Masern und Röteln Brasilien will billige Impfstoffe für arme Länder herstellen

Eine Impfstoffdosis soll so günstig sein wie nirgends sonst auf der Welt: Für 39 Cent will Brasilien Immunisierungen gegen Masern und Röteln für arme Länder bereitstellen. In Zusammenarbeit mit der Bill & Melinda-Gates-Stiftung sollen die Impfstoffe ab 2017 nach Asien und Lateinamerika exportiert werden.

Immunisierung gegen Masern und Röteln: Billige Impfstoffe für Asien und Lateinamerika
DPA

Immunisierung gegen Masern und Röteln: Billige Impfstoffe für Asien und Lateinamerika


Rio de Janeiro - Brasiliens Regierung hat die Produktion von Impfstoffen gegen Masern und Röteln zu Billigpreisen angekündigt. Von 2017 an sollen insgesamt 30 Millionen Dosen des Doppelimpfstoffs vor allem nach Afrika aber auch nach Asien und Lateinamerika exportiert werden, wie Gesundheitsminister Alexandre Padilha am Montag in Rio de Janeiro ankündigte.

Dazu werde das Ministerium 1,6 Milliarden Reais (rund 530 Millionen Euro) für den Bau einer Fabrik in Santa Cruz im Westen Rios bereitstellen. Das Projekt wird in Partnerschaft mit der Bill & Melinda-Gates-Stiftung umgesetzt, die 1,1 Millionen US-Dollar für Forschung und klinische Entwicklung spende. Die Dosen würden dann von der Stiftung gekauft und an die ärmsten Länder weitergegeben.

Die Impfstoffdosis soll laut Padilha zum weltweit niedrigsten Preis von 54 US-Cent (39 Euro-Cent) abgegeben werden. Die Produktion liegt beim Immunbiologischen Institut Bio-Manguinhos der öffentlichen Stiftung "Fundación Instituto Oswaldo Cruz" (Fiocruz).

In Deutschland kommt es immer wieder zu Masern-Ausbrüchen, obwohl die Ständige Impfkommission (Stiko) die Immunisierung allen nach 1970 Geborenen empfiehlt. Lässt man sich gegen die Masern immunisieren, erhält man auch gleich den Schutz gegen Mumps und Röteln, denn einen reinen Masern-Impfstoff gibt es in Deutschland nicht. In Brasilien sind Masern und Röteln seit 2000 beziehungsweise 2009 ausgerottet.

hei/dpa

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newsway 29.10.2013
1. Populistisches Vorgehen
Wenn die Impfstoffe - billig im Verkauf - in den armen Ländern ankommen, dann werden diese Produkte mit einem deutschen Beipackzettel, deutschen Etiketten an den Textseiten, als Re-Importe nach Deutschland gesandt und dort mit dem hohen deutschen Preis profitabel verkauft. Der Gewinn geht nicht an die so oft gescholtene Pharma-Industrie, sondern an skrupellose Händler.
chb_74 29.10.2013
2. Geht nicht...
Zitat von newswayWenn die Impfstoffe - billig im Verkauf - in den armen Ländern ankommen, dann werden diese Produkte mit einem deutschen Beipackzettel, deutschen Etiketten an den Textseiten, als Re-Importe nach Deutschland gesandt und dort mit dem hohen deutschen Preis profitabel verkauft. Der Gewinn geht nicht an die so oft gescholtene Pharma-Industrie, sondern an skrupellose Händler.
Das funktioniert nicht, weil die Impfstoffe dafür erst die komplette EU-Zulassungsprozedur durchlaufen müssen und außerdem nach der Produktion in der EU für die EU getestet und freigegeben werden müssen. Das verlangen die gesetzlichen vorgaben in der EU. "Reimportieren" kann man nur ein hier zugelassenes Produkt, das mit Aufmachung für ein anderes Land dann hierhin "zurückgeholt" wird. Die Zulassung wäre allerdings eine Herausforderung. Billig sind Impfstoffe bzw. überhaupt Arzneimittel vor allem dann, wenn man die Standards für die Produktion senkt. Es gibt einen Impfstoffhersteller, der einen Tollwutimpfstoff in Europa für EU und USA fertigt und gleichzeitig denselben Impfstoff in einem Werk in Indien nur für Indien und wenige andere südostasiatische Länder. Der ist viel billiger, hätte aber hier niemals eine Chance auf Zulassung - mangelnde mikrobiologische Sicherheit beim deutlich einfacheren Prozess wird durch die Zugabe von 3 Antibiotika im Prozess ausgeglichen; es gibt keine Chance, sowas in der EU noch auf den Markt zu bekommen. Aber es ist eben eine billigere Produktionsweise, da der Aufwand für die aseptische Fertigung nicht so hoch sein muss. Da werden dann auch noch Konservierungsmittel reingehauen, die in der EU schon verbannt sind...
raber 29.10.2013
3. Positives Vorgehen
Sehr positiv, dass sich endlich eine Regierung daran macht Medikamente zu erschwinglicheren Preisen anzubieten und nicht wie die Pharma-Industrie Riesengeschäfte mit dem Leiden anderer zu machen. Auch prima von der Bill & Melinda-Gates-Stiftung die einiges von ihrem Vermögen umverteilen.
Lapsus 29.10.2013
4. Philanthropie wohl nur ein Grund
Zitat von sysopDPAEine Impfstoffdosis soll so günstig sein wie nirgends sonst auf der Welt: Für 39 Cent will Brasilien Immunisierungen gegen Masern und Röteln für arme Länder bereitstellen. In Zusammenarbeit mit der Bill & Melinda-Gates-Stiftung sollen die Impfstoffe ab 2017 nach Asien und Lateinamerika exportiert werden. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/brasilien-will-billige-impfstoffe-fuer-arme-laender-produzieren-a-930538.html
Bisher ist die Versorgung der Dritten Welt mit hochwertigen, sehr preisgünstigen Impfstoffen und biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln eine Domäne Kubas und Indiens. Indien streubt sich bislang weitgehend erfolgreich, die US Vorstellungen zur Regelung des globalen Pharmamarktes mitzumachen. Kuba ist für die USA wohl immer noch ideologisch so etwas wie der "auf Erden wandelnde Belzebub", lässt sich über das Patentrecht nicht fassen, weil die Präparate im Land selbst trotz US-Embargo entwickelt wurden. Wenn eine US NGO jetzt mit sehr viel Geld die Produktion preiswerter Arzneimittel für die Dritte Welt in einem Schwellenland subventioniert, das sich den US Rechtsvorstellungen unterworfen hat, dann untergräbt das ganz zwangsläufig die Position der beiden Konkurrenten, die das bislang nicht machten. So sehr es zu begrüßen ist, wenn in armen Ländern hochwertige Impfstoffe und Arzneimittel zu vernünftigen Preisen angeboten werden: Hier handelt es sich wohl eher um einen willkommenen Nebeneffekt, der für eine gute Presse sorgen soll. Lapsus
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