Bindehautentzündung Wenn das Auge drückt und tränt

Das Auge ist rot, verklebt und tränt ständig: typische Symptome einer Bindehautentzündung, die meistens harmlos verläuft und ohne Medikamente abheilt. Doch Vorsicht ist trotzdem geboten - manche Formen sind hochansteckend.
Beim Augenarzt: Die Untersuchung mit der Spaltlampe kann klären, um welche Form von Bindehautentzündung es sich handelt

Beim Augenarzt: Die Untersuchung mit der Spaltlampe kann klären, um welche Form von Bindehautentzündung es sich handelt

Foto: Corbis

Der Blick in den Spiegel zeigt ein gerötetes, tränendes oder verklebtes Auge. Es drückt, brennt oder ist geschwollen - eine Bindehautentzündung. Gelegenheiten, sich eine sogenannte Konjunktivitis einzufangen, gibt es viele. Ein Besuch im Schwimmbad, ein heftiger Luftzug oder ein Virusinfekt können die Schleimhaut des Auges reizen und die typischen Symptome auslösen. Auch Heuschnupfen oder ein chronisch trockenes Auge sind mitunter die Ursache.

In den meisten Fällen geht eine bakterielle Bindehautentzündung nach einer Woche ohne Medikamente zurück. "Nach unserer klinischen Erfahrung ist die akute Konjunktitvitis eine Erkrankung mit sehr guter Prognose und häufiger Spontanheilung", sagt Elisabeth Messmer, Oberärztin an der Augenklinik der Ludwig-Maximilian-Universität München. Eine Behandlung mit antibiotischen Augentropfen ist daher nicht immer zwingend erforderlich.

In Studien stellte sich heraus , dass bei 64 Prozent der Patienten, die lediglich ein wirkstofffreies Placebo erhalten hatten, die Entzündung nach fünf Tagen abgeheilt war. Bei Kindern zwischen sechs Monaten und zwölf Jahren war die Heilungsrate nach sieben Tagen ohne Antibiotika (83 Prozent) fast genauso hoch wie mit Antibiotika (86 Prozent).

Schutzschicht, die Erreger abwehrt

Die Bindehaut ist eine schützende Schleimhautschicht, die den Tränenfilm verteilt und äußere Erreger abwehrt. Bei einer Entzündung rötet sich die Schleimhaut und versucht, durch verstärkte Durchblutung Erreger wieder loszuwerden. "Häufig genügen schon Augenbäder oder -waschungen mit abgekochtem Wasser sowie künstliche Tränen", sagt Messmer. Der Zusatz pflanzlicher Mittel bringe keinen Mehrwert.

Wenig empfehlenswert seien sogenannte Weißmacher. Diese Augentropfen sorgen dafür, dass sich die geweiteten Blutgefäße kurzfristig zusammenziehen und somit Rötung und Schwellung vorübergehend abklingen. Allerdings trocknen sie die Augen aus. "Weißmacher sollten nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden und dann nur für kurze Zeit", sagt die Augenärztin.

Bessern sich die Symptome nach drei Tagen nicht, sollte man zum Augenarzt. "Bei massiver eitriger Absonderung, Schmerzen und Sehbehinderung auch früher", rät die Oberärztin. Eine Untersuchung mit der Spaltlampe bringt Klarheit, um welche Art von Bindehautentzündung es sich handelt: eine harmlose Reizkonjunktivitis oder eine Infektion durch Viren oder Bakterien. Außerdem kann der Augenarzt so ausschließen, dass nicht andere ernsthaftere Erkrankungen dahinterstecken.

"Eine bakterielle Infektion erkennt man an einem eitrig-schleimigen Sekret, das das Auge verklebt", erläutert Messmer. Kinder sind öfter betroffen als Erwachsene.

Immer häufiger werden Bindehautentzündungen von multiresistenten Keimen (MRSA) verursacht, gegen die viele gängige Antibiotika machtlos sind. In diesem Fall sind Bindehautabstriche notwendig, um den Erreger zu bestimmen und ein wirksames Mittel zu finden. Antibiotische Tropfen sollten mindestens eine Woche ins Auge geträufelt werden, um einer Resistenzbildung der Bakterien entgegenzuwirken.

Auf keinen Fall eine Augenklappe tragen

"Sind Viren die Auslöser, ist die Bindehaut rot und das Sekret wässrig", erläutert die Augenärztin. Die Patienten sind meist lichtempfindlich und haben oft geschwollene Lymphknoten vor dem Ohr. Zu den häufigsten Erregern zählen die hochansteckenden Adenoviren (Keratokonjunktivitis epidemica). 2014 gab es bisher 1114 Fälle, berichtet das Robert-Koch Institut. Wegen der Ansteckungsgefahr werden Patienten zehn Tage krankgeschrieben. Der Erreger kann durch Berühren verunreinigter Gegenstände oder Oberflächen, wie Türklinken, Armaturen oder Handtücher übertragen werden. Häufiges Händewaschen und Desinfizieren ist deshalb wichtig. Bei Zimmertemperatur haften die Viren unter Umständen einige Wochen auf Oberflächen und bleiben dort ansteckend", warnt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA).

In seltenen Fällen können Adenoviren eine Hornhautentzündung auslösen. Das ist eine Immunantwort des Körpers auf die Infektion. Betroffene merken das, wenn nach Abklingen der akuten Infektion das Sehen beeinträchtigt ist. "Mitunter muss man Immunsuppressiva wie Cortison oder Ciclosporin geben", sagt die Augenärztin.

Auf keinen Fall sollte eine Augenklappe getragen werden, da das die Infektionsgefahr erhöht. "Die Trübung der Hornhaut hält oft einige Wochen bis Monate an, geht aber meist von selbst zurück, ohne dauerhafte Sehschäden zu hinterlassen", so die Augenärztin.

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