Symptome, Mythen, Tipps Was Sie bei einer Blasenentzündung tun können

Jede zehnte Frau leidet einmal pro Jahr unter einer Blasenentzündung - viele wesentlich häufiger. Woran liegt das? Und wie kann man dem Infekt vorbeugen? Die Übersicht.
Trüber Urin, Schmerzen beim Wasserlassen: Viele Frauen kennen die Beschwerden bei einer Blasenentzündung nur allzu gut

Trüber Urin, Schmerzen beim Wasserlassen: Viele Frauen kennen die Beschwerden bei einer Blasenentzündung nur allzu gut

Foto: Daniela Jovanovska-Hristovska/ Getty Images

Viele Frauen merken schon bei den ersten Anzeichen, was auf sie zukommt: der Unterleib ist geschwollen, es brennt und sticht beim Wasserlassen und nach dem Toilettengang hat man das Gefühl, direkt schon wieder zu müssen. Die Beschwerden bei einer Blasenentzündung sind meist sehr unangenehm.

Dann heißt es: Viel trinken, warm halten und im schlimmsten Fall Antibiotika nehmen. Etwa jede zehnte Frau bekommt mindestens einmal im Jahr eine Blasenentzündung. Die Hälfte dieser Frauen leidet innerhalb eines Jahres unter einer weiteren. Männer sind seltener betroffen.

Doch warum ist das so? Und wie kann ich mich vor einer Blasenentzündung schützen? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was genau ist eine Blasenentzündung?

Bei einer unkomplizierten Blasenentzündung  entzündet sich die Schleimhaut der Harnblase. Die Entzündung wird in der Regel von Bakterien verursacht, die über die Harnröhre in die Blase aufsteigen und sich dort vermehren.

Von einer komplizierten Blasenentzündung spricht man, wenn ein erhöhtes Risiko für Komplikationen besteht - meist ist das bei Männern, Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder mit bereits geschädigten Nieren der Fall. Dann können die Bakterien in die Nieren aufsteigen und eine äußerst schmerzhafte Nierenbeckenentzündung mit Fieber, Übelkeit und Erbrechen verursachen.

Bei Männern ist eine Harnwegsinfektion zudem häufig mit einer Entzündung der Prostata verbunden. Der Arzt muss den Patienten daher auch dahingehend untersuchen.

Woher weiß ich, ob ich eine Blasenentzündung habe?

Folgende Symptome deuten auf eine akute Blasenentzündung hin:

  • es brennt und sticht beim Wasserlassen,
  • der Urin ist trüb verfärbt und riecht auffällig; in seltenen Fällen ist Blut zu sehen,
  • der Unterleib schmerzt und ist geschwollen,
  • ständiger Harndrang, beim Toilettengang kommen dennoch nur wenige Tropfen,
  • manche Frauen haben Schwierigkeiten, den Urin zu halten,
  • einige fühlen sich krank, abgeschlagen und reizbar,
  • seltener haben die Betroffenen Fieber und Schüttelfrost,
  • die Schmerzen können auch in den Rücken ausstrahlen.

Wenn einige dieser Symptome zutreffen, sollte ein Arzt aufgesucht werden, der eine Urinprobe nimmt und diese auf entsprechende Bakterien untersucht. Der Mediziner kann dann in der Regel ausschließen, dass es sich um eine komplizierte Blasenentzündung handelt.

Geht eine Blasenentzündung von allein wieder weg?

Bei einem Drittel bis der Hälfte der Frauen heilen Blasenentzündungen auch ohne Antibiotika innerhalb einer Woche wieder ab. Wichtig ist es, in dieser Zeit viel zu trinken (etwa drei Liter am Tag), sich warm zu halten und die Blase bei Druck zu entleeren.

Solange der Infekt auf die Blase beschränkt ist, können die Betroffenen ihn auch mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Paracetamol behandeln. Laut einer Studie aus dem Jahr 2015 waren 70 Prozent der Frauen, die Ibuprofen einnahmen, nach einer Woche beschwerdefrei.

Häufig werden Cranberryprodukte empfohlen, um eine Blasenentzündung zu behandeln oder ihr vorzubeugen. Die wissenschaftliche Datenlage hierzu ist jedoch nicht eindeutig.

Wenn die Beschwerden von allein nicht abklingen oder sich Schmerzen in den Flanken bemerkbar machen, muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Meist verschreibt dieser ein Antibiotikum, mit dem sich sehr schnell Linderung einstellt. Der Hausarzt ist in der Regel der erste Ansprechpartner. Im Falle von Komplikationen oder immer wiederkehrenden Infekten sollte ein Urologe aufgesucht werden.

Warum habe ich so oft eine Blasenentzündung?

Für viele Frauen ist eine Blasenentzündung eine einmalige Sache. Andere leiden immer wieder unter den Beschwerden. Gründe dafür gibt es viele, eine wichtige Rolle spielen Veranlagung und Hormonhaushalt.

Dass Frauen viel häufiger erkranken als Männer, liegt unter anderem daran, dass Harnröhrenausgang und After nahe beieinander liegen und so Darmbakterien leichter in die Harnröhre gelangen können. Die weibliche Harnröhre ist mit vier Zentimetern Länge zudem etwa 14 Zentimeter kürzer als die vom Mann.

Schwangere Frauen bekommen öfter Blasenentzündungen. Auch nach den Wechseljahren und durch die Pille kann sich die Vaginalflora verändern und Keime können sich leichter vermehren. Menschen, die einen Blasenkatheter tragen, haben ein erhöhtes Risiko - außerdem Menschen mit anatomischen Veränderungen im Harnwegsbereich, mit Diabetes mellitus, Multipler Sklerose oder urologischen Erkrankungen wie etwa einer Reizblase. Zudem sind besonders häufig sexuell aktive Frauen betroffen.

Stimmt es, dass man vom Sex eine Blasenentzündung bekommen kann?

Geschlechtsverkehr erhöht das Risiko für eine Blasenentzündung, weil dabei Darmbakterien leicht in die Harnröhre gelangen und dort einen Infekt verursachen können. Dabei handelt es sich meist um sogenannte uropathogene E. coli (UPEC), die Spezialfähigkeiten für das Überleben in der Blase entwickelt haben.

Spermienabtötende Verhütungscremes und -gele sowie Diaphragmen können die Vaginalflora stören und das Risiko etwas erhöhen. Das trifft auch für beschichtete Kondome zu, jedoch können die Präservative ohne chemische Zusatzstoffe bestimmte Bakterien fernhalten.

Ärzte sprechen gar von einer "Honeymoon-Zystitis" - was so viel heißt wie "Flitterwochen-Blasenentzündung", die nach dem Sex auftritt. Betroffen können auch Frauen sein, die häufig wechselnde Geschlechtspartner haben. Der Leitlinie zu Harnwegsinfektionen der Deutschen Gesellschaft für Urologie zufolge  steigt die Rate an Infektionen mit der Rate an Genitalkontakten bis um das 60-Fache. Ob die Entleerung der Blase nach dem Sex dazu beitragen kann, eine Blasenentzündung zu verhindern, ist nicht erwiesen.

Verursacht Sitzen auf kaltem Boden eine Blasenentzündung?

Schon seit Jahrzehnten heißt es: Röcke, dünne Strumpfhosen und knappe Unterwäsche könnten das Risiko einer Blasenentzündung erhöhen. Aber stimmt das? Kälte allein kann keine Blasenentzündung verursachen, so viel steht fest. Eine Infektion tritt erst dann auf, wenn Keime in die Harnröhre gelangen.

Jedoch sollten sich Frauen, die empfindlich für Harnwegsinfekte sind, vor Kälte schützen, also Füße warmhalten und nicht zu lange auf kalten Böden sitzen. Denn Kälte schwächt das Immunsystem und erhöht damit das Risiko für Entzündungen.

Wie kann ich einer Blasenentzündung vorbeugen?

Frauen, die häufiger an Blasenentzündungen erkranken, können im Alltag darauf achten, was bei ihnen eine Blasenentzündung begünstigt. Wenn sich diese Auslöser nicht abstellen lassen und Blasenentzündungen trotzdem häufig auftreten, gibt es auch die Möglichkeit, Medikamente zur Vorbeugung zu nehmen: Eine tägliche, vorbeugende Einnahme des Antibiotikums Nitrofurantoin vermeidet Studien zufolge Harnwegsinfekte am besten. Allerdings wurden bei der Langzeittherapie mit Nitrofurantoin häufig unerwünschte Nebenwirkungen beobachtet.

Auch pflanzliche Präparate können helfen. Cranberry-Produkten, Mannose, Kapuzinerkraut, Brunnenkressekraut und Meerrettichwurzel oder Bärentraubenblättern wird eine vorbeugende Wirkung nachgesagt (Lesen Sie mehr dazu hier).

Auch ohne Arzneimittel kann man sich ein Stück weit vor einer Infektion schützen. Zum Beispiel, indem man sich warmhält. Im Sommer gilt es vor allem bei anfälligen Personen, nach dem Schwimmen das feuchte Badezeug gleich auszuziehen. Dann kühlt der Unterleib nicht so stark aus.

kry