Erregersuche Tiefkühl-Erdbeeren sollen Brechdurchfall ausgelöst haben

War es der Grießbrei mit Erdbeerkompott? Die Behörden sind dem Verursacher der Magen-Darm-Grippewelle auf der Spur. Demnach könnten tiefgekühlte Erdbeeren aus China die Hauptquelle für den Erreger gewesen sein, der über Zehntausend Erkrankungsfälle ausgelöst hat.
Nachspeise mit Erdbeeren: Tiefgekühlter Kompott soll Erreger der Magen-Darm-Grippewelle übertragen haben

Nachspeise mit Erdbeeren: Tiefgekühlter Kompott soll Erreger der Magen-Darm-Grippewelle übertragen haben

Foto: Matthew Mead/ AP

Die Hauptquelle für die massenhaften Magen-Darm-Erkrankungen in Ostdeutschland ist möglicherweise gefunden: Nach Angaben des Thüringer Sozialministeriums sind die Brechdurchfälle, von der hauptsächlich Kinder und Jugendliche betroffen waren, wahrscheinlich durch Erdbeerkompott verursacht worden. Die Erdbeeren seien gefroren geliefert worden und aufgetaut zu Kompott verarbeitet und zusammen mit einem Grießbrei-Gericht gereicht worden, sagte Ministeriumssprecher Uwe Büchner am Freitag. Dies betreffe "mindestens Thüringen und Sachsen".

Auch der Sprecher des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), Holger Eichele, bestätigte den Verdacht. "Wir sind bei den Ermittlungen einen großen Schritt vorangekommen."

"Es verdichten sich die Hinweise, dass die Erdbeeren der Auslöser der Erkrankungen sein können", sagte Büchner. Absolute Sicherheit gebe es derzeit aber noch nicht, noch seien die Ermittlungen auch nicht abgeschlossen. Aus Kreisen der Lebensmittelfahnder hieß es, die verdächtigen Erdbeeren stammten vermutlich aus China. Die Erdbeeren seien von einem Großhändler an Küchen des Großcaterers Sodexo mit Hauptsitz im hessischen Rüsselsheim geliefert worden.

Welche Erreger über das Erdbeerkompott verbreitet wurden, war zunächst nicht klar. Die Behörden gehen bisher davon aus, dass Noroviren bei dem Ausbruch eine Rolle spielen. Die Ergebnisse der vergangenen Tage deuteten zumindest darauf hin. Allerdings ist der Verdacht noch nicht abschließend gesichert. Grundsätzlich kommen auch andere Erreger wie etwa Salmonellen in Frage. Sowohl Noroviren als auch Salmonellen überleben bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad Celsius.

Nicht ausreichend erhitzt

Zu den Infektionen sei es wahrscheinlich in Einrichtungen gekommen, die diese Tiefkühlware vor dem Servieren als Nachspeise nicht vollständig erhitzt hätten. Wenn die Erdbeeren nur aufgetaut oder zu schwach erhitzt worden seien, könnten nicht alle Keime abgetötet worden sein.

Mehr als eine Woche nach dem Ausbruch der massenhaften Magen-Darm-Erkrankungen in ostdeutschen Schulen und Kitas haben Einrichtungen in Sachsen neue Fälle gemeldet. Von zehn bisher nicht betroffenen Stellen seien am Freitag 220 Neumeldungen eingegangen, wie aus dem aktuellen Lagebericht des Robert Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. Damit sei die Zahl der Einrichtungen auf 150 gestiegen.

Die Neumeldungen deuten dem Bericht zufolge darauf hin, dass die Krankheitswelle in Sachsen anhält. In den anderen Bundesländern handelte es sich dagegen überwiegend nur noch um Nachmeldungen, die beim Institut eingingen. Insgesamt registrierte das RKI am Freitag 11.200 Erkrankungen.

cib/dpa/dapd
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