Ohne Kunststoff Wie gut sind Bio-Kaugummis?

Natürliche Kaumasse statt aus Erdöl gewonnener Kunststoffe - dazu noch Xylitol als Süße: Frederik Jötten macht sich auf die Suche nach dem besten Bio-Kaugummi.

Natürlicher Kaugummi: Gewinnung von Chicle in Mexiko an einem Breiapfelbaum, auch Sapotillbaum genannt
AFP

Natürlicher Kaugummi: Gewinnung von Chicle in Mexiko an einem Breiapfelbaum, auch Sapotillbaum genannt


Nachdem ich erfahren habe, wie viel Chemie in Kaugummis steckt, mache ich mich auf die Suche nach einem natürlicheren Kaugummi.

Im Reformhaus gibt es Kaugummis nur hinter der Theke. Ich kann nicht auf die Inhaltsstoffe schauen, bevor ich sie ordere. Ich bestelle ein Päckchen. "3,79 Euro", sagt der Verkäufer. Ich staune über den Preis (für 33 Gramm Kaugummi), mehr aber noch, als ich nach dem Bezahlen die Liste mit den Inhaltsstoffen betrachte. Die unvermeidliche "Gum Base", die wohl vor allem aus Kunststoffen besteht, ist genauso enthalten wie in den üblichen Produkten aus dem Supermarkt. Außerdem Titandioxid, das die Dragees weiß färbt.

Im Biosupermarkt entdecke ich zwischen Sesam-Krokant und Maislutschern den "Bio Maya Regenwald Kaugummi", 100 Prozent biologisch abbaubar. Allerdings ist zu befürchten, dass dieses Produkt auch zum Abbau meiner Zähne beiträgt. Hauptzutat ist Zuckerrohrsirup, zusätzlich ist Glukose enthalten. Ich kaue nach dem Essen Kaugummi, um ein sauberes Gefühl im Mund zu bekommen. Selbst wenn es vor allem der durchs Kauen angeregte angeregte Speichelfluss ist, der den Zähnen gut tut: Würde ich zuckerhaltiges Kaugummi kauen, hätte ich das Gefühl, ich müsste mir danach die Zähne putzen - was ich mir ja sparen will. Also sage ich "Nein danke" zum ökologisch korrekten Regenwaldkaugummi.

Im Drogerie-Markt steht ein Kaugummi direkt bei den Zahnbürsten, mit den üblichen Zutaten und laut Etikett "Fresh White". Auch andere Produkte suggerieren, dass die Kaugummis die Zähne aufhellen. Enthalten ist das Weiß-Pigment Titandioxid. "Allerdings in so geringen Mengen, dass keine nennenswerte Wirkung möglich ist", sagt dazu Roland Frankenberger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung. Ähnlich ist sein Kommentar zu Kaugummis, die Kalziumkarbonat enthalten, um die Zähne zu remineralisieren. "Kalziumkarbonat ist zur Mineralisation nicht geeignet." Alle diese Produkte enthalten als Grundsubstanz die nicht näher spezifizierte Kaumasse auf Kunststoffbasis.

Dazu muss es doch Alternativen geben!

Suche im Internet, Profil: natürliche Kaumasse, kein Zucker und stattdessen Xylitol. Es ist eine der wenigen Substanzen im Kaugummi, deren positive Wirkung nachgewiesen ist. Xylitol beugt nicht nur Karies vor, sondern auch Mittelohrentzündungen, weil es das Wachstum von schädlichen Bakterien hemmt.

Bei einem Biolebensmittel-Versand finde ich einen Kaugummi namens "Xyli-Vita" - kein Zucker, 70 Prozent Xylitol-Gehalt, Kaumasse mit natürlichem Chicle vom Sapotillbaum. Ich bestelle. Die Dragees sind nicht weiß, sondern bräunlich, weil der Hersteller auf den Farbstoff Titandioxid verzichtet. Sie sind ein bisschen weicher beim ersten Kauen und verlieren schnell den Geschmack. Wegen der zum Teil natürlichen Kaumasse, sagt der Hersteller auf Anfrage. Ganz könne man nicht auf die Kunststoffe verzichten, die Konsistenz sei sonst zu breiig.

Zusätzlich bestelle ich "Chicle X", ebenfalls nur gesüßt mit Xylitol. Die Kaugummigrundmasse: "auf der Basis von Chicle aus dem Regenwald". Die Kaugummis sind grasgrün, weil mit dem Pflanzenfarbstoff Chlorophyll gefärbt, also ohne Titandioxid. Eine Nachfrage beim Hersteller ergibt: Es ist ein Anteil Kunststoff in der Kaumasse. Auch er verliert schnell den Geschmack.

Und dann ist da noch der Verdacht, dass Xylitol zu Verdauungsproblemen wie Blähungen und Durchfall führt. Weil es bei den Versandhändlern nur große Packungsgrößen und zum Teil recht hohe Mindestbestellwerte gibt, werde ich das im nächsten Jahr testen können. Ich habe jetzt ein Pfund Xylitol-Kaugummis zu Hause.

Alternative Kaugummis - ein Überblick

Produkt Süßstoff Grundmasse Konsistenz Farbstoff Besonderes
Bio Maya Regenwald Zucker Chicle verschmolzen mit natürlichen Wachsen Zunächst sehr breiig, dann zunehmend wie gewohnt Keiner Biozertifiziert, fair gehandelt, biologisch abbaubar. Ahnlich einer Schokotafel zum Abbrechen
Chicle X Xylitol aus Birkenrinde Natürliches Chicle plus Kunststoff Wie gewohnt Chlorophyll In unpraktischer 250 Gramm Tüte erhältlich
Xyli-Vita Xylitol aus Birkenrinde Natürliches Chicle plus Kunststoff Im Anbiss weicher als gewohnt Keiner In 95-Gramm-Dosen erhältlich, unpraktisch für unterwegs
Miradent Xylitol Xylitol Nicht näher bestimmte Kaumasse, wohl v.a. aus künstlichen Polymeren Wie gewohnt Titandioxid Kleine 30-Gramm-Dose, praktisch für unterwegs

Alle diese Kaugummis verlieren den süßen Geschmack schneller als gewohnte Supermarktware.



insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
logemean 27.03.2015
1.
Den besten Kaugummi haben Sie übersehen. Man kann ihn glaube ich, nur in Griechenland kaufen. Mastix ist das Harz von speziellen Pistanzienbäumen. Es kommt in kleinen Brocken, die im Mund weich werden. Der Geschmack vergeht nicht und obendrein werden ihm antibiotische Eigenschaften nachgesagt und, dass es vor Magengeschwüren schützen soll. Die deutsche Bezeichnung lautet Mastix. Es schmeckt wie Baumharz.
dirk.gruenschloss 27.03.2015
2.
Zwar nicht Bio, erfüllt aber sonst alle im Artikel geforderten Punkte und hat in Packung Papierstreifen zum ordnungsgemäßen Entsorgen nach dem Kauen. www.peppersmith.co.uk
götterbote2012 27.03.2015
3.
Es ist doch uralt und bekannt: in Griechenland gibt es reinen Mastix vom Mastixbaum. Die Kaumasse ist recht hart, der Geschmack lässt schnell nach, aber 100% Bio und wohl mit nachgewiesenen gesunden Eigenschaften.
deegeecee 28.03.2015
4. Und der Sinn der Sache?
Dass man sich "auf die Suche nach einem natürlicheren Kaugummi" macht, nachdem man erfahren hat, "wie viel Chemie in Kaugummis steckt", finde ich rational nicht nachvollziehbar. Machen Sie sich mit derselben Konsequenz auch auf die Suche nach einer natürlichen Zahnbürste oder natürlichem Essbesteck (gibt's beides)? Das nehmen Sie doch genauso in den Mund.
KilgoreTrout 28.03.2015
5. Die böse Chemie!
Den ersten Satz gelesen und aufgehört. In Ihnen, werter Autor, findet ebenfalls Chemie statt! Auch in den Tomaten ihrem Garten! Auch in Ihrem Meerschweinchen, Tante Erna und im Kindergarten nebenan! Sie saugen jetzt gerade massenweise den Sucht- und Gefahrenstoff Dihydrogenmonoxid in Ihre Lungen und Ihr Rasen sondert des Nachts Gase ab. ... will heißen: "darin steckt Chemie" ist ein nichtssagender Satz. In Ihnen und dem gesamten Planeten steckt Chemie. Auch in ALLEN Kaugummialternativen. Wenn Ihnen das neu ist, fragt man sich, wonach Sie als nächstes suchen werden. Nach etwas Physikfreiem vielleicht? Kurz: Raus aus dem Gesundheitsressort. Vielleicht lieber in Richtung Musikkritik, wo Sie entdecken können, dass Ihre Lieblingsband Schallwellen erzeugt. Dann können Sie nach Alternativen suchen.
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