Demenzgefahr Schon 40-Jährigen mit Bluthochdruck drohen Hirnschäden

Ein hoher Blutdruck kann schon in jungen Jahren dem Gehirn schaden, haben Forscher entdeckt. Demnach scheint das Gehirn eines 40-Jährigen mit Bluthochdruck sieben Jahre älter zu sein als das eines Gleichaltrigen ohne entsprechende Symptome. Eine Demenz kann drohen.
Bluthochdruck: Ab einem Wert von 140/90 mmHg gilt der Blutdruck als erhöht

Bluthochdruck: Ab einem Wert von 140/90 mmHg gilt der Blutdruck als erhöht

Foto: Jochen Lübke/ picture-alliance/ dpa

Bluthochdruck ist ein Problem, mit dem sich vor allem ältere Menschen beschäftigen müssen, denken viele. Ähnlich ist es mit Demenz. Doch eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass sich schon 30- und 40-Jährige um beides sorgen sollten. Demnach können bereits leicht erhöhte Blutdruckwerte im mittleren Alter unbemerkt dem Gehirn schaden - und das Risiko steigern, später im Leben unter kognitiven Problemen wie Lern- und Erinnerungsschwächen zu leiden.

Die Forscher um Pauline Maillard vom Alzheimer's Disease Center der University of California, Davis, analysierten die Blutdruckwerte und Gehirnscans von 579 Personen. Alle Teilnehmer waren zwischen 19 und 63 Jahren alt und stammten aus der Framingham Heart Study - einer der wichtigsten Studien rund um Herzkrankheiten. Bereits seit 1948 untersuchen Wissenschaftler die Herzgesundheit der Bewohner der US-Stadt Framingham, mittlerweile in der dritten Generation.

Die Auswertung der aktuellen Daten ergab: Das Gehirn der Teilnehmer mit einem erhöhten systolischen Blutdruck zeigt im Vergleich zu Teilnehmern mit normalem Blutdruck Anzeichen für eine frühe Alterung. In manchen Hirnregionen war die Struktur der weißen Substanz beschädigt, in der die Leitungsbahnen der Nerven liegen. Auch hatte der hohe Blutdruck offenbar negative Auswirkungen auf das Volumen der grauen Hirnmasse, schreiben die Forscher im Fachblatt "The Lancet Neurology" .

Beide Anzeichen für Hirnschäden konnten die Mediziner schon bei Menschen mit nur leicht erhöhtem Blutdruck nachweisen. Je höher der Blutdruck war, desto ausgeprägter die Hinweise: Laut den Ergebnissen sieht das Gehirn eines 40-Jährigen mit erhöhten Blutdruck von 140/90 mmHg im Vergleich zu einem Gleichaltrigen mit einem normalen Blutdruck um 7,2 Jahre älter aus.

Schon früh für die spätere Gesundheit vorsorgen

"Die Nachricht unserer Studie ist klar: Menschen können beeinflussen, wie gesund ihr Gehirn im Alter sein wird, wenn sie schon in jungen Jahren ihren Blutdruck kennen - auch wenn sie sich dann eigentlich noch nicht unbedingt Gedanken über ihn machen müssen", sagt einer der Autoren, Charles DeCarli, in einer Mitteilung. Dies gelte vor allem vor dem Hintergrund, dass die Hirnveränderungen schon Jahrzehnte vor den ersten Anzeichen einer Demenz auftreten können: "Die Teilnehmer in unserer Studie waren alle noch geistig gesund", sagt der Forscher.

Die Frage, welche Mechanismen hinter dem Zusammenhang zwischen den Hirnschäden und einem hohen Blutdruck stehen, konnte die Studie noch nicht beantworten. Im Gegenteil: Die Untersuchung zeigt nur, dass Menschen mit einem hohen Blutdruck auch Anzeichen für Hirnschäden haben können. So könnte es rein theoretisch sein, dass nicht der hohe Blutdruck, sondern etwas ganz anderes, das auch den Blutdruck erhöht, dem Hirn schadet.

Die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung stehen allerdings im Einklang mit anderen Studien, in denen die Auswirkungen des Bluthochdrucks auf das Gehirn analysiert wurden. So existieren etwa Hinweise darauf, dass Bluthochdruck bei älteren Menschen zu Hirnverletzungen und Hirnschwund führen und dadurch das Risiko für eine Demenz steigern kann. Die neue Untersuchung ist laut den Autoren jedoch die erste, die Auswirkungen auf das Hirn so junger Personen nachweisen konnte.

Bluthochdruck

Wird der Blutdruck gemessen, geben Ärzte den Wert zum Beispiel als 120/80mmHg an, gesprochen "120 zu 80". Dahinter verbergen sich mehrere Informationen über den Blutdruck.

Der höhere Wert ist der sogenannte systolische Blutdruck. Die Systole ist der Pumpvorgang im Herzen, bei dem sich die Herzkammern zusammenziehen und das Blut in die Schlagadern drücken. Der systolische Wert gibt den Druck an, der während dieses Moments gemessen wird.

Der niedrigere Wert ist der diastolische Blutdruck. In der Diastole erschlaffen die Herzkammern und füllen sich mit Blut. Der diastolische Wert gibt den Druck an, der während dieses Zeitraumes besteht.

Messbar wird der Druck mithilfe des Stethoskops, eines Hörrohrs, dessen Membran über einer Schlagader (Arterie) auf die Haut gelegt wird. Treten beim Ablassen des Drucks aus der Blutdruckmanschette die ersten Geräusche auf, ist der systolische Druck erreicht, verschwinden die Geräusche wieder, zeigt das den diastolischen Wert an.

Die Einheit des Blutdrucks ist Millimeter Quecksilbersäule, abgekürzt mmHg nach dem chemischen Zeichen für Quecksilber (Hg).

irb
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