Blutspende Kliniken kommen mit weniger Transfusionen aus

In Deutschland werden weniger Blutkonserven benötigt, die Kliniken gehen sparsamer damit um. Dennoch: Rund 80 Prozent der Menschen brauchen mindestens einmal im Leben fremdes Blut oder daraus erzeugte Produkte.

Blutkonserve: Wer spenden will, muss mindestens 18 Jahre alt sein
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Blutkonserve: Wer spenden will, muss mindestens 18 Jahre alt sein


Hamburg - 2013 erhielten Patienten in Deutschland knapp 5,5 Millionen Transfusionen, vor allem Konzentrate mit roten Blutkörperchen, aber auch Blutplättchen, die für die Gerinnung vonnöten sind, sowie Frischplasma.

Damit wurden im Vergleich zum Vorjahr rund sieben Prozent weniger Blutprodukte genutzt; seit mehreren Jahren sinkt der Bedarf.

Blutspenden bleibt dennoch wichtig. Manche Patienten können ohne Blutspende nicht überleben, sagt eine Sprecherin des DRK Blutspendediensts Nord-Ost. So würden etwa ein Fünftel der Spenden werden laut DRK für Krebspatienten verwendet.

"80 Prozent aller Menschen in Deutschland sind mindestens einmal im Leben auf Blut oder Medikamente angewiesen, die aus Blutbestandteilen hergestellt werden", sagt Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. "Da Blutkonserven nur rund fünf Wochen haltbar sind, ist es wichtig, dass Menschen regelmäßig Blut spenden."

Die Nachfrage wird laut Experten wieder steigen

Der sinkende Bedarf an Blutkonserven lässt sich unter anderem dadurch erklären, dass Kliniken sparsamer damit umgehen. "Vor allem bei geplanten Eingriffen können Ärzte heute im Vorfeld alternative Maßnahmen ergreifen", sagt DRK-Sprecher Friedrich-Ernst Düppe.

Vorreiter sind die Unikliniken Münster, Bonn, Frankfurt am Main und Schleswig-Holstein. Anfang 2013 starteten sie ein Blut-Management-Programm. Nun werden Patienten zum Beispiel vor Eingriffen auf Blutarmut getestet. Operiert wird erst, wenn der Mangel behandelt ist. Es geht nicht nur darum, Kosten zu sparen: Die Weltgesundheitsorganisation fordert seit Jahren einen bewussten Umgang mit Blutkonserven. Ziel ist auch, Patienten Nebenwirkungen und Folgeerkrankungen zu ersparen, die mit Transfusionen fremden Blutes einhergehen können.

Die Nachfrage werde in Zukunft wieder steigen, sind die DRK-Experten überzeugt. Auf mehr ältere Menschen, die nicht mehr spenden dürfen oder die selbst Bluttransfusionen benötigen, kämen weniger junge Spender. Aktuell spenden rund zwei Millionen Menschen in Deutschland regelmäßig Blut.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) dankt anlässlich des Weltblutspendetags am 14. Juni allen Blutspendern in Deutschland: "Wer Blut spendet, hilft Menschen in Notsituationen."

Allerdings darf in Deutschland nicht jeder Blut spenden. So müssen Spender unter anderem mindestens 18 Jahre alt sein und dürfen nicht weniger als 50 Kilo wiegen. Erstspender müssen in der Regel jünger als 68 Jahre sein. Zusätzlich existieren diverse zeitliche Einschränkungen, etwa nach Operationen, der Einnahme von Antibiotika, oder dem Durchstehen einer Infektionskrankheit. Männer, die Sex mit anderen Männern haben, sind ebenfalls ausgeschlossen.

wbr/dpa



insgesamt 6 Beiträge
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kommunaler querdenker 13.06.2014
1. 80 %...
...aller Bundesbürger BRAUCHEN einmal im Leben eine Blutkonserve, oder 80 % BEKOMMEN eine Selbige? Zeugen Jehovas lehnen bekanntermaßen aus religiösen Gründen eine Transfusion ab. Das würde ja heißen, dass 80 % aller Zeugen Jehovas an einer fehlenden Transfusion sterben... Solche Fälle sind jedoch tatsächlich extremst selten!
rattentier@gmx.de 14.06.2014
2.
Grundsätzlich ist der transplantationsskandal von der Blutspende ziemlich weit weg... Aber gut. Wenn diese Menschen sich nicht informieren wollen... Man braucht nur ein einziges mal gesehen zu haben wie bei ner massentransfusion (die in großen Zentren nichtmal so selten ist) einfach mal 5x mehr in diesen Menschen reinläuft als man in einem Jahr spenden darf, dann bekommt man ein etwas anderes Verhältnis dazu. Es tut einem nicht weh, es gibt kein ethisches Dilemma (Grundangst zu früh für tot erklärt zu werden, listen die umgangen werden).. Ich finde es nicht schlimm wenn jemand sagt nein das kann ich nicht, mir wird da schlecht oder sonstwas, das ist okay, nur wer zu faul ist oder sich nicht interessiert weil es ihn nicht betrifft, der braucht dann auch nicht meckern wenn es für ihn gerade kein Blut gibt wenn er es mal braucht!
kommunaler querdenker 14.06.2014
3. Verzeihung...
...aber da entgeht mir jetzt der Zusammenhang zum Artikel und meinem Zitat!
worschtsalat 14.06.2014
4. Zeugen Jehovas
Wieviel Prozent der Zeugen Jehovas halten an ihrem Glauben fest im Angesicht des Todes? Trotzdem, es wird zu freizügig mit Blutprodukten umgegangen. Genau so, wie mit anderen Produkten und Leistungen auch (auch wenn sich sickAt offensichtlich nicht ausreichend therapiert fühlt). Ich spende seit Jahren kein Blut mehr, da ich davon ausgehe, dass unser Gesundheitssystem nur durch Mangel zu reformieren ist.
asmael666 14.06.2014
5.
Na, vielleicht sollten die Blutspendezentren mal entweder ordentliche Preise für die Blutspende zahlen, oder eben komplett non-profit arbeiten. Solange ich aber weiß, daß sich jeder in der Verwertungskette ne goldene Nase damit verdient, die Spender aber teilweise wirklich mit dem sprichwörtlichen Appel und Ei abgespeist werden, finde ich die ständigen moralisierenden Spendeaufforderungen ziemlich daneben. /Asmael
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