Deutschland Weniger junge Blutspender, mehr ältere Empfänger

Ein Unfall oder eine schwere Krankheit - jeder kann plötzlich auf Blutkonserven angewiesen sein. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Spende.

Blutspende (Archivbild)
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Blutspende (Archivbild)


Viele Deutsche wissen, wie sich eine Blutspende anfühlt. Fast jeder zweite hat es schon einmal getan, zeigt eine aktuelle Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Dabei sind Männer vorbildlicher als Frauen. Während von ihnen 56 Prozent in ihrem Leben mindestens einmal Blut gespendet haben, liegt der Anteil bei Frauen demnach nur bei 42 Prozent.

Trotz dieser hohen Zahlen warnt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) davor, dass die Spendenbereitschaft bei jüngeren Menschen sinkt. Das könnte in einer alternden Gesellschaft zum Problem werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Blutspende im Überblick.

Warum ist Blutspenden so wichtig?

Blutkonserven und Medikamente aus Blutbestandteilen retten nach schweren Unfällen und bei größeren Operationen Leben. Sie werden auch zur Behandlung verschiedener Erkrankungen, wie zum Beispiel bei bösartigen Tumoren, immer wieder dringend benötigt. Im Detail:

  • Die meisten Produkte aus Spenderblut (19 Prozent) erhalten Krebspatienten.
  • An zweiter Stelle stehen Patienten mit Herz- und Magen-Darm-Erkrankungen, bei diesen werden jeweils etwa 16 Prozent eingesetzt.
  • 12 Prozent der Blutspenden nutzen Ärzte nach Unfällen.
  • Außerdem sind auch Patienten mit Leber- und Nierenkrankheiten oder Blutarmut sowie Frauen nach Komplikationen bei der Geburt auf Spenden angewiesen.

Wie viele Menschen spenden Blut?

In Deutschland spenden laut DRK im Schnitt etwa drei Prozent der Bevölkerung regelmäßig Blut. Es könnten aber mehr als 30 Prozent sein, sagen Blutspendedienste.

Wer darf alles Blutspenden?

In Deutschland kann jeder zwischen 18 und 68 Jahren Blut spenden. Frauen dürfen vier Mal, Männer sechs Mal im Jahr zur Spende. Dabei kommt nur infrage, wer sich gesund fühlt und mindestens 50 Kilogramm wiegt, zählt das DRK die Bedingungen auf. Aber auch abgesehen davon gibt es mehrere Ausschlusskriterien. Neben Drogenkonsum und Reisen in Länder, in denen etwa tropische Krankheitserreger zirkulieren, zählen dazu auch die sexuellen Vorlieben potenzieller Spender.

In Deutschland sind Homosexuelle nach wie vor von der Spende ausgeschlossen. Begründet wird dies mit einem höheren Risiko, Infektionskrankheiten zu übertragen. Schwulenverbände sehen darin eine Diskriminierung, die Politik diskutiert immer wieder, ob das Verbot noch zeitgemäß ist. Unter anderem die USA haben die Regelung mittlerweile gelockert. Dort dürfen bi- und homosexuelle Männer wieder Blut spenden - allerdings nur, wenn sie zuvor ein Jahr lang keinen Sex mit Männern hatten.

Kommt es durch die alternde Gesellschaft zu Engpässen?

Schon jetzt spenden laut DRK immer weniger junge Menschen Blut. Gleichzeitig gibt es immer mehr ältere Empfänger. Diese Entwicklung werde sich in den kommenden Jahren Prognosen zufolge fortsetzen, sagt Kerstin Schweiger, Sprecherin der DRK-Blutspendedienste. Andererseits steige die Lebenserwartung und Vitalität. Dadurch stünden regelmäßige Spender auch länger zur Verfügung, ergänzt Marion Junghans vom Verband unabhängiger Blutspendedienste (VUBD).

Urlaubszeit, Feiertage, extreme Wetterverhältnisse, aber auch Grippewellen, Fußball-Großereignisse oder die Pollensaison sind weitere Gründe, aus denen die Spendenbereitschaft schwankt. "Angst, dass man stirbt, weil gerade kein passendes Blutprodukt zur Verfügung steht, muss man jedoch nicht haben", sagt Junghans. Die Notversorgung sei abgesichert. In den vergangenen Jahren sei in Deutschland immer etwa so viel Blut gespendet worden wie benötigt.

Welche Risiken bringt das Blutspenden mit sich?

Wer Blut spenden möchte, muss über Risiken aufgeklärt werden. Die meisten vertragen die Spende gut, in der Regel ersetzt der Körper die fehlende Flüssigkeit innerhalb weniger Tage. Bei manchen führt das Blutabnehmen jedoch vorübergehend zu Kreislaufschwierigkeiten. Wer etwa zwei bis drei Stunden vor der Spende ausreichend isst und trinkt, kann sich schützen.

Hinzu kommen mögliche Nebenwirkungen durch den Einstich: Gelegentlich könne es zu Nachblutungen, einem Bluterguss oder Nervenirritationen kommen, heißt es beim Roten Kreuz. In sehr seltenen Fällen seien auch Thrombosen und schmerzhafte Nervenverletzungen möglich.

Wo kann man Blut spenden?

Das Deutsche Rote Kreuz deckt mit seinen Blutspendediensten etwa 70 Prozent des Blutbedarfs in Deutschland ab. Darüber hinaus gibt es auch eine Reihe privater und kommunaler Dienste, die etwa von Kliniken organisiert werden.

Werden Blutspender für den Aufwand bezahlt?

Das kommt darauf an, bei wem man spendet. Das Deutsche Rote Kreuz zahlt aus ethischen Gründen keine Aufwandsentschädigung für Vollblutspenden. Der Verband unabhängiger Blutspendedienste hingegen weist darauf hin, dass Blutprodukte wie alle anderen Arzneimittel gehandelt werden und einen entsprechenden Preis haben.

Ein Spender habe ein Recht, seinen Aufwand ersetzt zu bekommen, sagt Sprecherin Junghans. Die Uniklinik Köln vergibt beispielsweise bei der ersten Spende Gutscheine und zahlt beim zweiten Mal 25 Euro. Diesen Betrag gibt es auch in der Uniklinik Freiburg, in Göttingen sind es 23 Euro.

irb/AFP/dpa



insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
Scum 14.06.2016
1.
Ist es richtig, dass das Blut, das mit der Maschine aus dem Körper gebracht wird, teilweise wieder in den Körper zurücktransferiert wird? Wie wird denn dann die Übertragung von Krankheiten verhindert?
cyoulater 14.06.2016
2. Sinnlose Einschänkungen
"In Deutschland spenden laut DRK im Schnitt etwa drei Prozent der Bevölkerung regelmäßig Blut. Es könnten aber mehr als 30 Prozent sein, sagen Blutspendedienste." * Ich würde sehr gerne spenden - habe ich auch früher regelmäßig getan. Darf ich aber nicht mehr, seit ich mal eine Blutkonserve erhalten habe, genauer: In einer deutschen Uniklinik habe ich eine dort eingesammelte, sicherlich x-fach getestete Blutspende erhalten. Ich habe mir damit weder HIV noch Hepatitis noch irgendwas anderes, Nachweisbares eingefangen, so die zahlreichen Tests im Nachgang. Trotzdem bin ich für alle Zeit vom Blutspenden ausgeschlossen. Wieso das so ist, konnte mir bisher noch niemand sinnvoll erklären. Die Liste der Länder, die man nicht bereist haben darf, ist ebenfalls sehr lang - früher war sogar GB mit dabei, wegen BSE...keine Ahnung, ob das heute immer noch so ist. Sätze wie den oben lese ich daher mit eher gemischten Gefühlen.
mat_1972 14.06.2016
3.
Solange die "ehrenwerten" Organisationen Geschäfte mit meinem Blut (oder auch Organen) machen, die zu einem Großteil finanzieller Natur sind, solange werde ich niemals auch nur einen Tropfen Blut geben! Macht das ganze Geschäft transparent, bestraft Mißbrauch hart, und zahlt für die Blutspende.... Und schon habt "ihr" 50% mehr Spender als jetzt.
BettyB. 14.06.2016
4. Seltsam...
Die für den Spendenden wichtigste Information fehlt wieder einmal, denn das gespendete Blut wird untersucht und viele Spender verdanken ihr eigenes Leben dabei erkannten Krankheiten. Blutspenden als Selbstschutz, einfach zu verstehen, aber fast nie so benannt. Warum eigentlich?
Sibylle1969 14.06.2016
5.
Da viele Frauen einen Eisenmangel haben, wird Frauen häufig vom Arzt abgeraten, Blut zu spenden. Insofern erklären sich die niedrigeren Spenderzahlen von Frauen. Mir wurde auch davon abgeraten.
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