Für Kitakinder Brandenburg will Masern-Impfpflicht einführen

Wer sein Kind in eine Kita oder andere Betreuung geben möchte, muss in Brandenburg künftig Masernimpfungen vorweisen. Damit schafft das Bundesland Fakten - vor der Bundesregierung.

Kreuze bei Masernimpfung sind in Brandenburg bald Voraussetzung
Daniel Karmann/ DPA

Kreuze bei Masernimpfung sind in Brandenburg bald Voraussetzung


In Brandenburg sollen Eltern ihre Kinder in Zukunft gegen Masern impfen lassen müssen, damit sie Kitas und andere Tagespflegeeinrichtungen besuchen können. Die regionale Impfpflicht soll gelten, bis bundesweit verpflichtende Regelungen existieren.

Der Landtag hat am Donnerstagabend einem entsprechenden Antrag von SPD, Linken und CDU mit breiter Mehrheit zugestimmt. Er ist jetzt damit beauftragt, Regelungen zu schaffen, um den Beschluss umzusetzen. Die Impfpflicht ist also nicht ab sofort gültig.

"Die Masern zählen nach wie vor zu den gefährlichsten Kinderkrankheiten", heißt es in dem Antragsschreiben. Impfungen seien eine äußerst wirksame Präventionsmaßnahme. Dennoch komme es immer wieder zu Erkrankungen. "Zahlreiche Ausweitungen der freiwilligen Impfberatung haben damit offenbar das Ziel, diese Krankheit zu besiegen, verfehlt."

Neben der Impfpflicht für Kitakinder soll dem Antrag zufolge auch der Zugang zum Impfen erleichtert werden. Außerdem soll eine umfassende Kampagne über die Risiken der Masern informieren. Die Infektion kann auch noch Jahre nach dem Abklingen der Erkrankung zu einer potenziell tödlichen Gehirnentzündung führen.

Nur 73,5 Prozent der Zweijährigen geimpft

Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut empfiehlt, Kinder innerhalb der ersten zwei Jahre zweimal gegen Masern impfen zu lassen: Das erste Mal zwischen dem elften und 14., das zweite Mal zwischen dem 15. und 23. Monat. Dieses Ziel erreichen dem Antrag zufolge in Brandenburg nur 73,5 Prozent der Kinder.

In einem weiteren Schritt will Brandenburg prüfen, ob auch bei weiteren Infektionskrankheiten verpflichtende Impfungen notwendig sind. Außerdem soll das Bundesland über den Bundesrat eine Initiative einbringen, um eine bundesweite Impfpflicht voranzutreiben.

Die Bundesregierung prüft aktuell bereits die Möglichkeit einer gesetzlichen Impfpflicht gegen Masern. Nach Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich zuletzt auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) für eine Masern-Impfpflicht ausgesprochen. "Die Gesundheit und der Schutz der gesamten Bevölkerung setzen der individuellen Freiheit Grenzen", sagte Giffey.

Dem Antrag des brandenburgischen Landtags zufolge haben mehr als 70.000 Kleinkinder in Deutschland keinen Masernschutz. Zudem fehlt vielen jungen Erwachsenen die notwendige Zweitimpfung. Masern sind hoch ansteckend. Von 100 Menschen, die nicht durch eine Impfung oder eine frühere Infektion geschützt sind, erkranken 95.

Deutschland: 263 Fälle bis zum 24. März

Dem Robert Koch-Institut zufolge sind dieses Jahr bereits 263 Menschen an den Masern erkrankt, die aktuellen Zahlen reichen bis zum 24. März. Eigentlich sollte die Infektionskrankheit in Europa bis 2015 ausgerottet sein.

Dass manche Eltern vor allem Masernimpfungen skeptisch gegenüber stehen, hängt mit jahrzehntealten Fehlinformationen zusammen, die noch immer kursieren. 1998 behauptete ein Forscherteam um Andrew Wakefield, Schutzimpfungen gegen Masern, Mumps und Röteln könnten Autismus verursachen. Aufgrund einer "unehrlichen" Darstellung der Ergebnisse wurde die Veröffentlichung zurückgezogen.

Mittlerweile haben etliche Studien eindeutig widerlegt, dass ein Zusammenhang zwischen der Impfung und Autismus existiert (zuletzt hier). Trotzdem wirkt sich der Schaden der Falschinformationen bis heute aus.

Im Video: Die bizarre Welt deutscher Impfgegner

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irb/dpa



insgesamt 55 Beiträge
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Europa! 12.04.2019
1. Sehr vernünftig
Brandenburg macht damit einen wichtigen Schritt für die Gesundheit unserer Kinder. Es ist nicht akzeptabel, dass ungeimpfte Kinder Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas benutzen.
Mr Gaga 12.04.2019
2. Na endlich,
Kinder gehören nicht ihren Eltern, sondern diese sind sorgeberechtigt. Und wer sich gegen die Realität stemmt, verliert am Ende immer. Mit Freiwilligkeit erreicht man eben nie alle, das ist hier aber erforderlich. Und niemals vergessen: Es geht hier um Schutzbefohlene, die keine Masern bekommen dürfen!
seeberger.h 12.04.2019
3. Schutzlücke durch Impfung
"Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut empfiehlt, Kinder innerhalb der ersten zwei Jahre zweimal gegen Masern impfen zu lassen: Das erste Mal zwischen dem elften und 14...." Damit sind Säuglinge bis zu 11. Monat nicht geschützt, da geimpfte Mütter keinen zuverlässigen Nestschutz bieten können. Eine frühere Impfung bringt kaum etwas, da das Immunsystem von Säuglingen erst reifen muss. Hinzu kommt eine seitens der Stiko zugegeben Quote von bis zu 8 % Impfversagern (Impfung spricht nicht an). Das Ziel der Ausrottung der Masern setzt aber eine *weltweite* Durchimpfung von 95 % voraus. Das bedeutet, dass dieses Ziel momentan garnicht zu erreichen ist (siehe z. B. Zerstörung staatlicher Strukturen im nahen Osten und jetzt auch drohend in Südamerika). Es bleiben also bei erheblicher globaler Migration die Säuglinge und die Impfversager ungeschützt.
samjohanson 12.04.2019
4. Welch frohe Botschaft
Sehr Vernünftig... Sehr erfreulich... Zum Schutze aller Mitmenschen...
stasy 12.04.2019
5. ...und Gleiches für die Schule!
Sehr gut, endlich wird mal gehandelt damit dieses asoziale Verhalten ggü der Gesellschaft eingedämmt wird. Sicher - es gibt begründete Ausnahmefälle, dass ein Kind nicht geimpft werden kann und das soll auch so bleiben. Aber der Standard sollte sein, dass die Impfung durchgeführt wird. Und am Besten wäre es, dass eine fehlende Impfung auch zum Schulausschluss führt. Da wir in Deutschland Schulpflicht haben, sollten die Erziehungsberechtigten nicht geimpfter Kinder im Extremfall in Beugehaft genommen werden können da sie ihr Kind nicht zur Schule schicken. Aus die Maus!
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