit regelmäßigem Sport zu verbinden. So würden die Menschen zur "aktiven Couch-Potato".

Die spannende Frage ist demnach, ob ein grundsätzlich aktiver Alltag - selbst wenn man keinen Sport macht - besser für Herz und Kreislauf ist als ein bewegungsloser Alltag mit einigen wöchentlichen Sporteinheiten. Die schwedischen Forscher verdächtigen das ständige Sitzen als Hauptursache für das erhöhte Herz-Kreislauf-Risiko; Studien hätten gezeigt, dass schon stehendes statt sitzendes Arbeiten den Energieverbrauch verdoppeln könne. In einer anderen Studie hätte die Abnahme der täglichen Schrittzahl von 10.500 auf unter 1500 innerhalb von zwei Wochen das Bauchfett ansteigen lassen. Schließlich wirke sich die Bewegungslosigkeit auf die Muskeln aus, die zu wenig beansprucht würden.

Die von staatlichen schwedischen Einrichtungen und den Freimaurern finanzierte Studie hat mehrere Schwächen. Die Ergebnisse können nur auf mit den älteren schwedischen Studienteilnehmern vergleichbare Gruppen übertragen werden. Das könnte bei deutschen Männern und Frauen über 60 Jahren legitim sein, da sich die Freizeitaktivitäten von Mitteleuropäern vermutlich sehr ähneln. Zudem kann die Studie keine Ursache-Wirkungs-Beziehung nachweisen, sondern nur statistische Zusammenhänge aufzeigen. Möglicherweise haben die Menschen, die im Alltag aktiver sind, eine weitere Gemeinsamkeit, die das Ergebnis der Studie verzerrt. Und schließlich verlassen sich die Autoren bei den Angaben zur Alltagsaktivität auf die Angaben der Studienteilnehmer.

Die Forscher sind dennoch von der Bedeutung ihrer Ergebnisse für ältere Menschen überzeugt: Gerade diese verbrächten verhältnismäßig viel Zeit mit den untersuchten Alltagsaktivitäten und täten sich gleichzeitig schwer, regelmäßig Sport zu treiben.

dba



insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
renee gelduin 29.10.2013
1.
Zitat von sysopDPAEs muss nicht unbedingt Sport sein: Schon leichte körperliche Aktivität kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten senken. Schwedische Forscher zeigen jetzt, dass Hobbys wie Autowaschen und Pilzsammeln für ältere Menschen wichtiger sein könnten als Fitnessstudios. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/bewegung-heimwerken-und-gaertnern-koennen-das-herz-schuetzen-a-930306.html
Bitte lieber Autor... legen Sie die Feder bei Seite und suchen Sie sich ein anderes Hobby ! Der Artikel ist so schlecht geschrieben, unfassbar. Schon die Titelunterschrift ist grausam falsch.
Miere 29.10.2013
2. Nicht mal 20 min am Tag moderat tätig?
Dass man tausende von Leuten findet die nicht mal 20 Minuten am Tag moderat tätig sind (zB Treppen steigen, Wohnung putzen, Wäsche aufhängen, Laub harken oder Schnee schaufeln) erscheint mir eher unwahrscheinlich.
reifenexperte 29.10.2013
3. Einfach
auf das Auto verzichten, das reicht auch schon. Dann spart man sich auch das Waschen.
dr._stefan_frank 29.10.2013
4. Öfter mal was Neues...
...eine unglaubliche Studie! Bewegung ist gut fürs Herz! Das ist doch eine Titelseite wert, oder? Ohne SPON wäre ich echt nicht mehr auf dem "Laufenden". Mein Herz dankt. Achso: das Bild zu dem Artikel legt aber nahe, dass Rentner in einer Waschstrasse arbeiten sollten... Oder tritt Oma die Bremse während Opa schrubbt... :-)
susiwolf 29.10.2013
5. Ungeliebter Artikel ..
Diesen Artikel mögen die 'Sesselfurzer' aber gar nicht. Und vom 'reinen' Wagen waschen kann ein Infarkt nicht ausgeschlossen werden. Mehr als blitzsauber geht ja nun nicht ... Aber liesse sich da nicht noch etwas machen ? Herum laufen um das Geliebte - mit tägl. Steigerung: Heisst: Jeden Tag eine Runde mehr ? Nur - die Richtung sollte dann bei höherer Leistung gerne 'mal gewechselt werden, sonst könnte dem Leistungsträger noch schwindelig werden. Auch rückwärts gehen könnte dabei nicht schaden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.